stereoG 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 7

Florida-Rolf trifft Florida-Lady

Heißer wird's nicht. Wie auch, wenn es von heiß eigentlich keine Steigerungsform gibt.

Rolles Handy schellte sehr laut, womit er recht unschön aus seinen Sexträumen gerissen wurde. Sein Halbmast erinnerte ihn an die übliche Traumsession in Hugh Hefners Playboyvilla, in der Rolf Kaiser wie immer als Stargast auf Hasenjagd gehen durfte, bevor er in seinen Privatjet stieg und wieder seinen Geschäften nach ging, die da waren: An die Ecke zu seinen Mädchen zu gehen, erstmal eine Schelle für jede, dann wollte er Geld sehen. Er träumte ein gutes Leben und er träumte täglich davon.

Nicht, dass es ficktechnisch für Rolle nicht gut lief, aber seiner Meinung nach ließ die Qualität in der letzten Zeit doch arg zu wünschen übrig. Schließlich war Rolf Kaiser ja kein unschöner Mensch, wenn man die restliche männliche Ausschussware in der näheren Umgebung als Konkurrenz betrachtete. Diese narzisstischen Gedanken flogen in seinem Kopf umher, während er immer noch auf das Display glotzte. Unbekannter Teilnehmer. Das verheißt nix Gutes, dachte er. Wahrscheinlich wieder die Penner vom Amt oder von der Telefongesellschaft, die fragen wollen, wann ich gedenke meine Rechnung zu bezahlen, sonst sperren sie mir zum hundertsten Mal die Karte. Rolf ließ das Handy aus seiner Sichtweite gleiten und spielte sich noch ein bisschen am Glied herum, um auf klare Gedanken zu kommen. Wie spät war es überhaupt? Und welcher Tag?

Er fingerte unter der Decke nach dem Handy, fand aber nur die Fernbedienung für das TV-Gerät. Als er diese betätigte, blinkte auf dem Bildschirm nur ein krisseliges Standbild eines Kelly Trump-Pornos auf, den er gestern vor dem Einschlafen zur Trauminspiration laufen ließ. Rolle dachte resigniert darüber nach, wie gering die Haltbarkeit von angeblicher hochwertiger Technologie doch war. Ganz kurz versuchte er irgendwas geil Machendes in dem fleischfarbenen Gepixel zu erkennen, aber wozu den Tank leer machen, wo doch heute noch gepflegte Bettakrobatik anstehen sollte. Er hievte sich aus seinem Pfuhl und schüttelte an ein paar Bierflaschen, ob in irgendeiner noch etwas zu trinken war. Als er eine fand, setzte er zu einem Männerschluck an, prustete und hustete umgehend, weil sich ein Kippenstummel in seiner Luftröhre verfangen hatte. Scheiße, das war mein Behelfsascher, fluchte Rolf. Schwer erniedrigt ging er zum Kühlschrank und holte eine Flasche Goldkrone aus seinem Fundus. Da er nichts anderes zum Mischen fand, begnügte er sich mit dem Krümeltee, um nicht von der reinen Ware besoffen zu werden.

Sinnierend stand er am schmutzigen Fenster und schob die vergilbten Gardinen beiseite, um hinunter auf sein Reich zuschauen. Einen standesgemäßen Balkon gab es leider nicht in seiner 1,5-Zimmerwohnung. Der reinste Saustall, bemerkte er und beschloss, dass das nächste Weib, das er aufreißen würde, zumindest aufräumen könnte, bevor sie von seinen Weinbrandvorräten zu besoffen wäre. Er öffnete das Fenster; wobei er fast von der Hitze erschlagen wurde und klaubte eine Zigarette aus seiner Jogger und schaute rauchend auf verschränkten Armen gestützt nach unten, wo einer dieser unzähligen Märkte stattfand, auf denen Vietnamesen neben Kopien von Raubkopien von Adidas auch Schmuggelzigaretten anboten (Rolle war ihr treuester Kunde), zwischendurch verscherbelte ein zwielichtiger Rentner Frauenromane von Hedwig Courths-Mahler und weiteren Trivialklassikern aus dem Hause CORA an seinem Stand oder ein anderer finsterer Geselle versuchte per Headset und Lautsprecher den neuesten Reiniger an senile Rentner zu verhökern.

