Gewinner
Und jetzt höre ich auf, uns zu unterteilen.
Zwei Wochen lang, nachdem unsere Geschichte begann, habe ich dich und mich
nicht in Gewinner und Verlierer unterteilt. Wir waren einfach da.
Du hast mir gezeigt wie man atmet, glücklich ist, Hoffnungen nicht aufgibt –
schlicht und einfach: wie man lebt und liebt. Und ich glaubte, dir genau das auch zeigen zu
können.
Nach den zwei Wochen habe ich mit dieser Unterteilung angefangen: Gewinner.
Verlierer. Simples Schubladendenken. Nicht mehr als Zuordnung.
Verlierer war derjenige, der verletzt wurde. Gewinner, wer verletzt und
keinen Schaden davon getragen hat. Und um ehrlich zu sein: Du hast beinahe
jedes unserer Spiele gewonnen.
Fast jede Woche hast du eine Runde für dich entschieden. Durch Dinge, die du
getan, oder Sätze, die du gesagt hast.
Es freut mich, wenn du das genossen hast. Scheinbar hast du es ja gebraucht.
Für dein Selbstbewusstsein, oder das, was davon übrig geblieben ist.
Jedoch kann ich nicht einmal sagen, ob ich es genossen oder gehasst habe. Du
hast mich betäubt. Nicht das Leben, nicht die Überforderung durch das Leben
allein. DU.
Schritt für Schritt habe ich das Atmen wieder verlernt.
Tag für Tag ist die Freude aus meinem Gesicht gewichen.
Spiel für Spiel habe ich dann doch weiter gehofft. Darauf, dass aus Gewinner
und Verlierer irgendwann ein UNS wird. Aber irgendwann kam nie. Irgendwann ist
auch kein Tag in der Zukunft.
Ich habe dich geliebt. Nach allem zwischen uns weiß ich, was Liebe ist. Dass
Liebe schmerzhaft sein kann und auch, dass Liebe geben nicht Liebe bekommen
heißt.
Diesen undefinierten Tag in der Zukunft wird es niemals geben. Ich gebe nicht
die Hoffnung an das Leben auf. Auch nicht an das Glück. Und erst recht nicht an
die Liebe.
Aber ich gebe UNS jetzt auf.
Da kann ich dich auch eine Stunde am Tag mal wieder näher zu mir ziehen,
solange ich dich die restlichen Stunden von mir stoße, dich wegschiebe aus
meinem Herzen und aus meinem Kopf.
Ich lasse dich los. Nun schon seit einigen Tagen.
Die Betäubung lässt nach.
Ich fange wieder an, zu atmen. Irgendwo in mir ist da auch ein kleiner Funken
Hoffnung, der hoffentlich bald zu einem Feuer wird. Und irgendwann werde ich
auch wieder glücklich sein – ohne dich. Und dieses irgendwann wird kommen,
früher oder später. Dieses Irgendwann ist ein Tag in der Zukunft.
Ich werde Stück für Stück wieder die, die ich vor dir war. Noch weiß ich zwar
nicht, was ich vom Leben will, aber durch dich habe ich herausgefunden, was ich
nicht will: Dich.
Du hingegen hast dich nicht verändert. Du spielst weiter deine Spiele. Nur
jetzt mit anderen Mädchen. Du betäubst sie, nachdem du ihnen das versprichst,
was du auch mir versprochen hast. Zwangsläufig wirst du verlieren.
Mich aber macht dieses Loslassen zum Gewinner.
Und jetzt höre ich auf, uns zu unterteilen.
Jetzt bist du wieder du. Jetzt bin
ich wieder ich.
Jetzt geht das Leben weiter.







Kommentare
"Mich aber macht dieses Loslassen zum Gewinner."
07.02.2013, 11:04 von Mann_vom_MeerSo ist es.