Filtrat einer Beziehung
vom Versuch die Naturgesetze zu übergehen
Destilliert man dreckiges Regenwasser durch einen natürlichen Filter, erhält man mit viel Geduld und manchmal auch ein wenig Spucke, am Ende klares, reines Wasser. Bakterien-, pestizid- und verunreinigungsfrei.
Das Wasser hat eine lange Reise vor sich: durch große, grobe Steine, Kies, Sand und feinste Sedimente. Kaum verwunderlich, dass so mancher an der Wirksamkeit dieser Apparatur zweifelt.
Betrachtet man die muffige, trübe Brühe, die man so erwartungsschwanger hinein schüttet, auch kaum verwunderlich. Wie nur, soll daraus Reinheit entstehen? Mit menschlichem Verstand kaum zu begreifen.
Mit menschlichem Verstand noch viel weniger zu begreifen ist, wenn dieses Prozedere umgekehrt geschieht. Einzigartige Perfektion wandelt sich in eine dreckige, stinkende Giftbrühe. Aber wie in der Filteranlage brauchte es wohl einfach seine Zeit zum Sickern.
Du hast es mir ja immer gesagt und alle Anzeichen sprachen dafür. Weihnachten, im Restaurant, im Bett - die schwache Ahnung war schon immer da. Doch von mir im Kapitel "Paranoid" abgeheftet, verlor ich das Filtergerät aus dem Blick.
Du hast mich nie geliebt, Du warst nicht einmal nah dran. Vielleicht auch weil Du ein kleines bisschen Angst hattest und ein großes bisschen schwach bist, aber vor allem, weil Du es einfach nicht getan hast.
Weil es fest stand, fast schon wie ein Naturgesetz. Weil die Erde niemals flach sein wird und Du mich niemals vermissen wirst.
Weil 2 + 2 immer 4 sein wird, so wie ich niemals das Wichtigste sein werde.
Weil Mord immer falsch sein wird, genau wie unsere Beziehung.
Und vor allem, weil es für Dich nur eine Entscheidung war.
Du hast entschieden und ich habe geschrien und getobt und geweint und gefleht, dass die Erde doch flach und das Ergebnis 2 und der Mord am Zweifel richtig ist. Und das Du mich liebst.
Der letzte Tropfen platscht ins Glas. Ich drehe mich um - was bleibt, ist grau.







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