Ab und zu durchpflügten ein paar Bienen, die aus dem gleichen Reagenzglas tropften wie ihre Schwestern aus „Mitten im Leben“, mit ihren Kinderwagen das Ambiente und Rolf hob ein paar Mal die Hand zum Gruße, denn in seinem Mietskasernenkiez gab es kaum ein weibliches Geschöpf, das er noch nicht bestiegen hatte. Da die Sozialhilfe meist für Miete und Suff draufging, musste man bei den Verhütungsmethoden sparen, weshalb ein nicht geringer Teil der unehelichen Kinder bestimmt ihm gutgeschrieben werden konnte. Am Anfang hatte er sich noch ernsthafte Gedanken gemacht wie er seine Kinder über Wasser halten könnte, aber irgendwann akzeptierte er den Lauf der Dinge einfach, da kaum eins der Weiber auf die Idee kam, Rolf Kaiser als Vater zu benennen. Seit dem wollte er alle Frauen schwängern, damit es für immer Pimps wie ihn gibt.

Er kehrte sich vom Hofleben ab und steuerte ins Bad, wusch sich mit etwas Wasser kurz unter den Achseln, im Schritt und im Gesicht, bevor er runter auf den Markt ging, da er eine neue Kollektion bei dem Vietnamesen seines Vertrauens entdeckt hatte. Ein neues T-Shirt musste es schon sein, aber bei diesem Preis – fünf Euro, der echt happig war, wie sollte er denn da noch seine Kippen bezahlen und die anderen Ausgaben – würde es bei einem bleiben. Es war Samstag und als er den Fünfer rüberwachsen ließ, realisierte er, dass er mal wieder pleite war. Und der Monat hatte erst seine erste Woche hinter sich, also eierte er wieder nach oben, zog sich das neue Shirt an und überlegte wie er an Kohlen kommen könnte. Wenn er sich beeilte, könnte er es noch rechtzeitig zum Blutspendezentrum schaffen. So tankte er in fünf Minuten zwei bis drei Liter Wasser in sich und begab sich aus seinem Niederschönhausener Kiez Richtung Pankow und von da zur Landsberger, wo er in der Blutbank noch rechtzeitig eincheckte, um 480 ml Blut gegen 20 Euro zu tauschen. Den Großteil hatte er auf dem Weg schon wieder austranspiriert. Natürlich log er beim Multiple-Choice-Auswahl-und-Anmeldebogen bei fast der Hälfte und er stank bei dieser Affenhitze so sehr nach altem Schweiß und Kneipe, dass die Schwestern knobelten, wer ihm das Blut abzapfen musste. Warum muss so etwas immer kurz vor Dienstschluss kommen?

Als er leicht schummrig, aber 20 Euro reicher, wieder zur Bahn Richtung Pankow lief, schnallte er erst, als er die wenigen Menschen in der Innenstadt sah, dass heute einer der heißesten Tage des Jahres zu sein schien, denn es waren mit ihm nur adipöse Touristen unterwegs, die in den öffentlichen Verkehrsmitteln an ihren Stadtplänen vor sich hinklebten. Alle anderen Berliner hatten sich in den C-Bereich an die Seen verzogen. Die Sonne haute zusätzlich zum Blutverlust gut rein und als er an seinem Lieblingsspäti (der Einzige, der ihn noch anschreiben ließ) am S-Bahnhof Pankow aufschlug, schmeckte das erste kühle Oettinger des Tages so traumhaft gut, dass er gleich vom Hocker, der im Späti integrierten Theke fiel und sich den Kopf anschlug. Jessica, eine dieser Bilderbuch-Jappy-Mäuse mit zu viel Blech in der Fresse und vielen, einzelnen Tätowierungen von Ankern, Sternen und biblischen Motiven, verarztete ihn und verband ihm den Kopf. Rolle hatte glatt vergessen, wie schnell man nach einem halben Liter Blutverlust
besoffen war und bestellte gleich das Nächste. Dann saß er draußen und flirtete mit der dicklichen Jessica, denn mittlerweile, war sein restliches Blut in den Lendenbereich geflossen und er glotzte lüstern auf ihre Cellulite-Oberschenkel, die aus einer Hotpants herausquollen und ebenfalls mit mehreren sinnlosen Tattoos verziert worden. Er dachte an die Weisheit eines sehr guten Freundes von ihm, der ihm irgendwann mal gesteckt hatte, dass viele einzelne Tattoos auf eine komplexbeladene und schwere Kindheit deuten. Nur leider hatte Jessicas 16-Stunden Schicht gerade erst begonnen und deshalb musste er warten. Aber das Geld brannte ihm ein Loch in die Taschen, doch konnte er eigentlich nicht mehr saufen, denn er war schon auf Endlevel.

