lockenschaf 29.04.2007, 22:43 Uhr 1 3

Frühlingsversuchsprotokoll

Oder: Lass uns Freunde sein... und Partner werden!

Er sitzt auf meinem Bett, mangels Platz eigentlich eher meine Couch, und wir reden. Nicht über uns, nicht über irgendetwas - weil er Probleme hat und froh ist, sich bei jemandem auskotzen zu können. Es hätte anders kommen können. Hätten seine Eltern ihm nicht gerade eröffnet, dass sie sich scheiden lassen würden, würde er sich nicht über seine kleine Schwester sorgen – wir hätten wohl über anderes geredet. Vielleicht über Irgendwas, aber irgendwann mit Sicherheit über uns... Es wäre unvermeidlich gewesen.
Und damit es auf keinen Fall doch noch aufkommt sage ich etwas (im Nachhinein unvorstellbar dummes,) absolutes und endgültiges: „Ich habe noch nie jemanden so spontan als Freund bezeichnet!“ Du sagst mir später, es hätte dich irritiert, dich stutzig gemacht. Ich sage dir, ich musste es sagen. Aber da war es schon zu spät, wir waren Kumpel. Oder so...

Unser Kennenlernen: eine Mischung aus vergessener Onlinebekanntschaft, Teil eines neu kennen gelernten Freundeskreises und zufälligem gemeinsamem Weggehen. Die erste körperliche Nähe: betrunken auf der Tanzfläche einer schwulen Party. Mit dem sinkenden Alkoholpegel wächst das ehrliche Interesse aneinander. Wir reden viel, warten gemeinsam am Bahnhof und schließlich bringst er mich mich zum Zug, küsst mich zum Abschied. Wir versprechen uns zu bei einander zu melden. Etliche Stunden später telefonieren wir wirklich, lernen uns ein wenig weiter kennen und wollen uns wiedersehen...
Doch meine Sehnsucht nach Nähe macht mir einen Strich durch die Rechnung, ich lasse mich blind auf jemand anderen ein. Dummheit! denke ich jetzt. Geborgenheit! sah ich damals.

Der Winter ging vorüber, ohne dass ich wirklich Zeit dazu hatte, es wahrzunehmen. Mein Leben war Stress, meine (Pseudo)Beziehung Halt.
Als der Stress abebbte, war allerdings die Notwendigkeit von Halt nicht mehr da. Und die Bindung auch nicht mehr lange. Ich befreite mich – und genoss meine Freiheit, rechtfertigte meine Dummheit mit dem Stempel „Is ne Erfahrung gewesen, hat mich ja weitergebracht“.
Unser Kontakt wurde auch wieder reger, wir waren auch wieder zusammen weg. Der Alkohol floss nicht zu wenig, die gleiche dumme Party. Diesmal aber kein wildes Geknutsche, kein händchenhaltendes zum Bahnhof laufen... Spaß hatten wir trotzdem. Wir waren ja Kumpel. Oder Freunde. Oder so... Irgendwo war da aber Sehnsucht. Und die Frage: Was wäre wenn ich damals nicht...?

Und dann gab es immer wieder diese Momente. Amüsante und stundenlange Telefonate, Übereinstimmung in Beziehungsfragen und -vorstellungen, und der Wunsch sich mal wieder zu treffen.
Schließlich verabreden wir uns. Es hätte ein Date sein können – Konjunktiv.
Was es letztendlich war ist egal, das Interesse aber wuchs. Letztendlich wohl, weil ich offen aussprach, was ich dachte, das Herz wieder auf der Zunge liegen hatte.
Uns wurde bewusst, wie wenig wir voneinander wissen – und wie viel wir eigentlich voneinander wissen wollten. Es war beschlossene Sache: wir würden Experiment wagen. Sehen was passiert, wenn wir uns Wiedersehen. Die Spannung hinauszögern und vergrößern.

Die Vorfreude war groß, die Neugier umso mehr. Die SMS wurden interessiert-liebevoller und die Telefonate häufiger...
Schließlich: das erneute Treffen. Aus Sympathie war endgültig Zuneigung geworden. Die Gespräche zu toll. Die Küsse irgendwie vertraut. Die Nähe in dieser Art neu – aber zu schön, als dass man sie nicht hätte zulassen können. Aus Freundschaft wurde irgendwie mehr...

... und das Experiment läuft weiter.

3

Diesen Text mochten auch

1 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare