ABgestempelt 30.11.-0001, 00:00 Uhr 6 1

Fick mich wenn du kannst.

Vom Öffnen und Hingeben.

Sprachlos?
Gut so!
Ich bin 28. Ich habe gewartet und gewartet. Gehofft, romantisch verklärt.
Auf den Richtigen, den Tollen.
Die Utopie in Person.
Ich habe eine Mauer um mich errichtet.
Jahrelang. Stein um Stein.
Ich habe mich in mein Schneckenhaus verzogen. Immer tiefer in den Windungen vergraben.
Ich wollte, dass ich wollte. Aber in Wahrheit war ich noch gar nicht bereit für das Wollen.
Verschreckt von der eigenen Sehnsucht.
Unter Druck gesetzt von Allem um mich herum, am meisten manchmal von mir selbst.
Aber ich war auch stark.
Ich habe auf mein Innerstes gehört.
Ich spürte, dass ich noch nicht bereit war.
Da war niemand, dem ich mich hingeben wollte.
Wie sollte ich mich denn auch Jemandem hingeben, wenn ich mich noch nichtmal mir selbst hingeben konnte?
So verstrichen die Monate, und Jahre.
Und immer noch war ich eine Jungfrau.
Fast schon ein Stigmata.
25 Jahre alt und immer noch keinen Sex gehabt.
Das glaubt einem eh Keiner!
Niemand.
Lächerlich.
Aber unbeirrt habe ich weiter auf mein Gefühl gehört.
Mein Innerstes war noch nicht bereit sich zu öffnen.
Ein Knacks in der Jugend.
Die Folge wenn man erlebt, wie schlimm es ist einen Menschen zu verlieren, den man liebt.
Da kann man sich nicht Öffnen, weil man panische Angst hat Denjenigen zu Verlieren, den Schmerz noch einmal zu Erleben.
Das wollte ich über Jahre hinweg unter allen Umständen vermeiden.
Deshalb die Mauer.
Ich dachte, wenn ich mich erst gar nicht auf irgendetwas einlasse, dann laufe ich auch gar nicht erst Gefahr, wieder einen Verlust zu erleben.
Denn wenn man sich öffnet, wenn man liebt, dann ist das unweigerlich mit einer großen Verletzlichkeit verbunden.
Dafür war ich viele Jahre nicht bereit.

Schleichend kam die Veränderung.
Ganz allmählich.
Es war gut, dass ich mir Zeit gelassen habe.
Es war gut, dass ich Freundinnen hatte, denen ich mich anvertrauen konnte und die mich immer bestärkt haben, ja mich in gewisser Weise für meine Konsequenz sogar ein wenig bewunderten.

Eines Tages war es soweit.
Es war keine Liebe in dem Sinne wie sie zwischen Mann und Frau ist.
Es war eine tiefe Liebe zu mir selbst, zu dem wer ich war. Wer ich BIN!
Ich war nun bereit mich dem Leben zu Öffnen, mich voll und ganz Hinzugeben.
Die Angst vor dem Verlust war immer noch da, IST immer noch da.
Aber diese Angst wir von meiner Stärke begleitet.
Von meiner Liebe zum Leben.
Von meiner Liebe zu mir Selbst.
Es hat eben nur ein Weilchen gedauert, bis ich mich finden konnte.
Und das war gut so!

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6 Antworten

Kommentare

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    Ich mochte den Text :)

    Am meisten haben mich die letzten beiden Absätze zum nachdenken gebracht:

    "Schleichend kam die Veränderung.
    Ganz allmählich.
    Es war gut, dass ich mir Zeit gelassen habe.
    Es war gut, dass ich Freundinnen hatte, denen ich mich anvertrauen konnte und die mich immer bestärkt haben, ja mich in gewisser Weise für meine Konsequenz sogar ein wenig bewunderten.

    Eines Tages war es soweit.
    Es war keine Liebe in dem Sinne wie sie zwischen Mann und Frau ist.
    Es war eine tiefe Liebe zu mir selbst, zu dem wer ich war. Wer ich BIN!
    Ich war nun bereit mich dem Leben zu Öffnen, mich voll und ganz Hinzugeben.
    Die Angst vor dem Verlust war immer noch da, IST immer noch da.
    Aber diese Angst wir von meiner Stärke begleitet.
    Von meiner Liebe zum Leben.
    Von meiner Liebe zu mir Selbst.
    Es hat eben nur ein Weilchen gedauert, bis ich mich finden konnte.
    Und das war gut so!"

    Und ich frage mich, bin ich wirklich bereit für Liebe, Beziehung und alles drumrum, wenn ich mich nicht wirklich selbst lieben kann?! Wenn ich doch immer wieder im Zweifel bin, im Begriff, alles durch meine Eifersucht, meinen Neid, meinen Selbsthass zu zerstören. Ich weiß es nicht.

    Jedenfalls: Ich glaube, du hast das ganz gut auf den Punkt gebracht.
    Und: Ich bin auch froh, dass ich jetzt schon mein Schneckenhaus verlassen habe. Das Vertrauen in andere klappt - mit dem Vertrauen in mich haperts. Aber wenn alles gut geht, und das hoffe ich doch sehr, wird das kommen. Mit der Zeit :)

    16.08.2007, 22:01 von Kampfkruemel
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    Wie ist das zu verstehen mit dem Öffnen. Meinst du damit nur die Auslebung sexueller Bedürfnisse oder generell die Beziehung zu einem Partner?

    11.07.2007, 09:25 von Kharma
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  • 0

    wunderschöner text...
    das mit dem schneckenhaus kenne ich so gut. meine mauer ist einmal gebröckelt, doch als ich enttäuscht wurde ist sie nur noch stärker geworden. ich will warten, auf den richtigen, der sie ganz einreißt.

    danke für diesen text...
    winddancer

    10.07.2007, 22:39 von WindDancer
    • 0

      @WindDancer bitte, sehr gerne! ich weiß, dass du es ganz richtig machen wirst!!! du bist nämlich ´ne tolle weißt du? und eines tages ist da der tolle, der genau das in dir erkennt, und der holt dich dann raus aus deinem schneckenhaus...aber du musst ihm dann schon auch ein wenig helfen...OHNE DEIN WOLLEN geht´s nämlich nicht.... ;)

      10.07.2007, 22:47 von ABgestempelt
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      @[Benutzer gelöscht] passt! so wird´s gemacht! danke für die schönen worte!

      14.06.2007, 17:10 von ABgestempelt
  • 0

    ehrlich. und kaum zu glauben. bei aller verletzlichkeit, aller angst vor schmerzen, die tiefer sind, als kleine wunden in der haut: liebe und sex sind manchmal schon ein wagnis wert.
    aber das weißt du ja dann inzwischen.
    *p

    21.05.2007, 19:57 von PDK
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    Schöner Text.

    Konsequenz ist wichtig, am wichtigsten wenn die eigene Entscheidung dahinter steht.
    Alles Gute!

    PS:
    "nur Dieses Eine Mal Noch Schenk Mit Kraft Für Einen Neuen Tag,
    ich Stehe Nackt Und Hilflos Vor Dem Morgen, Nie War Ich So Stark,
    nur Einen Tag Noch Kraft Und Ich Reiß Alle Mauern Um Mich Ein,
    nur Wer Sich Öffnet Für Den Schmerz Lässt Auch Die Liebe Mit Hinein."
    [ASP - Und wir tanzten]

    21.05.2007, 17:53 von Thysteria
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