Lilli-Alice 24.06.2008, 00:18 Uhr 0 0

Herz oder Kopf.

Herz oder Kopf. "Ich" oder "Wir". Ich stehe mittendrin und weiß nicht, was richtig ist.

Ich erinner mich noch gut. Sogar sehr gut. An die Tage, Wochen, Monate, in denen ich nicht essen konnte. Nicht schlafen, nicht lachen, nicht denken. Ich konnte nichts, rein gar nichts tun. Zu allem musste ich mich zwingen, selbst zum Atmen. Weil mir der Verlust einfach so weh tat. Ich konnte nur weinen und sonst nichts. In mir war Leere. Und Angst. Die Angst vor der Leere, die durch dein Verlassen entstanden ist. In mir war keine Hoffnung mehr, keine Freude. Auch wenn mich jeder meiner Freunde versuchte aufzumuntern, ich konnte nichtmal schmunzeln. Alles in mir war leer, mein Herz war weg. Kaputt, zerrissen, zertrampelt.

Ich weiß noch genau, wie ich fest davon überzeugt war, dass mein Leben ohne dich nicht weitergehen kann. Dass ich ohne dich nichts bin. Dass ich nie wieder lieben, lachen, essen, schlafen, denken, leben kann. Ohne dich. Erinnere mich an die unzähligen Nächte, in denen ich wachlag und weinte und dich so sehr vermisste, das alles in mir schrie.

Ich wollte kämpfen. Um dich. Um uns. Ich habs versucht. Ich bin dir nachgerannt. Ich habe nicht ganz so hart gekämpft, wie ich es gekonnt hätte, aber wenigstens habe ich gekämpft. Du hast mich nur immer wieder aufs Neue kaputt gemacht. Mein Herz zerrissen. Immer und immer und immer wieder.

Ich wollte nur dich. Nichts sonst. Bei jeder Sternschnuppe, die ich sah, bei jeder Wimper, die ich verloren hatte, bei jedem Brunnen, an dem ich vorbeikam, bei jeder Kerze, die ich ausbließ, wünschte ich mir dich zurück. Sonst nichts. Weil es nichts anderes für mich gab.

Mit der Zeit lernte ich, damit umzugehn. Mit dem Verlust und den Tränen. Ich lernte, den Schmerz zu kontrollieren. Lernte wieder zu Essen, zu Lachen und irgendwann konnte ich auch wieder leben. Ohne dich. Und mir ging es gut. Selbst wenn all deine Sachen noch immer in meinem Schrank liegen. Noch immer, in diesem Fach. In deinem Fach. Selbst wenn ich nur ein einziges Bild zerrissen habe und alle anderen noch aufbewahre.

Ich war irgendwann wieder ich. Was mich sehr viel und harte Arbeit gekostet hat. Doch eine Sache, die konnte ich einfach nicht mehr. Lieben. Natürlich hab ichs versucht. Natürlich gab es andere Menschen nach dir, für die ich Gefühle hatte. Doch immer fehlte was. Ich habe stets gewartet, doch es kam nie. Ich konnte niemanden so sehr lieben wie dich. Vielleicht war es Liebe. Aber nie, niemals war es dasselbe Gefühl, wie bei dir. Niemals war es so sicher, so klar, so erfüllend, so...unbeschreiblich.

Nach ewig langer Zeit, glaubte ich aber sogar, wieder lieben zu können. Ich bin mir sogar ziemlich sicher. Und ich frage mich, ob du das riechen konntest oder ob mich das Schicksal einfach nur verarschen will. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe, wieso du plötzlich wieder da bist.

Du tauchst einfach auf und du sagst, du denkst noch so oft an mich. Du sagst, du fragst dich Tag für Tag, ob es nicht doch ein großer Fehler war, mich zu verlassen. Du willst mich unebdingt wiedersehn und bist dir sicher, dass die Gefühle wieder da sein werden und du mich zurückhaben wollen wirst, wenn wir voreinander stehn. Weil du das jetzt schon manchmal willst. Immer wenn du an mich denkst. An uns. Du sagst, du weiß, dass ich dir nicht mehr vertrauen kann, dass ich viel Zeit brauchen werde.

Und jetzt holst du mich wieder ein. Es ist kein Schlag mitten ins Gesicht, wie bei der Trennung. Nein, du holst mich ganz langsam wieder ein. Eine kurze Zeit lang, war alles wieder gut. Und jetzt ertappe ich mich dabei, wie ich immer öfter wieder die Schranktür öffne und über deine Sachen streiche, die da noch immer liegen. Seit mehr als einem Jahr. Wie ich im Bett liege und daran denke, wie es war, als du neben mir lagst. Wie ich die Schublade öffne, in der dein Bild ganz oben drauf liegt und es einfach nicht mehr übers Herz bringe, es wieder nach ganz unten zu legen oder gar wegzuwerfen. Sondern es mir einfach anschaue. Wie ich mir unsere gemeinsamen Fotos ansehe. Meine Lieblingsbilder. Ich ertappe mich dabei, dich wieder ein bisschen zu vermissen. Wieder versuche, deinen Duft unter vielen rauszuriechen, wenn ich in einer Menschenmasse bin. Wieder stockt mein Atem kurz, wenn ich jemanen sehe, der dir ähnlich sieht und wieder überkommt mich dieses komische, beklemmende Gefühl, wenn ich unser Lied irgendwo höre.

Du überlässt mir, was mit uns passiert. Wie es mit uns weitergeht. Ob es jemals wieder ein "wir" geben wird.

Ich erinnere mich an all das Schöne. An die großen und die kleinen Dinge. An all die Orte, an denen wir waren. An deine Blicke, dein Lachen, deine Hände. An die vielen schönen Dinge, die du mir gesagt hast. An deinen Geruch, den ich so liebte, deine Küsse, den Sex. Daran, wie sehr dich alle meine Freunde mochten, wie meine Familie dich aufnahm. Daran, dass wir für so viele das Traumpaar schlechthin waren, vielen Mute gemacht haben und für viele der Inbegriff von Liebe waren, wie sie selbst immer sagten. Auch für mich waren wir perfekt. Ich erinnere mich an unsere Pläne. An alle deine Gesten und Witze. An alles. An uns.

Und du willst meine Antwort hören. Du willst es nochmal versuchen. Und ich weiß es einfach nicht. Mit dir darüber zu reden tut weh und gleichzeitig muss ich lächeln und zittern und mein Herz klopft. Es war so oft, so lange mein einziger Wunsch, wieder mit dir zusammen zu sein.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Herz das will. Nur mein Kopf, der stört. Der sagt, dass ich es lassen soll. Ich hab schonmal auf mein Herz gehört und zur Strafe hast du es zerrissen. Ich wünschte, jemand könnte mir sagen, worauf ich jetzt hören soll...

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