Freunde oder sowas in der Art.
Zwei Freunde, die keine Freunde sein können.
Du bist jetzt mit ihr zusammen, hast du mir gesagt. Natürlich habe ich mich für dich gefreut. Das machen Freunde schließlich so. Also habe ich mich für dich gefreut, genauso wie ich das eine Mal mit dir getrauert habe, als du in deine beste Freundin verliebt warst und sie dich nicht wollte. Da hast du auch nur noch von ihr geredet, so wie jetzt mit deiner Neuen. Natürlich höre ich immer zu und speicher alles ab, was du sagst. Freunde machen das schließlich so, auch wenn sie es dämlich finden, genug davon haben oder mit etwas anderem beschäftigt sind.
Zwischen uns, da war schließlich nichts. Zumindest so gut wie nichts. Okay, du warst mal hier und wir haben nach einigen Gläsern Wein und drei Flaschen Bier ein wenig geknutscht, aber das war ja schließlich nichts Ernstes. Nur Freunde, die etwas zu viel getrunken hatten. Du sahst das genauso. Unsere Freundschaft durfte sowas. Und Menschen wie wir, die gehörten einfach zusammen, auf eine gewisse Art und Weise, hast du gesagt.
Du hast sie auf einer Party kennen gelernt, hast du mir erzählt. Ihr habt euch betrunken und später etwas rumgemacht und irgendwann mal getroffen. Anfangs ging sie dir ganz schön auf die Nerven. Sie ist nicht so wie du, hast du gesagt. Nicht so unbekümmert und frei. Sie ist eben ein richtiges Mädchen, meintest du. Deswegen fandest du sie bestimmt auch so gut. Weil sie halt ein richtiges Mädchen ist, das auf romantische Filme wie Titanic und Sekt und Kerzenlicht steht. Ich war eh nie dein Typ, das wusste ich. Ich meine, wir waren ja schließlich auch nur Freunde, irgendwie sogar Beste. Und eine Freundschaft gibt man nicht auf. Ist ja auch vernünftig.
Zehntausendmillionen Küsse, die dich zu Boden reißen, schriebst du mir per SMS. Fünfzehn Minuten später standst du vor meiner Tür, stürmtest herein, nahmst meinen Kopf in die eine Hand und zogst ihn an dich, um mich zu küssen, während du mit deiner Anderen meinen Körper an deinen Körper zogst. Ich wusste, dass du das manchmal brauchtest, wenn sie dir zu viel wurde. Wenn sie zu viel klammerte oder dich zu sehr drängte. Aber ich war immer da, als deine beste Freundin. Schließlich hört man als Freund zu und hilft.
Du bist immernoch mit ihr zusammen und sie geht dir nicht mehr so sehr auf die Nerven. Eigentlich ist sie gar nicht so schlimm, hast du mir letztens gesagt. Da hast du wahrscheinlich auch Recht, denn deine Besuche bleiben aus und deine SMS enden nurnoch mit einem Kusssmiley. Ich freu mich für dich. Ich bin ja auch eine Freundin, wenn auch nicht mehr deine Beste.
Am Wochenende habe ich mit einem deiner Bandkollegen telefoniert. Einfach so, er hat mich angerufen. Wir haben nicht viel geredet, nur Small-Talk. Dann hat er mich für nächstes Wochenende bei sich eingeladen. Ein Paar Schallplatten spielen lassen und etwas trinken, hat er gesagt. Ich habe dir das erzählt und du wurdest laut. Meinst du wirklich, dass das nur bei "etwas trinken" bleibt?, hast du mich gefragt. Du fingst an zu schreien, was das denn sollte. Warum ich denn jetzt zu ihm wollte, nachdem ich eigentlich nie etwas mit ihm zu tun hatte und sowieso. Aber ich habe aufgehört zu zuhören, denn du hast dich nicht für mich gefreut, geschweige denn, dass du mir überhaupt zu Ende zugehört hättest.
Später hast du dich entschuldigt und mir Spaß gewünscht. Du standest sogar vor meiner Tür und fielst vor mir auf die Knie, während der Regen auf dich nieder prasste. Wir sind keine Freunde, habe ich dann gesagt, vorallem nicht Beste.


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Kommentare
theorie und lebenspraxis...
14.03.2010, 11:25 von RedSonjaKurz, knapp, gut.
14.03.2010, 11:12 von Taneatreffend geschrieben, wie das leben so spielt.
14.03.2010, 10:36 von leichtigkeit:(
Sehr gelungen geschrieben. Gefällt.
20.11.2009, 17:53 von Luh-CooldudeAuch wenn der Inhalt dies wahrscheinlich nicht tut !
08.11.2009, 21:38 von zuender