kalter_sommer 31.08.2010, 13:07 Uhr 9 5

Fernbeziehung

Aber wir schlafen doch noch jeden Abend beieinander.

"Aber wir schlafen doch noch jeden Abend beieinander!", sagt er, während ihr die Tränen bereits die Wangen herunter laufen.
Das ist es, was sie nie gewollt hat, und nun scheint es ganz darauf hinauszulaufen. Sie muss es aushalten. Es geht nicht anders. Doch schon am zweiten Tag, möchte sie das Handtuch werfen.

Es ist 6 Uhr, er steht auf und trinkt einen Kaffee, verabschiedet sich nicht einmal von ihr.

"Ich bin immer noch ein bisschen früher aufgestanden, um schlaftrunkene Zweisamkeit zu genießen!", denkt sie traurig. Einschlafen kann sie nicht mehr. Sie liegt dort und die Decke starrt mit müden Augen auf sie herunter.

Als sie endlich aufsteht, ist es Acht. Sie schaltet den Fernseher ein, vernimmt keinen Ton. Nach einer dreiviertel Stunde geht sie ins Bad und lässt ihr Gesicht von kaltem Wasser berühren, dann verlässt sie die Wohnung und steigt in den Bus.
"Er wird sich nicht melden", denkt sie betrübt, "das ist typisch für ihn!"

Sie hält es für besser, da es sowieso nur ausarten würde "Wir müssen reden, ich vermiss' dich", würde sie ihm dann sagen, worauf er nur antworten würde, dass er die Situation auch nicht toll fände, aber sie doch wenigstens beieinander schlafen würden. Daraufhin würde sie wütend werden, "in einer Beziehung, da schläft man nicht nur nebeneinander ein", würde sie ihn anschreien und er würde ebenfalls wütend werden und ihr an den Kopf werfen, dass sie doch auch nebeneinander aufwachen würden. Dann wieder sie, inzwischen weinend: "Nein, nicht einmal das tun wir mehr! Wir reden nicht, wir schlafen nur, und aufwachen tust du alleine." Patzig würde er sich zur Wehr setzen: "Denkst du eigentlich, dass ich das mit Absicht mache? Hast du vielleicht mal darüber nachgedacht, dass ich nach so einem Tag zu müde bin, um mich noch mit deinen Problemen auseinander zu setzen?", "Hast du mal darüber nachgedacht, dass das alles ein bisschen zu viel für dich ist? Und wenn es nicht zu viel für dich ist, dann vielleicht für uns? Hast du mal darüber nachgedacht, dass du auch mal "Nein" sagen könntest?
Kein normaler Mensch geht von morgens 6 bis nachmittags um 4 arbeiten. Um darauf nochmal von nachmittags um halb fünf bis abends um 10 arbeiten zu gehen", würde sie sich rechtfertigen, worauf er dann wieder sagen würde, dass Köche keine anderen Schichten hätten. Sie würde argumentieren, dass er kein Koch sei und dass Köche ohnehin meistens ihre Familien aufgeben würden.

Dann erwacht sie aus ihrem Tagtraum, der doch ein bisschen zu weit gegangen scheint. Angst drückt ihr den Hals zu: Fernbeziehungsangst. Angst vor dem Entfernen. Vor dem voneinander entfernen. Sie fühlt sich plötzlich nicht gefestigt, sondern allein gelassen.

Ihr Handy klingelt. Er ist dran.
"Ja, Hallo?"
- "Hey, ich bin's! Schaffst du's heute Abend?"
"Was ist da?"
- "Na der Geburtstag?"
" Oh, nein ich glaube nicht!"
- "Schade! Kommst du später noch vorbei?"
"Ich weiß nicht!"
- "Das ist auch eine Frage des Wollens, nicht des Wissens! Dann könnten wir wenigstens beieinander schlafen!"
"Okay!"
- "Gut, dann entweder bis nachher, oder bis..."
"...Donnerstag Abend?"
- "Ja! Dann können wir wenigstens beieinander schlafen!"
"Wann machen wir mal wieder etwas Richtiges?"
- "Wir können Sonntag was machen, sogar den ganzen Tag. Sonntag ist es immer am Besten!"
"Uh Wochenendbeziehung"
- "Was soll das jetzt wieder?"
"Entschuldigung. Sonntagsbeziehung. Ich meine Sonntagsbeziehung. Sonntagskind! Tschüss!"

