KathiKing 17.01.2014, 11:53 Uhr 0 3

Frau Unscheinbar hat sich verabschiedet

...ohne zu bemerken, was sie damit verursacht.

Sie möchte eine Pause, hat Frau Unscheinbar erklärt. Eine Pause von der Welt, von der Heimat, von ihrem bisherigen Leben mit ihm. Sie hat niemanden gefragt, ob das Sinn macht. Sie hat es einfach beschlossen und alle Beteiligten vor vollendete Tatsachen gestellt. Genauer gesagt, nur diesen einen Beteiligten, der versucht hat sein Leben mit ihr zu teilen. Der von ihr ausgerufene Pausen-Gong ist laut, kam völlig aus dem Nichts und hat ihn schwer getroffen.

Frau Unscheinbar ist sich dessen durchaus bewusst, aber sie sieht augenblicklich keinen anderen Ausweg als aus seinem Leben zu verschwinden. Zu unterschiedliche Lebensvorstellungen lassen die Liebe blass aussehen. Da geht man wohl besser gleich getrennte Wege, um nicht unnötig Zeit zu verlieren. Gut geht es ihr damit nicht. Noch nicht. Es ist deswegen auch erst einmal so etwas wie ein Versuch. Eben eine Pause. Aber wenn es so läuft wie geplant, dann ist es eine Pause für immer. Sie ist da doch recht zuversichtlich.

Frau Unscheinbar hat somit eigenwillig die bisherigen Umstände verändert. Niemand hat damit gerechnet, niemand hat danach gefragt, niemand hat das gewollt. Damit hat sie nicht nur seine, sondern eben auch die von Frau Sonnenschein zu Recht gelegte Welt  gekippt, ohne es zu bemerken. Es war auch unmöglich für Frau Unscheinbar davon etwas mitzubekommen, denn von der Existenz Frau Sonnenscheins weiß sie kaum etwas.

Er - tief geknickt - erzählt es Frau Sonnenschein. Er erzählt es nur ihr, denn  niemand sonst auf dieser Welt steht ihm jetzt noch näher. Frau Sonnenschein kann nicht glauben, was sie da von ihm hört. Pause. Wie ein Schlag ins Gesicht. Frau Sonnenschein bekommt diese Nachricht gar nicht gut. Sie sitzt ihm gegenüber und in Anbetracht der neuen Tatsachen fällt ihr das Atmen plötzlich sehr schwer. Es fehlen ihr die Worte, ihr strahlendes Lächeln ist verblasst. Sie kann nicht mit ansehen wie er leidet. Ihr Herz scheint gleich dem seinen zu zerspringen.

Vier waren zwar zwei zu viel, aber immerhin waren die Gewichte gleichmäßig verteilt. Jetzt, wo Frau Uscheinbar sich vorerst verabschiedet hat, sieht das ganz anders aus. Nun sind sie drei und damit nur noch einer zu viel.

Aber wer wird der sein, der zu viel ist?

Er?

Frau Sonnenschein?

Oder am Ende gar derjenige, der davon noch weniger weiß als Frau Unscheinbar?

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