Dann erreichten ein paar Saufkumpanen den Späti und er nahm sich vor, später hier noch mal aufzuschlagen, wenn sich sein Geld und Jessicas Schicht dem Ende neigten. Seine Kumpels schienen gut vollzuhängen und luden ins Wettbüro um die Ecke ein, wo Rolf fünf Eier auf blauen Dunst bei irgendeinem Hunderennen investierte und glatt gewann. Heute läuft es aber, dachte er, und nicht nur mein Schweiß. Wann hatte er zuletzt nochmal einen dreistelligen Betrag in der Tasche gehabt? Aus dem Wettbüro ging es eine Tür weiter in eine Kneipe, wo er großzügig ein paar Futschis spendierte und als Gegenleistung zu ein, zwei Nasen Speed eingeladen wurde. Davon schwitzte er noch mehr, so dass mittlerweile die vierte Schweißkruste auf seinem Körper versalzte. Er fummelte zwei Euromünzen aus den tiefen Tiefen seiner Jogger, wovon einer in die Jukebox wanderte – Musik muss immer sein – und der andere in den Novoline-Automaten für Book of Ra. Rolle suchte den Fancy-Hitmix und als die bekannten Takte von „S-L-I-C-E, slice me nice“ durch den Laden hallten, gröhlten seine Kumpels doch tatsächlich „Florida Lady, du bist so kalt wie Eis“ von dieser elendigen Schwuchtel Alexander Marcus mit. Er klärte die Penner auf, dass das nur ein billiges Ballermann-Cover von einem seiner größten Helden war und wendete sich schmollend dem Automaten zu, wo er im Tran irgendwie ein paar Freispiele ergatterte, die sich summierten und er auf Auszahlen drückte. Die Bedienung konnte die knapp dreihundert 2-Euro-Münzen aber nicht wechseln, was bedeutete, dass er noch ein paar Stunden weiter saufen und warten musste, ehe der Besitzer zähneknirschend mit den Scheinen anrückte.

Seine Kumpels sahen zu ihm herauf, als er sie an einer weiteren Lebensweisheit teilhaben ließ, die da lautete: immer erst in der Monatsmitte an die Automaten zu gehen, denn Hartz-IV kam immer am Anfang und wurde von den Beziehenden meist in der ersten Woche verjubelt, so dass die Automaten dann vollhingen um die großen Gewinne auszuschütten. Leider hatte die Theorie so nie funktioniert, aber heute und so kaufte er seinen Kumpels noch ein Briefchen Speed und zwei, drei Cialis ab. Cialis sind so etwas wie Viagra und helfen entweder bei zu viel Suff oder wenn man eine Hässliche (vielleicht Jessica später) besteigen oder beim ersten Mal mit einer Alten die Messlatte gleich richtig hochlegen will. Als der Wirt dann zum Auszahlen kam und den Beamer für die Frauen-WM anstellte, verabschiedete sich Rolf von seinen Kompagnons, bevor ihm ein weiterer Kollaps umhauen würde.

Wo gehste hin, fragte einer. Ich will nochmal in der Spielothek bei mir um die Ecke vorbei und vielleicht doch mal duschen, antworte er und sendete einen verschwörerischen Blick Richtung Späti gegenüber, worauf seine Kumpels zustimmend wieherten. Niederschönhausen hat sich ganz schön gemacht, oder? Rolf fiel nun auch wieder ein, dass seine Kumpels noch richtig authentische Einbrecher waren und schaute fragend zurück. Du solltest mal wieder in der richtigen Welt ankommen und auch mal die Grabbeallee nach links abbiegen, dann wüsstest du wovon wir reden. Jetzt war es an Rolf mal zuzuhören, als seine Kumpels loslegten. Das schien nicht wahr zu sein. Niederschönhausen wird niemals untergehen, blaffte er. Doch. Nein. Doch. Nein. Doch, finde dich damit ab, dass du vom Aussterben bedroht bist. Statt Jappy gibt es jetzt Bumsapps wie Lovoo, du Hinterwäldler. In seinem Zustand fiel ihm das Denken eh schon schwer, aber jetzt schwirrten ihm unzählige Satzfetzen wie Suburbanisierung, neuer Wohnraum im Nordosten, saturierte Fotzen, die aus dem Innenstadtbereich wegziehen, Immobilienboom inklusive Geldwäsche nationaler und internationaler Investoren, in seinem Kopf herum, als er sich Richtung Schlosspark Pankow und seiner Wohnung aufmachte.

