Annabel_Dillig 30.11.-0001, 00:00 Uhr 55 2

Halbzusammen

Es ist mehr als eine Affäre, aber das Feuerwerk, das sonst den Beginn einer neuen Beziehung ankündigt, bleibt aus. Willkommen in der Halbbeziehung.

Früher war die Sache recht übersichtlich. Da kam der Zettel von der Schulbank hinter einem angeflattert und drauf stand: „Willst du mit mir gehen?“ Zwei Kästchen zur Auswahl: „Ja“ und „Nein“. Ein Dazwischen gab’s nicht, kein „vielleicht“ und kein „weiß nicht“: Die Pflichtfelder eines sozialwissenschaftlich vorbildlichen Fragebogens kennen Zweitklässler nicht.

Zwanzig Jahre später regiert das Zwischending. „Vielleicht“ und „Weiß nicht“ sind die Überschriften über unseren Männer- und Frauengeschichten. Sieht man sich so um, stecken mindestens drei der eigenen Freunde gerade in etwas, das mehr geworden ist als eine Affäre, aber weniger als eine richtige Beziehung. Er oder sie ist „halbzusammen“. Fragt man einen der beiden Beteiligten, schwurbeln sie irgend etwas von „Wir haben der Sache noch keinen Namen gegeben“ und „ich mag ihn / sie halt wahnsinnig gern“. Zwischen den Zeilen heißt das:

Der Knaller ist es nicht. Ich warte auf was besseres, auf eine Entscheidung, auf den Moment, in dem ich mir sicher bin und sagen kann: „Jawollja, Baby, mit dir ans Ende der Welt.“ Stattdessen: Drei Monate Beziehungstestphase, inklusive Sex und Tatortschauen, aber eben auch: die Möglichkeit zum Umtausch, zur Reklamation. Wenn der Beziehungszweiteiler nicht so recht passt, an einigen Stellen zwickt oder man längst ein anderes Objekt der Begierde hat, wird umgetauscht und zurückgegeben. Man hat sich ja zu nichts verpflichtet.

Haben Beziehungen, die so halbgar beginnen, eine Chance noch aufzuflammen? Was meint ihr?

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55 Antworten

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    Ich denke schon dass "halbgare" Beziehungen aufleben können. Mein Freund und ich hatten auch so eine "nicht"-beziehung, das hat 1 1/2 Jahre gedauert, und irgendwann haben wir uns entschlossen richtig zusammen zu sein, das heisst also auch öffentlich. Das ist jetzt 2 Jahre her, und wir sind immer noch glücklich zusammen. Ich glaube sogar dass es für uns z.B. so besser war.

    05.10.2007, 12:31 von wildsara
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    Einfach der Hamma dieser Artikel! Da ich mich im Moment auch in so einer Lage befinde habe ich mich sehr über den Artikel gefreut! Er hat mir wirklich weitergeholfen weil er mir endlich die Augen geöffnet hat! Ich denke ich bin auch eine Person B aber das schöne war das mich Person A auf den Artikel aufmerksam gemacht hat und wir ihn zusammen gelesen haben! So sind wir endlich einmal dazu gekommen dem ganzen einen Namen zu geben! Großes Lob! Ob es eine Chance gibt das so etwas aufflammt weis ich nicht, aber möglich ist es bestimmt. Ich denke aber am häufigsten kommt es vor, dass einer mehr will als der andere!=(

    16.09.2007, 19:37 von mrsM
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    Ich befinde mich gerade im Übergang zwischen Affäre zur Halbbeziehung. Wir kennen uns jetzt schon ein Jahr, waren auch schonmal zusammen, bis ich nach dem wir auseinander waren mich für eine Affäre mit ihm entschieden habe (3 Monate danach), da er für meine Verhältnisse zuviel One-Night-Stands hatte, als dass ich denken könnte, dass er für eine Beziehung geeignet ist. Anfangs war er also Part B, nun hab ich leider, dass Gefühl, dass er es so hingenommen hat und sich in Part A entwickelt. Dadurch, dass wir uns mittlerweile gut kennen und er mich gut behandelt, entwickeln sich bei mir Gefühle..... Bloss drüber reden !?!? Aber immerhin habe ich in den Raum gestellt es wäre nur eine Affäre. ... Manchmal habe ich das Gefühl, wenn wir uns länger wieder nicht sehen, dass es nie mehr werden wird, als das was wir haben. Und er hat seitdem wir was haben nie was mit anderen Frauen gehabt. Ich hatte schon eine anfängliche Beziehung in der Zeit, was ich ihm natürlich erzählte hab, da es in der Zeit natürlich nix gab..... Man wird sehen wie es weitergeht. Aber ganz ohne ihn kann ich irgendwie gar nicht..... Und mittlerweile möchte ich viel, viel mehr von ihm :-(

    08.09.2007, 18:10 von sunny761
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    also ich war in einer halbbeziehung über 3 monate. es hatte sogar noch mehr etwas von einer affäre, da wir unseren freunden nichts davon sagten und zeigten.l natürlich munkelte man im freundeskreis über uns und ob wir zusammen seien oder nicht, aber wir bestreitten es eben immer. irgendwann kam jedoch ein wendepunkt. plötzlich war ich der part, der sich verliebt hatte. öfter sprach ich an, ob wir es nicht versuchen sollten, aber es kamen von der anderen seite immer wieder zweifel... bis ich irgendwann in tränen aufgelöst war, wir einen kurzen streit hatten und mein anderes halbbeziehungsich wiederkehrte mit den worten "ich liebe dich". seitdem sind wir nun schon 7 monate zusammen.
    also ja, ich bin das lebende beispiel dafür, dass aus einer halbbeziehung eine richtige beziehung werden kann, die auch funktioniert.

    29.08.2007, 17:01 von coladeckel
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    Nun ist es schon über einen Monat her, dass ich diesen Artikel las, der mich mal wieder voll erwischt hat, da ich mich in eine Halbbeziehung hineinschlittern sah. Wir sind jetzt allerdings noch keinen Schritt weiter, es könnte immer noch eine Halbbeziehung werden, oder auch gar nichts, oder eine Freundschaft.
    Als wir uns Ende April kennenlernten, war die Welt noch in Ordnung. Ich war wieder frei und offen für etwas neues, wollte mich auch nicht unbedingt auf den nächstbesten festlegen, lieber "was erleben". Und fand ihn nett, auf jeden Fall interessant, bei ihm war es genauso, und wir fanden, dass wir schon gut was miteinander anfangen könnten. Wir stelletn mit leichtem Erstaunen fest, dass wir zu ca. 90% dieselben Interessen, Ansichten und Geschmäcker hatten, so oft kommt das ja nicht vor. Eher selten. Und von einem Treffen zum nächsten, wir sahen und sehen uns ca. 14täglich, dachte ich immer mehr.Mannomann, eigentlich stimmt ja alles, er ist ganz genau der Richtige. Er und kein anderer. Diese Idee hat sich mittlerweile fest in mein Gehirn gefressen. Nur: wie steht er dazu? Ich habe nicht sie leiseste Ahnung. Wir haben noch nie über uns gesprochen. Und ehrlich gesagt: ich trau mich einfach auch nicht. Nur einmal per Mail haben wir uns über Beziehungkisten und die Sache zwischen Frau und Mann ausgetauscht. Wirklich schlauer war ich danach aber nicht. Er scheint definitiv nicht verliebt zu sein, aber abgeneigt ist er auch nicht. Aber eine rein körperliche Sache will ich nicht, jedenfalls nicht mit ihm, und ich glaube, er auch nicht. Mittlerweile bin ich schon fast krank vor selbstzerfleischende Gedanken geworden, ein reines Nervenbündel, ich kann mich mit nichts lange ablenken. Er verspricht immer, sich zumelden, sobald er Zeit hat, wieder aus dem Urlaub zurück ist, wieder von dem Wochenendtrip zurück ist, etc. etc. Aber fast immer komme ich ihm mit einer Mail oder SMS zuvor, weil ich es nicht aushalte, versuche gleichzeitig, ihn nicht zu bedrängen. Ach was war das noch schön, als ich ihn nur nett und interessant fand...Ich möchte ja auch nicht von heute auf morgen eine "richtige" Beziehung mit ihm anfangen. Ich will ihn nur dauernd sehen und tolle Sachen mit ihm und unseren Kindern machen. Da liegt einfach so viel Potential. Sieht er das denn nicht?

