Josii 20.02.2012, 23:29 Uhr 1 1

Gewinner

Und jetzt höre ich auf, uns zu unterteilen.


Zwei Wochen lang, nachdem unsere Geschichte begann, habe ich dich und mich nicht in Gewinner und Verlierer unterteilt. Wir waren einfach da.
Du hast mir gezeigt wie man atmet, glücklich ist, Hoffnungen nicht aufgibt – schlicht und einfach: wie man lebt und liebt. Und  ich glaubte, dir genau das auch zeigen zu können.

Nach den zwei Wochen habe ich mit dieser Unterteilung angefangen: Gewinner. Verlierer. Simples Schubladendenken. Nicht mehr als Zuordnung.
Verlierer war derjenige, der verletzt wurde. Gewinner, wer verletzt und keinen Schaden davon getragen hat. Und um ehrlich zu sein: Du hast beinahe jedes unserer Spiele gewonnen.
Fast jede Woche hast du eine Runde für dich entschieden. Durch Dinge, die du getan, oder Sätze, die du gesagt hast.

Es freut mich, wenn du das genossen hast. Scheinbar hast du es ja gebraucht. Für dein Selbstbewusstsein, oder das, was davon übrig geblieben ist.

Jedoch kann ich nicht einmal sagen, ob ich es genossen oder gehasst habe. Du hast mich betäubt. Nicht das Leben, nicht die Überforderung durch das Leben allein. DU.

Schritt für Schritt habe ich das Atmen wieder verlernt.
Tag für Tag ist die Freude aus meinem Gesicht gewichen.
Spiel für Spiel habe ich dann doch weiter gehofft. Darauf, dass aus Gewinner und Verlierer irgendwann ein UNS wird. Aber irgendwann kam nie. Irgendwann ist auch kein Tag in der Zukunft.

Ich habe dich geliebt. Nach allem zwischen uns weiß ich, was Liebe ist. Dass Liebe schmerzhaft sein kann und auch, dass Liebe geben nicht Liebe bekommen heißt.

Diesen undefinierten Tag in der Zukunft wird es niemals geben. Ich gebe nicht die Hoffnung an das Leben auf. Auch nicht an das Glück. Und erst recht nicht an die Liebe.
Aber ich gebe UNS jetzt auf.
Da kann ich dich auch eine Stunde am Tag mal wieder näher zu mir ziehen, solange ich dich die restlichen Stunden von mir stoße, dich wegschiebe aus meinem Herzen und aus meinem Kopf.

Ich lasse dich los. Nun schon seit einigen Tagen.
Die Betäubung lässt nach.
Ich fange wieder an, zu atmen. Irgendwo in mir ist da auch ein kleiner Funken Hoffnung, der hoffentlich bald zu einem Feuer wird. Und irgendwann werde ich auch wieder glücklich sein – ohne dich. Und dieses irgendwann wird kommen, früher oder später. Dieses Irgendwann ist ein Tag in der Zukunft.

Ich werde Stück für Stück wieder die, die ich vor dir war. Noch weiß ich zwar nicht, was ich vom Leben will, aber durch dich habe ich herausgefunden, was ich nicht will: Dich.
Du hingegen hast dich nicht verändert. Du spielst weiter deine Spiele. Nur jetzt mit anderen Mädchen. Du betäubst sie, nachdem du ihnen das versprichst, was du auch mir versprochen hast. Zwangsläufig wirst du verlieren.
Mich aber macht dieses Loslassen zum Gewinner.

Und jetzt höre ich auf, uns zu unterteilen.
Jetzt bist du wieder du. Jetzt bin ich wieder ich.
Jetzt geht das Leben weiter.

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1 Antworten

Kommentare

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  • 0

    "Mich aber macht dieses Loslassen zum Gewinner."
    So ist es.

    07.02.2013, 11:04 von Mann_vom_Meer
    • Kommentar schreiben
  • Auffällig unauffällig

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