Und dann sah er, was seine Kumpels meinten. Warum waren ihm diese ganzen neuen Leute in Pankow noch nie aufgefallen? Was zum Geier ist eine bilinguale Schule? Wie kann sich ein grellbuntes Eiscafé halten, wo es veganes Eis gibt? Wo sind meine Pennbrüder vor dem Rathaus hin? Warum gibt es auf einmal so viele Kitas hier? Dann sah er die ganzen Baulücken, die inzwischen mit Eigentumswohnungen aufgefüllt wurden. Und die ganzen Kinderwagen, die mehr kosteten als drei Monate Transferleistungen zusammen. Im Schlosspark musste er sich erst einmal setzen und bekam mit, wie er wie ein Aussätziger von den passierenden Müttern inspiziert wurde: fettiges Haar, Sonnenbrand, aufgedunsenes Gesicht, dazu ein suppender Verband am Kopf und ein Eitriger am linken Ellenbogen und ein Oettinger-Radler in der Hand. Kein Wunder, dass in der letzten Zeit nicht mehr viel lief. Er raffte sich auf und lief weiter am Schloss vorbei, aus dem ein Haufen Rentner aus Zehlendorf nach einer Führung kam und ganz schnell auf die andere Seite des Weges wechselte, als er vorbei lief.

Beim Blick in den blauen Himmel sah er die vielen Kräne, die weitere neue Häuser hochzogen. Eigentlich sollte ein Kran das neue Wahrzeichen Berlins werden und nicht mehr der Bär, dachte er, denn Bären waren schließlich ausgestorben oder nur noch im Zoo zu betrachten. Als er an seiner Stammspielothek angelangt war, nahm Rolf zum ersten Mal die Geschäfte dahinter wahr, die sonst von dem Kleinmarkt und seinen zwielichtigen Ständen verdeckt wurden. Mühsam entzifferte er die Schriften an den Ladenfenstern: Bioladen, Kinder-Yoga-Kurse, homöopathische & systemische Praxis und ein veganes Restaurant, anstatt der alten Dönerbude. Das war zu viel des Guten und er verschwand in der Spielothek, wo er die Hälfte des Briefchen wegzog und sein neugewonnenes Geld verzocken wollte, aber das ging quasi nach hinten los, denn er holte einiges aus den Automaten raus. Als er mit einem – in seinen Augen – horrenden Gewinn aus dem klimatisierten Casino kam und gegen die Hitzewand lief, die immer noch über der Stadt hing, schien er dem Kollaps zum Greifen nahe, auf den er den ganzen Tag hingearbeitet hatte.

In seiner Wohnung puhlte er die beiden Verbände ab, ging baden und kam einigermaßen wieder klar auf sein Leben. Es musste etwas passieren, sonst würde er bald neben den Bären im Zoo ausgestellt werden. Rolf räumte provisorisch seine Bude auf und brachte sein komplettes Pfand (12,48 Euro) zum Supermarkt, kaufte etwas Sekt und teures Bier. Wieder daheim machte er Kassensturz des heutigen Tages und rieb sich die Augen, als etwas über 1500 Euro zusammen kamen. Was immer man hat, investiert man, hatten seine Kumpels vorhin auch noch bei ihrer Tirade über die Veränderung Pankows vom Stapel gelassen und wenn er sich beeilte, konnte er schnell noch bei einem C&A rein und sich gute Klamotten besorgen. Unten auf der Straße pfiff er sich ein Taxi heran und setzte seinen Plan in die Tat um. Dann fuhr er wieder in die Kneipe zurück, in der seine Einbrecherkumpels immer noch am Ballern waren.

