Lockenmuetzenhirn 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 2

Froschkönig

Als würdest du alles Besondere, nach dem ich in meinem Leben suche, in dir vereinen.

Heute war ein schöner Tag. Als die ersten Sonnenstrahlen durch die dicke Wolkendecke des Winters spitzten und sich ein wohlig warmes Gefühl auf meiner Haut breitmachte, da wusste ich, es kommt eine gute Zeit. Der Sommer wird bald mit seiner vollen Wucht auf uns einschlagen und die Welt wieder zum Leben erwecken. Schöne Partys im Freien, lange Nächte, barfuß auf dem warmen Asphalt. Freiheit und Lebensfreude.

Wenn die Vögel im Garten um mich herum springen und ich den warmen Wind an meinen Ohren spüre, merke ich, wie mich Hoffnung umströmt. Ich wieder anfange, an das Kommende zu glauben. Komisch, denke ich mir, was die Sonne doch für eine gewaltige Wirkung auf unser Befinden haben kann.

Denn trotzdem stehe ich immer wieder nachts auf dem Balkon. Das Papier knistert vor meinen Augen und ich merke, dass ich meinen Glauben an die Liebe verloren habe. Dass ich keine Worte mehr in den Himmel spreche. Dass ich den Marathon aufgeben will. Einfach kein Ziel mehr sehe. Das Gefühl, vom richtigen Weg abgekommen zu sein. Nicht mehr zu wissen wo mein Leben eigentlich hinführt und alle Träume so weit weg scheinen. Ich immer noch alleine durch die Wohnung torkele, ohne zu wissen, ob mich jemals jemand auffangen wird.

Weil du nicht mehr da bist. Und ich sogar schon anfange, dich zu vergessen. Deinen Anblick, wenn du vor mir gegessen hast mit der glühenden Zigarette zwischen den Fingern. Ohne Schuhe und völlig losgelöst von jeglicher Pflicht. So besonders und so unglaublich schön. Als würdest du alles Besondere, nach dem ich in meinem Leben suche, in dir vereinen. 

Ich stelle mir vor, noch einmal mit dir durch die Straßen zu laufen. Unsere Räder würden neben uns leise vor sich hinklappern. Du wärst der schönste Mann im Universum für mich und ich würde mich so nach deiner Nähe sehnen, dass es mich fast zerreißt. Ich würde nochmal das Leben in mir spüren. Mein Herz wäre wieder wach, würde schneller schlagen, als ich denken kann. Und der Moment wäre absolut nicht zu begreifen.

Jetzt teile ich Wein und Zigaretten mit deinem besten Freund. Der mich, immer wenn er da ist, an dich erinnert, als würdest du in irgendeiner Art und Weise an ihm dranhängen. Als würde ich ein bisschen mit dir feiern, weil ich mit ihm feiere. Ganz so, als wärst du unsichtbar mit uns allen im Raum.

Aber die Wahrheit ist, du bist weg. Weg aus meinem Umfeld, verschwunden aus meinem Leben. So als hätt es dich nie gegeben. Als wäre es einfach nur der schönste Traum gewesen, den ich je geträumt habe. Und jetzt bin ich aufgewacht. Und weiß nicht mehr was echt ist. Was ich noch glauben kann und was nicht.

Die Tage streichen vor sich hin und das leere, eingeschlafene Gefühl macht sich in mir breit. Ich frage mich, ob wir uns jemals wiedersehen. Ob ich dich nochmal vor mir stehen sehen werde und mich dein Anblick umhauen wird. Genauso wie du das einfach schon immer getan hast. Bei jeder Begegnung, jedem Gespräch, jeder Berührung.

Aber dann muss ich schmerzlich daran denken, dass du garnicht mehr auf meine Nachrichten antwortest. Dass du mich wahrscheinlich längst aus deinen Gedanken vertrieben hast. Dich nicht mehr oft an unsere gemeinsamen Erlebnisse zurückerinnerst. Vielleicht sollte ich das auch besser tun. Mich öfter in die Sonne setzen.

 

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2 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Handelt es sich hierbei um den selben Mann wie in dem anderen Text mit dem Universum? 

    16.10.2015, 02:37 von mephista7
    • 0

      nein ;)

      18.10.2015, 12:13 von Lockenmuetzenhirn
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