    26.08.2007, 19:48 von alleinberlin
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      @alleinberlin Hallo Alleinberlin ! ICh kann Dich sehr gut verstehen ( siehe meinen Artikel). Bloss ich denke, was wir schaffen müssen, wenn wir Part A wollen ist, dass wir das Ruder umreissen. Männer wollen jagen und nicht immer als erstes SMS bekommen. Ich versuche gerade es zu ändern und hart zu bleiben, bis er sich mal nach seinen Wochenendtrips meldet. Wichtig ist, dass wenn er sich meldet, dass man zuckersüß antwortet und sich dann wieder rar macht, aber.... ich konnte es bis dato auch nicht. Wollte eigentlich mit ihm reden.... aber ich weiss nicht, ob PArt b das Thema ansprechen sollte, wenn Part A nicht definitiv auch schon PART B ist !?! Manchmal müsste man wirklich in einen anderen Menschen reinschauen können. Alles Gute .. wünscht Sunny761

      08.09.2007, 18:17 von sunny761
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    wow
    der text hat wirklich alles auf den punkt gebracht! ich war bis vor einem monat noch genau in so einer halbbeziehung.. und leider auch in der pos typ b.
    ich konnte nicht schluß machen, obwohl ich wusste, dass es nicht besser wird.
    im endeffekt bin ich froh, dass ich mich nicht mehr mit hoffen und bangen quälen muss - aber es wird wohl noch zeit brauch bis das auch da angekommen ist, wo es die meiste zeit weh getan hat..

    26.08.2007, 03:19 von Strawberry7
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    Erst Freunde, nun verheiratet

    Habe meine Partnerin im Okt 2000 kennen gelernt, wir waren / sind total verschieden. Sie total schuechtern, ich kontaktfreudig, sie erst, ich witzig, sie gibt sich mit dem zufrieden was sie hat und ich bin sehr ehrgeizig. Trotz dieser unterschiede, oder gerade deshalb, haben wir was angefangen von dem wir ausgingen es haelt nicht lang. Heute sind wir 7 Jahre zusammen und seit letztem Jahr verheiratet. Ich wuerde sie nie wieder hergeben, wir sind sehr verschieden aber in ihr habe ich auf eine andere Art und Weise einen Seelenverwandten gefunden!