Zunächst erkannten sie ihn nicht, als er in seinem neuen Anzug von der Stange und mit gewaschenen Haaren vor ihnen stand, dann lachten sie ihn erstmal ewig aus, bis er ihnen zwei Briefchen Koks abkaufen konnte. Erwartet nicht, mich wiederzusehen, tönte er beim Abschied. Sie ahnten nicht, wie ernst er das meinte. Und anstatt direkt rüber zu gehen und sich Jessica zu klären, marschierte er weiter Richtung Vinetastraße, wo er in die erstbeste Yuppiebar einkehrte, die auf einem Samstagabend als Durchgangstränke fürs Nightlife prädestiniert war. Am Tresen genehmigte er sich einen Manhattan und stellte Blickkontakt zu einer Horde Agenturweiber her, die aussahen, als ob sie vollhingen, aber chronisch untervögelt seien. Und er lag richtig, wie er befriedigend feststellte, als er sich mit einem Tablett Drinks an ihrem Tisch einkaufte und sich an ihren Gesprächen mit ein paar Zoten beteiligte. Er suchte oft das Klo auf, aber nicht um auszuscheiden, sondern um einzuführen, womit er die Weiber schnell unter Tisch trinken konnte und dabei selbst einigermaßen nüchtern blieb.

Nach einiger Zeit nabelte sich der Großteil der Damen ab Richtung „Alte Kantine“ und Rolf blieb auf und neben einer Kelly sitzen, die aus den Staaten kam, genauer aus Fort Lauderdale in Florida und erst seit ein paar Monaten in Berlin lebte; zufällig eine Straße neben seiner Wohnung, aber weitaus teurer. Kelly, wenn das kein Zeichen ist, dachte er an seinen deprimierenden Start in den Tag. Da ihr Deutsch noch nicht soweit fortgeschritten war, konnte er lügen und blenden, was er nicht für ein toller Macher war, ehe er von seiner Ex-Frau und seinem Ex-Partner abgelinkt wurde, sowohl in Sachen Liebe und Geschäft. Deswegen lebte er auch erstmal in einer kleinen Wohnung ganz in ihrer Nähe, bis wieder bessere Zeiten anstanden. Frauen sind alle gleich, dachte Rolf, als er sah, wie Kellys Augen sich zu großen Seen voller Mitleid verformten und in das gleiche Horn stieß, dass auch sie nur belogen und betrogen wurde und es schwierig sei, überhaupt wieder jemandem zu vertrauen. Er dankte seiner gefälschten Rolex, die ihm ein entfernter Verwandter aus Pattaya vor Jahren als Geschenk mitgebracht hatte, und seiner Kette, die nur vom Vietnamesenstand war, die er aber mit Goldlack angesprüht und gepimpt hatte. Kelly schien ihm alles abzukaufen und so schleppten sie einander ab und fuhren mit Taxi zu ihr, wo er sich schnell vergewisserte, dass sie wirklich vollhing. Er klinkte sich zwei Cialis ein (keine halben Sachen) und besorgte ihr es die ganze Nacht und am nächsten Morgen weiter. Kelly war schon ein kleines Schlachtschiff, stellte er ernüchternd fest, da hätte er sich auch an Jessica halten können. Doch die war nicht Chance zu einem besseren Leben.

Nach der morgendlichen Nummer pennte Kelly wieder weg und Rolf zauberte ein reichhaltiges Frühstück in der Küche, mit dem er sie später weckte und ihr dabei - passend vertrottelt in die Augen schauend - heuchelnd seine Liebe gestand. Natürlich kaufte sie ihm das ab und so schlummerte er danach in ihren fülligen Armen ein und konnte sein Glück gar nicht fassen.

„Rolf! Roholf! Wach endlich auf, du Penner!“ Irgendetwas rüttelte an ihm und schwer verkatert hob er den Kopf vom Tresen und sah in Jessicas rundliches Gesicht. Was war hier los? Was macht die denn hier? Dunkel dämmerte es in ihm und die Aufklärung folgte auf dem Fuße; wenn dir Blutspenden und Saufen nicht bekommt, bist du hier falsch, außerdem musst du noch deinen Deckel begleichen, keifte sie. Und das waren genau 20 Euro mit dem Bier, das inzwischen warm und schal vor ihm stand.

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5 Antworten

Kommentare

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  • 1

    <3<3<3<3<3

    Rolle hatte glatt vergessen, wie schnell man nach einem halben Liter
    Blutverlust
    besoffen war und bestellte gleich das Nächste.

    17.07.2015, 11:00 von MaasJan
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Ist das behinderte neon.de. Nach dem dritten Editieren hatte ich kein Bock mehr auf ein Erneutes. Oder mein Kackrechner ist zu alt.

      17.07.2015, 20:52 von stereoG
    • 1

      Jetzt ist es rund.

      19.07.2015, 00:12 von stereoG
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers

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