Prinzessin 19.12.2012, 20:24 Uhr 1 5

Glas.

Draußen fällt der Regen,drinnen fallen wir.






Ich lege meine Hand an die kalte Scheibe,übe ein wenig Druck aus. Die Regentropfen ziehen ihre Spuren am Glas. Ich sehne mich nach der Kälte,lehne meine Stirn dagegen. Ich möchte raus aus diesem Raum,raus aus dieser Situation,weg von dir. Dein Blick bohrt sich in meinen Rücken,du wartest auf eine Antwort. Doch ich bleibe stumm. Weil ich nicht weiß,was ich sagen soll. Mal wieder. Die Stille erdrückt mich. Engt mich ein. Ich liebe die Stille. Aber nicht diese,nicht deine. Du wartest immernoch. Ein Seufzer entweicht mir. „Ich weiß nicht“,flüstere ich mit geschlossenen Augen. Ich komme mir so schwach vor. Das hast du nicht verdient. Ich hebe meinen Kopf,lasse meine Hand sinken. Dort wo sie eben noch lag,bleibt ein Abdruck zurück. Meine Wärme,ihre Kälte. Oder vielleicht andersrum.

Ich drehe mich zu dir um. Du sitzt auf dem Boden. Neben dir die unzähligen Flaschen. Deine Arme auf den Knien gestützt. Du hast Schwierigkeiten den Kopf oben zu halten. Aber genug Kraft um mich anzustarren. Unter deinen dunklen Wimpern sehe ich diese braunen Augen,die ich so mag. Dein Blick ist verschleiert,leer,hasserfüllt. Hilflos erwidere ich ihn. „Ich wollte das nicht,das weißt du. Ich habe versucht alles zu geben. Aber du kennst mich. Ich kann das nicht.“ Du schließt deine Augen,unterbrichst den Augenkontakt. Ich atme erleichtert auf. Plötzlich verzieht sich dein Mund zu einem Grinsen. Schonbald lachst du. Ungehemmt. Unheimlich. „Du kannst das nicht.“,wiederholst du meine Worte lachend. Ich zittere. Am ganzen Körper. Instinktiv schlinge ich meine Arme um mich. Ich habe Angst. Vor dir. Doch anstatt die Augen zu schließen,beobachte ich jede deiner Regungen. Sehe wie deine Arme zur Seite fallen,wie du die Augen wieder öffnest und aufhörst zu lachen. Du versuchst aufzustehen. Stützt dich an der Wand ab,weil du schon betrunken bist. Leise Panik steigt in mir auf. Ich muss hier weg,solange ich noch kann. Solange du noch nicht stehst. Doch es ist schon zu spät. Mit unsicheren,langsamen Schritten kommst du auf mich zu. Ich weiche zurück,presse mich gegen die Wand und starre dich an. „Hör auf. Hör auf damit.“,rufe ich mit unverhohlener Panik. Du hörst nicht auf mich. Plötzlich bist du mir ganz nah. Um nicht das Gleichgewicht zu verlieren,stemmst du deine Hände neben meinen Kopf. Dein alkoholisierter Atem schlägt mir ins Gesicht,mir wird übel. Dein eben noch so verschwommener Blick ist klar. Ich sehe deine Wut,sehe deine Trauer. „Ich habe dich geliebt. Ich habe dich begehrt. Du warst alles für mich,alles. Schon so lange habe ich darauf gewartet,dass du es endlich siehst. Dass du endlich mich siehst. Und es hat sich gelohnt. Du hast mich gesehen.“Du lallst nicht. Wut verzerrt dein Gesicht. Das Gesicht,das ich so sehr mag. „Und dann hast du mir mein Herz aus der Brust gerissen. Du miese Schlampe. Ich habe dir alles gegeben,alles was ich war,aber es reichte dir nicht. Du wolltest nicht mich,nein,du wolltest jemanden,den deine Freundinnen mögen würden,du wolltest jemanden,mit dem du vor anderen prahlen konntest. Du wolltest ein Schoßhündchen.“ Ich kann deinem Blick nicht mehr standhalten,ich schließe die Augen,doch die Tränen laufen unaufhaltsam meine Wangen runter. „Hör auf“,flüstere ich. Aber das interessiert dich nicht. Jetzt bist du an der Reihe. Jetzt ist deine Zeit. „Ich habe dich geliebt. Du mich nie. Und du wirst auch nie lieben können. Dafür bist du zu selbstverliebt,zu kalt,zu herzlos,zu dumm.“ Deine Nähe bringt mich um. Ich kriege keine Luft mehr,mein Schluchzen verwandelt sich in erstickte Schreie,ich gleite an der Wand herunter bis ich auf dem kalten Boden sitze. Du bist fertig mit mir. Lässt die Arme sinken,torkelst unsicher zur Tür. Ich sehe das alles nicht,ich höre nur deine dumpfen,schwerfälligen Schritte und das endgültige Geräusch als die Tür zufällt. Der Raum ist kalt und verlassen. Dunkel und bedrohlich. Das spärliche Licht,das durch das Fenster fällt,präsentiert vorwurfsvoll das,was von mir noch übrig ist. Schmerz beherrscht meinen Körper,da ist nichts anderes mehr. Ich bin Glas. Dieses Glas. Kalt und gefühllos. Meine Tränen der Regen,der Spuren zieht in meinem Gesicht. Ich bin nichts und alles zugleich.

Und doch weiß ich eines ganz genau.

Ich weiß es.

Ich liebe dich.

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Kommentare

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  • 1

    Schmerz.

    12.02.2013, 20:31 von kleineMiranda
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