bellaaa 03.04.2013, 22:04 Uhr 2 1

good things come to those who wait

das bein wippelt, die finger verknoten sich ineinander, alle siebzehn sekunden wird auf die uhr geschaut.

ich habe das gefühl, mein ganzes leben bestand schon immer nur aus warten: warten auf weihnachten, warten an der bushaltestelle, warten bis die große schwester endlich aus dem bad kommt, warten auf den ersten kuss. warten, bis man alt genug ist, um endlich länger als 23 uhr wegzugehen. warten bis man endlich das abi in der tasche hat und darauf, endlich aus dem unsäglichen kaff verschwinden zu können, raus, weit weg.

das war der tag x. seither rennt die zeit und die dinge passieren rasend schnell. monate und jahre ziehen nur allzu hastig an einem vorüber und doch bin ich am warten. 

der kuchen braucht 45 minuten im backofen, die haarkur soll 8 minuten einwirken, der tee muss 5 minuten ziehen, boarding ist in 34 minuten, es geht noch 121 minuten, bis alle bilder in die dropbox hochgeladen sind, 57 minuten bis zum ende der linguistik-vorlesung. ich bin ein sehr ungeduldiger mensch. oft versuche ich mich zu zügeln, gleichmütig und besonnen die nötige zeit vorüber gehen zu lassen. aber das bein wippelt trotzdem und der toast muss aus dem toaster raus, bevor er richtig fertig ist.

warten auf den streifen des schwangerschftstests, der mir bittebittebitte sagt, dass ich nicht mutter werde. warten auf meinen flug nach hause, der mich nach über einem jahr wieder zu meiner familie bringt. warten auf den brief mit den prüfungsergebnissen, der mir bestätigt, dass alles gut bestanden ist. von alltäglichen kleinigkeiten bis hin zu meilensteinen- immer muss man geduldig sein. man könnte meinen, durch so viel warten wird die gelassenheit geschult und die geduld kommt mit der zeit. nix da. das bein wippelt, die finger verknoten sich ineinander, alle siebzehn sekunden wird auf die uhr geschaut. nur was ist denn der zweck dieser warterei? was kommt nach der ziellinie? der fertige kuchen? der bus? der uniabschluss? am ende steht hoffentlich zufriedenheit und im besten fall erfüllung.

während alles um mich also rannte, habe ich sehr lange gewartet, dass endlich jemand kommt, der mich glücklich macht und erfüllt. da muss doch irgendwann mal jemand auftauchen, dachte ich immer. warten auf herzklopfen und feuchte hände- der einzige punkt, wofür ich bedingungslos geduldig war. irgendwann war ich das warten leid und als ich es am wenigsten vermutete, kam jemand um die ecke. und wieder zählte ich die uhrzeigerumdrehungen. dein feierabend ist in 357 minuten, 3,5 minuten bis du die zähne fertig geputzt hast und ins bett kommst, noch 12.960 minuten bis du von deinem wochenendtripp zurück bist. Und dann, eines tages, bemerkte ich, dass ich nicht mehr wartete. du warst da, meine beine blieben stehen und ich war seelenruhig. bis zum tag x.2, der tag des absoluten stillstands.

seither warte ich wieder. dass du abends ins bett kommst, aber deine hälfte der matratze bleibt leer. dass du deine post abholst, aber vermutlich erinnerst du dich noch nicht mal mehr an die adresse unserer wohnung. dass du vor der tür stehts und mir sagst, dass alles ein fehler war.

ich warte und warte und warte und will endlich ankommen dürfen, meine uhr ablegen und die innere ruhe einatmen. noch 47 minuten bis mitternacht, bis ein neuer tag beginnt. warten.

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2 Antworten

Kommentare

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    Gefällt mir sehr, sehr gut =) Schön geschrieben!!!

    05.04.2013, 16:52 von DadaDoc
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      dankeschön :')

      05.04.2013, 17:13 von bellaaa
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