Fleck an der Wand
Der Moment tröpfelt wie triste Farbe auf den Boden, und der Pinselstrich, den du hier hinterlassen hast, lässt sich längst nicht mehr wegwischen.
Es schäumt über. Schäumt über wie Wellen, höher als dein und mein Herz sehen können. Gleichzeitig Müdigkeit und dieser Drang, etwas zu bewegen, ich kann mich nicht halten, du kannst nicht an dich halten, kann's nicht aushalten, kannst mich nicht festhalten - hast du schonmal zu viele Gefühle gespürt, als dass du sie ertragen könntest?
In solchen Momenten will ich es ertränken, die Gedanken in Gedichten, Fotos, Worten wegspülen, Kunst ist meine Rettung, aber jetzt gerade scheint auch das nur wie ein winziger Lichtpunkt am Horizont, den ich nicht erreichen kann. Wie in einem dieser Träume, wenn man weglaufen will, sich aber nicht von der Stelle bewegen kann, ich zapple und kämpfe, aber ein unsichtbarer Zyniker hält mich an Ort und Stelle. Weiß nicht ob ich weinen oder lachen soll. Emotionen vermischen sich in einem verschwommenen Organismus, mit Musik kann ich steuern, welche von ihnen Überhand gewinnt.
Oft ertappe ich mich dabei, wenn ich mich überlegen fühle, vielleicht übermütig, stark, verwirrend geradlinig, doch jetzt falle ich, ich falle und stelle fest, dass ich so viel kleiner bin, kann nicht einmal gegen die eigenen Gefühle ankommen. Sie ersticken mich. Ein Herz voll Liebe und kein Ventil. Schreiben hilft mir. Poesie. Zumindest, um den schäbigen Rest ein paar Sekunden lang zu überdecken.
Wie den ungebetenen Fleck an meiner Wand. Erinnerung. Habe ihn vorübergehend mit Nagellack überdeckt, "Charming White". Blättert jetzt ab, fade Übergangslösung, Notnagel, Medizin für mein Problem ist lange nicht in Sicht. Einen Maler bräuchte man.
Maler für Herzen gibt's leider nicht. Manchmal schon hat der eine oder andere vielleicht einen Pinselstrich hinterlassen, für den Fleck hat's aber nie gereicht. Ich schweife ab. Herzenmaler. Möchte in deines malen, aber du lässt mich nicht. Will eine Welt für dich zeichnen, das klaffende Loch darin mit Regenbogenpflastern tarnen, du lässt mich nicht. Seltsam, wie romantisch mich die Sehnsucht nach dem Malen werden lässt, dabei finde ich solche Phrasen doch ziemlich klebrig.
Sehnsucht nach dem Malen? Was rede ich. Nach dir.





Kommentare
Auch ein sehr schöner Text von dir. Es ist mir nie in den Sinn gekommen, Liebe mit Malerei zu verbinden. Dabei hast du sehr recht damit, manchmal siehst du ja vieles durch die Liebe auch in einem anderen Licht, also sind die Farben auch anders. Meiner Meinugn nach zumindest.
16.08.2010, 21:02 von kleiner-sternAußerdem kommt in deinem Text gut raus, wie großdie Sehnsucht ist, die man nach jemandem haben kann, der manchmal auch außer Reichweite ist.
Schön.Traurig- Schön.Manche Flecken kann man tatsächlich nicht übermalen...
27.07.2010, 00:47 von Sunny_82