lillilabuse 16.09.2015, 21:21 Uhr 2 4

Herz.Kopf.

Mein Herz und mein Kopf streiten um deine Gunst und um mein Wohl. Mein Kopf versucht mich zu retten, nimmt den Kampf mit dem Herz auf. Jedes Mal.

Diesmal wirst du es spüren. Spüren, wie schön es war. Du wirst mich vermissen. Wirst mir schreiben. Schreiben, wie wunderbar die Nacht war, wie wohl du dich mit mir gefühlt hast. So wohl und geborgen. So, wie ich mich gefühlt habe, als ich in deinen Armen eingeschlafen bin. Ich werde deine Zeilen lesen. Mein Herz wird Luftsprünge machen und meinem Kopf die Zunge rausstrecken. Ich hab´s dir doch gesagt. Du willst mich wieder sehen, mich um dich haben. Alles wird gut sein. 

Sagt mein Herz. 

Doch ich warte. Wieder. Das gleiche Spiel. „Wieder und wieder“, sagt mein Kopf. 

Du wirst dich nicht melden. Mein Blick wird immer wieder aufs Neue über mein Handy schweifen. Doch nichts. 

Ich warte, hoffe. Mein Handy wird klingeln. Nachrichten über Nachrichten, von denen mich keine so befriedigt, wie ein kurzes Lebenszeichen von dir. Ich werde genervt sein, wütend, traurig. Die lieben und aufmunternden Nachrichten lassen mich verzweifeln, obwohl sie mich aufheitern und ermutigen sollten. Doch genau das tun sie nicht. Sie erinnern mich immer wieder ans Warten, Hoffen. 

Das Einschlafen wird zur Qual, das Aufwachen zur Enttäuschung. Das Handy wird ausgeschaltet, in der Hoffnung auf eine Nachricht. Nichts passiert. Bis du das nächste mal nachts allein im Bett liegst und dir wünschst, nicht ganz so alleine zu sein. Ein bisschen Nähe, Liebe und Aufmerksamkeit. Von Zeit zu Zeit. Wenn es die Zeit zulässt. Wenn du nicht gerade bis zum Hals in Arbeit steckst. 

Ich stecke Hals über Kopf in der Liebe fest, bin gefangen. Mein Herz und mein Kopf streiten um deine Gunst und um mein Wohl. Mein Kopf versucht mich zu retten, nimmt den Kampf mit dem Herz auf. Jedes Mal aufs Neue. Die lieben Worte, die schönen Gesten, nicht für immer. Nicht für uns. Du hast es auch gemerkt, doch nur für den Moment. Auswechselbar, Mensch und Zeit. Tage und Nächte des Wartens, Schreiens und ins Kissen Heulens werden vergehen. Ablenkung muss her. Während ich versuche zu vergessen und nur darauf warte, dass die Phase des Trauern endlich vorbei ist, schleichst du dich immer wieder in meinen Kopf. Ich darf dir nicht schreiben, du bist an der Reihe. Eine Antwort auf eine fordernde Nachricht von mir ist nichts wert. Dein Entschluss zu schreiben dafür umso mehr. 

Tränen, Wein und Gespräche. Stunden über Stunden. Die Freundinnen sind nicht mehr aufheiternd und ermutigend. Sie reden klar, mein Kopf gibt es vor, mein Herz nicht. Niemand versteht mich, niemand steckt drin. Kluge Ratschläge werden erteilt. Negative Eigenschaften sollen die positiven überwiegen, was sie insgeheim nicht tun. Nummer und Fotos werden gelöscht, Updates gemacht, wieder gelöscht und Verläufe geleert. Und irgendwann wird es besser. Wut kommt auf. 

Jeder neue Tag macht es etwas besser, der Kopf wird klarer und das Herz leichter. Du verirrst dich nicht mehr in meine Gedanken. Nicht jeden Tag, jede Nacht, jede Stunde, jede Minute und Sekunde. Mein Herz unterstützt den Kopf, versucht dich zu vertreiben. Es funktioniert, halbwegs. Irgendwann konzentrieren sich beide nicht mehr auf dich oder zumindest etwas mehr auf mich. Sehnsucht und zurückgebliebene Gefühle werden unterdrückt und weggeredet, weggelacht. Es funktioniert, immer besser. 

Herz und Kopf auf dem besten Weg. 

Das Handy klingelt. Herz und Kopf auf dem Weg in ein neues Leben. Doch das Herz blickt zurück. Frisst deine Zeilen. Der Kopf verdreht die Augen, versucht vernünftig zu sein. Nicht schon wieder. Aber das Herz fragt nicht, zweifelt nicht. Will nicht zweifeln. Stürzt sich Hals über Kopf zurück. In Liebe, Abhängigkeit und Besessenheit. Will nicht verstehen, dass es nichts bringt. Das gleiche Spiel. Wieder und wieder. 

Früher oder später wird das Herz wieder brechen und der Kopf versuchen es zu flicken. 

Aber es gibt diesen einen Menschen. Er bleibt im Kopf und steckt im Herz. Ein Leben lang. Das Herz kann vergeben, der Kopf nicht vergessen. Dieser eine Mensch, nicht konstant. Taucht auf und verschwindet und hat dennoch immer einen Platz in deinem Leben. Der Mensch, der dich geliebt hat, den du geliebt hast, der dich vertröstet und verletzt hat. 

Es gibt diesen einen Menschen, den du einfach nicht vergisst. Nicht vergessen kannst. 


Tags: Herz, Kopf, Schmerz, Leben
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2 Antworten

Kommentare

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  • 1

    trifft es einfach zu 100% auf den Punkt !

    19.09.2015, 10:04 von joosefine
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  • 1

    wie wahr!

    17.09.2015, 17:37 von violett84
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