    24.08.2007, 12:05 von Dany79
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    Jetzt muss ich mich hier auch mal zu Wort melden.
    Es ist schon echt bitter, zu erkennen, wie viele es von diesen merkwürdigen Beziehungskisten gibt, von denen man bisher zwar wusste, sie aber nicht betiteln konnte. Nun haben wir endlich einen Namen für das Problem, aber noch immer keine wirklich zufrieden stellende Lösung.
    Ich persönlich befinde mich in der (glücklichen?) Lage, Typ A zu sein, mein Gegen(mit)part jedoch auch. Mit anderen Worten, bei uns stand relativ schnell fest, dass wir uns toll finden, super viel Spaß miteinander haben und uns in der Nähe des anderen einfach sehr wohl fühlen - kurzum: rein theoretisch passen wir echt gut zusammen. Das einzige Manko: wir sind nicht verliebt und waren es zu keinem Zeitpunkt... Ob das der Knackpunkt an der Sache ist, steht bisher noch nicht fest. Nach ein paar Monaten dieser 'Halbbeziehung' hatte ich die Nase voll und wollte es einfach wissen (solange war es vollkommen in Ordnung für mich, ich wollte ja auch gar nicht mehr als das). Ich war mir nicht sicher, ob er unser Verhältnis so locker sieht, dass er sich nebenbei immer noch nach anderen umsieht oder ob er sich ggf. doch eine richtige Beziehung (in der ja momentan offensichtlich nur die Prise Verliebtheit von beiden Seiten fehlt) mit mir vorstellen könnte. Ich hatte und hab natürlich auch keine Ahnung, ob das überhaupt geht, aber da ich so etwas Ähnliches selbst schon einmal erlebt hab (also etwas, das ohne rosarote Brille und wahnsinniges Kribbeln direkt in einer Beziehung gemündet hat), wollte ich es wenigstens mal ansprechen und fragen, ob er es auch auf einen Versuch ankommen lassen würde. Zudem war es auch noch zu einem Zeitpunkt, an dem es vielleicht noch nicht ganz so schlimm geworden wäre, wenn er die Frage verneint hätte. Aber die Phase, in der man sich alle Türchen offen hält und keine Verpflichtungen eingeht, war für mich einfach vorbei. Dass mein Vorhaben auch das Risiko in sich barg, dass wir danach getrennte Wege gehen würden, war mir absolut bewusst. Aber das war es mir wert. Jedenfalls haben wir uns dafür, also für uns als Paar, entschieden und die Entscheidung bisher nicht bereut…
    Es fühlt sich einfach richtig gut an, wenn man auch nach außen hin dazu steht und dem Kind einen richtigen (!) Namen geben kann. Klar wissen wir auch hier nicht, wie sich das weiter entwickelt (momentan sind wir beide schon sehr süß und blicken recht optimistisch in die Zukunft), aber das weiß man bei einer ’normalen’ (was ist schon normal?) Beziehung auch nicht. Wenn da der Eine merkt, dass die Gefühle nicht mehr reichen oder er sich gar in jemand anders verguckt hat, muss er das dem anderen auch irgendwie beibringen. Und das ist immer hart für denjenigen, der (noch) liebt. Garantien gibt es eh keine…
    Ich bin so definitiv glücklicher als in dieser undefinierbaren Form des Miteinanders. Klar wäre mir lieber, ich würde dieses wieder Gefühl spüren oder er würde mir gestehen, dass er sich verliebt hat, aber vielleicht geht es ja auch ohne diese Phase. Wünschen würden wir es uns beide.
    Das Gute und – wie ich finde – Wichtige an unserer Beziehung ist, dass wir immer sehr ehrlich miteinander umgehen, weil wir den anderen so nicht verletzen können. Wir fühlen ja sehr ähnlich (sind nicht verliebt, wären aber dennoch ziemlich irritiert, wenn man uns einfach gegen jemanden anderen austauscht) und wissen daher schon ganz gut, was dem anderen zuzumuten ist.
    Klar kann man viel hineininterpretieren und hoffen. Aber das Beste ist immer, zu gucken, dass man nur das macht, was einem selbst gut tut. Und wenn man das Gefühl hat, dass es nicht so ist, muss man es ansprechen. Nur so funktioniert bzw. passiert überhaupt erst etwas…
    Keine Ahnung, wie sich das alles weiterentwickelt. Aber ich hab einfach ein gutes Gefühl!
    Für alle B-Typen: Ich kann Euch sehr gut verstehen, aber Leiden hat niemand verdient, auch nicht die Liebe. Ihr müsst gucken (auch wenn es sehr schwer ist, aber das schuldet Ihr Euch einfach selbst), dass es Euch dabei gut geht. Und das merkt Ihr recht schnell. Hört auf, zu hoffen, was aussichtslos ist (wenn er oder sie definitiv sagt, dass Ihr es nicht seid und auch nie sein werdet, dann investiert Eure Kraft und Liebe besser in Euch selbst, um für den oder die ’Richtige’ stark zu sein). Sich das einzugestehen, ist hart, aber ganz wichtig.
    Und an alle A-Typen: Auch wenn es sich gut anfühlt, begehrt und geliebt zu werden, seid so fair und tut anderen nicht weh. Trennt Euch. Es reicht nicht, es demjenigen zu sagen. Ihr müsst es demjenigen zeigen, auch wenn es vielleicht erstmal verletzt. Aber ein Schrecken ohne Ende (der Andere wird seine Hoffnung sonst nie aufgeben) ist viiiel schlimmer…

    23.08.2007, 16:23 von zimtbanane
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    Ich glaube ich habe selten etwas gelesen, was mir so unglaublich aus der Seele spricht wie dieser Artikel über Halbbeziehungen.
    Das ist exakt die Bezeichnung für das, was ich seit über eineinhalb Jahren führe und dabei schon traumhaft Momente erlebt habe, aber auch schon genauso gelitten habe, da ich leider Person B war und auch wenn ich nach einem klärendem Gespräch via Email dachte, es wäre gegessen, nehme ich wohl noch immer die Rolle der Person B ein.

    Wir haben mittlerweile auch schon einige Male über unsere Situation gesprochen, und er meinte, er sei auch eifersüchtig wenn ich mit anderen Männern unterwegs bin, aber er hat mir auch schon ehrlich gesagt (auf mein Drängen nach Aussprache), dass er nicht in mich verliebt ist.

    Mir ist klar, dass es wohl nie etwas festes werden kann, und womöglich auch keine Freundschaft bestehen bleibt, wenn er oder ich eines Tages einen anderen Partner haben, und trotzdem kann ich die Sache nicht beenden!

    Meine größte Angst ist, dass er irgendwann sagt, es ist vorbei, weil er eine Andere gefunden hat,- die die Stellung einnimmt, für die ich nie vorgesehen war; die Frau nach der er gesucht hat, während wir ein "absehbare, begrenzte" Zeit genossen haben.

    Es tut so weh und es ist mir trotzdem unmöglich damit aufzuhören, weil man doch aus den schönen Momenten so zähren kann, dass man den Schmerz kurzzeitig vergisst. Wie die schlimmste Droge...

    23.08.2007, 14:08 von wiewahr
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