NieOhne 24.05.2018, 10:56 Uhr 0 0

Ganz normaler Wahnsinn in einer offenen Beziehung

Der ganz normale Wahnsinn in einer offenen Beziehung reicht ganz schön tief...

wenn man sich darauf einlässt.

Offene Beziehungen sind im Grunde gar nicht so anders als Geschlossene. Es gibt eben mehr Akteure, die es zu koordinieren gilt und unterschiedliche Arten von Beziehungen. Es geht aber nicht beliebig, sondern vielfältig zu. Die Beziehungen definieren sich hier nicht durch Ausschließlichkeit und ihre Grenzen, sondern durch ihre Qualität, Tiefe und Beschaffenheit. Da jede Beziehung individuell ist, ist das auch nicht schwer auszugestalten.
Das Ganze hat auch eine tiefe psychologische Dimension. Man ist in offenen Beziehungen noch mal viel mehr mit seinen eigenen Ängsten und Motivationen konfrontiert. Man bekommt eins zu eins gespiegelt auf welchem Niveau das eigene Selbstbild oder der Selbstwert gerade steht, man bekommt intensive Einblicke in die eigenen psychischen und emotionalen Fähigkeiten und vor allem versucht man das was jeder Mensch in seinen Beziehungen versucht – sei es geschlossen oder offen – etwas zu bewältigen.
Hat man jemanden gefunden den man sehr tief und aufrichtig neben seinem Ehepartner liebt, ist man auch dort mit alten Gefühlen wie Verlassenheitsängsten oder Verrat oder des Ungeleibtseins konfrontiert. Unweigerlich projizieren Menschen ihre inneren Schemata und Modelle von Beziehung nach außen und so geschieht es auch dort. Ist der Grad der Bindung tief und damit relevant, kann es sein, dass sogar frühere Traumata aktiviert und nach außen gedrängt werden. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein Trauma ein Modus der Wahrnehmung ist. Das Trauma projiziert den damals so schmerzhaft erlebten Fall des zum Beispiel Verlassenseins auf sein aktuelles Gegenüber. Daher vermag man in dem Fall auch nach allerlei Anzeichen zu suchen die ein Verlassen ankündigen oder eben das Gegenteil, die Liebe zu beweisen. „Würde er mich lieben würde er … sind solche Aussprüche die davon zeugen, dass die innere Idee von erlebter Beziehung übertragen wird. Das der andere einen liebt bis zum Himmel und zurück und trotzdem mit einer anderen schlafen will geht in viele Köpfe nicht rein. Das Zuwenden zu einem Dritten ist ein Trigger und suggeriert Liebesentzug oder Verrat. Daher ist ein monogames Beziehungsmodell auch bevorzugt. Weil wir alle so geprägt worden sind. Wendete sich die primäre Bezugsperson ab, bedeutete das Verlust. Und weil da sonst keiner mehr war in der Familie als Bezugsperson – der Vater war ja meist nicht da – bedeutete das Getrenntsein von der überlebenswichtigen Mutter.

Nur das ganz grob als Hinweis auf die folgenden Zeilen die die  Innenschau eines Beteiligten wieder gibt:

Du fährst nun zu einer anderen.
Und ich fühle mich abgewiesen und abgespeist.
Sie sei gut im Bett. Sagst du. Ich kann es verstehen. Ich kenne sie. Sie ist heiß.
Aber das gönne ich dir jetzt nicht. Du verdienst das nicht, weil du dir heute keine Zeit für mich nehmen kannst. Du musst schnell los.
Du hast mich wegen ihr schon drei Mal angelogen. Drei Mal immer dasselbe Theater. Da geht’s um Verschweigen. Um Verrat und Hintergehen. Es geht darum, den Beweis zu führen, dass unsere Liebe entwertet, ja kaputt ist, weil du dich so schlimm verhältst.
Warum hintergehst du mich? Warum verrätst du alles, was mit uns zu tun hat, wenn du verheimlichst, was du tust?
Was ist nur mit dieser Frau los, ich beginne sie allmählich zu hassen, ganz im Ernst. Was hat sie, das du sie vorziehst? Und ich hasse dich auch dafür.
Du musst jetzt auflegen und ich fühle mich verlassen von dir. Du weißt doch, dass es mir so schlecht geht, können wir uns nicht in Ruhe und Liebe verabschieden. Uns zusichern, dass es gilt, trotz und wegen XY die du zum Vögeln triffst? Geht das, bitte? Wir haben keine Zeit mehr. Mir läuft die Zeit davon und ich bebe innerlich, denn ich falle. Mein Gerüst der Liebe und Sicherheit wankt und du weißt das. Du wusstest das alles, deshalb sitzen wir hier in unserem Chaos, weil du und ich hier etwas kreieren, was Trauma ist.
Schöne Scheiße.
Es passt kein Blatt zwischen uns. Selbst unsere Ehepartner können uns nicht abhalten, nicht trennen voneinander. Sie versuchen es auch gar nicht. Sie lassen uns frei. Da haben sie uns beiden deutlich etwas voraus. Das können wir noch nicht. Uns freilassen. So sein lassen.
1000 Mal habe ich dich zum Teufel gejagt. 1000 Mal. Ende kaputt.
1000 Mal dieser böse Traum, dass du gefangen und bedrängt und ich verlassen bin. Immer derselbe Plot. Immer dieselben Szenen, Sätze und Gefühle. 100 Mal in 100 verschiedenen Gewändern.
Und so spielen wir auch heute Gefangensein und Verlassen worden sein. Wie fein.
Du hast erreicht, was zu erreichen war. Etwas in dir hat es geschafft. Deine Freude ist getrübt, weil du mich enttäuschst. Dir ist nicht gut, hast kaum noch Lust auf das Date. Und ich fühle mich allein und ungeliebt. Alle Neune. Treffer.

Gegenseitige Projektion kann eine Hölle sein.
Das Unterbewusstsein ist eine Hydra.
Und weil das Unterbewusstsein immer so schlau ist wie sein Träger, ist es ihm immer ein Stück voraus. Ein Stück hinkt das Bewusstsein hinterher.
Die Hydra siegt.



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