Hallo Wirklichkeit, war das alles?
Tür auf. Tür zu. Ein kurzes Ruckeln und der Zug setzt sich in Bewegung. Es geht weiter. Klang die Ansagestimme der Bahn schon immer so traurig?
Wuppertal, Düsseldorf, Neuss. Die Haltestellen sind die gleichen, wie noch vor ein paar Wochen. Auch die Bahnfahrenden sind wie immer, lesen Zeitung, trinken hastig den eben-gekauften Bahnhofskaffee oder teilen dem ganzen Zug ihr Privatleben per Telefon mit. Alles wie immer. Selbst der Schaffner ist der gleiche. Nur ich, ich bin irgendwie anders.
Als ich vorhin dort am Bahnhof stand und der Zug einfuhr, konnte ich dem Wort, dass überall mit gelber Schrift an den Waggons klebte, wie zäher Honig auf einer Scheibe Toastbrot, nicht ausweichen: Köln, Köln, Köln, Köln, Köln.
Dieser Name, der mir noch vor einiger Zeit ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert hatte, und der mir nun die Tränen in die Augen trieb.
Jetzt sitze ich schon seit einer Stunde in diesem Zug und schaue in die Landschaft, dessen Bäume vor ein paar Wochen irgendwie noch grüner, noch frischer und freundlicher wirkten. Damals fuhr ich zu jemandem, den ich sehr mochte, jemandem dem ich einen Teil von mir geschenkt hatte. Einfach so. Und der vor ein paar Tagen festgestellt hatte, dass unsere Welten doch nicht so gut zueinander passen würden. Einfach so.
"Nächster Halt ist Mönchengladbach. Ausstieg in Fahrtrichtung links." dröhnt es aus den Lautsprechern und ich frage mich, ob die automatische Ansagestimme schon immer so traurig klang.
Als ich meinen Blick endlich von der mit Erinnerungen behafteten Landschaft abwende, fällt mein Blick auf den Bezug des Sitzes gegenüber von mir. Im öden grau-roten Muster fehlt ein kleines Stück. Abgeflemmt, von jemandem der sich mit seinem Feuerzeug einen kleinen Spaß hatte erlauben wollen.
Je länger ich es betrachte, desto klarer wird mir, dass auch von mir ein Stück fehlt. Dass jemand damit da draußen herumläuft, der es gar nicht zu schätzen weiß.
"Nächster Halt ist Köln-Mühlheim." Ich schrecke kurz hoch, greife meine Tasche und will mich von meinem Sitz erheben, da fällt mir auf, dass ich heute weiter fahre mit der Bahn, dass ich hier gar nicht mehr aussteigen muss, und dass an der Anzeigetafel auch niemand steht und auf mich wartet.
Der Zug setzt sich wieder in Bewegung, die neuen Bahnreisenden suchen sich ihre Plätze im Abteil. Das Rattern der Räder unter meinen Füßen summt monoton vor sich hin.
Ich sitze weinend in der Bahn, die traurige Ansagestimme summt mir in den Ohren und irgendwo da draußen rennt jemand mit einem Stück von mir durch die Straßen von Köln.



.jpg)

Kommentare