Als sie auflegt, steht ihr Herz. Das ist es, was sie nie gewollt hat, und nun scheint es ganz darauf hinauszulaufen. Sie muss es aushalten. Es geht nicht anders, obwohl es weh tut. Zu sehr.


Tags: Fernbeziehung
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9 Antworten

Kommentare

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    Hahahaha....ich kann nich mehr.... Der Kafka-Vergleich ist wirklich der Kracher.
    Aber, so leid es mir tut, auch total unpassend, da "Die Verwandlung" eben auch tiefgründig und facettenreich ist.

    Was man von deinem Text eben nicht so sagen kann. Denn er ist eben nur oberflächlich, da man zwar ganz doll viel interpretieren kann, was schon alles schiefgelaufen ist in der Beziehung, es aber nicht weiß, da du dir ja nur eine Momentaufnahme fantasiert hast.

    Falls es aber doch hintergründig gedacht haben, gib uns doch mal nen Tip.

    Ansonsten freu dich darüber, dass die ewig gleichen; besserwisserischen Kommentatoren weder über deine Rechtschreibung, noch ausufernd über dein Bild geschwaffelt haben ;-)

    02.09.2010, 23:26 von xzw
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    heul heul..ich seh meinen Liebsten nur abends und am Wochenende..heul heul..

    ..sorry, find ich lächerlich..

    02.09.2010, 10:50 von zuckerpuppepulsalarm
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      @zuckerpuppepulsalarm vor allem: was is krass daran? dazwischen ist man halt im büro/job/woauchimmer.... wie JEDER ANDERE AUCH!!!!!!!!!!!!! ich finds auch bescheuert - oder wir verstehn den text alle nicht.....

      02.09.2010, 15:56 von Aloisia
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      @Aloisia Ich bin gerade ein bisschen fasziniert davon, dass ihr alle gar nicht versucht tiefer in den Text hineinzugelangen, was man doch hier vermuten sollte. Ich meine, ich veröffentliche ja hier keine autobiographischen DInge über mich oder so und ne Beschwerde über mein Leben soll es auch nicht sein. Es ist ein Text und ihr sehr einfach nur das Oberflächliche. Versucht denn niemand hier in die Tiefe zu gehen?
      Was wäre nur, wenn alle über Kafkas Verwandlung gesagt hätten: Ja, toll ... er ist ein Käfer und alle ekeln sich vor ihm, man ekelt sich halt vor Käfern, wo ist da das Problem?

      Wooow, der Großteil hier schockt mich gerade ganz schön^^ Sorry.

      02.09.2010, 20:33 von kalter_sommer
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      @kalter_sommer also ist MadameMykorrhiza mit ihrer "Es geht nicht um den einen Sonntag sondern ums ganze Konzept der Beziehung." der tiefe des textes auf die schliche gekommen?

      ich hab mir jetzt wirklich gedanken gemacht. geht es um das gefühl der ferne in der beziehung OBWOHL man sich recht viel sieht?
      um das sich voneinander ENTfernen?

      wenns das nicht ist dann brauch ich echt ne interpretationshilfe

      03.09.2010, 09:30 von schlabumse
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    genau sowas hab ich gerade hinter mir und ich sage: Die Verzweiflung vorher ist schlimmer, als wenn es dann tatsächlich auseinander ist. Man hat vorher schon zu viel gelitten....

    01.09.2010, 18:43 von MadameMykorrhiza
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    die Beine, die Beine...kerle kerle...

    01.09.2010, 13:45 von Surecamp
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    irgendwie belanglos. bin jetzt noch nicht lange bei neon.de und kann das vielleicht nicht so beurteilen. aber der text auf der startseite?
    ihr herz bleibt stehen weil sie nur den sonntag für sich haben? oh. mein. gott. wie dramatisch.

    01.09.2010, 13:30 von schlabumse
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      @schlabumse Na, ich sehe da doch eher mehr Tiefe. Es geht nicht um den einen Sonntag sondern ums ganze Konzept der Beziehung.
      Der EINE Sonntag ist ja nur symbolisch gemeint hier.

      Kann ich gut nachvollziehen. Man macht unterbewusst oft größere Schieflagen in einer Beziehung an solchen Kleinigkeiten fest und es ist schwer das richtig zu zuordnen, warum man sich genau wegen dem EINEN Sonntag so mies fühlt... aber in Wirklichkeit steckt mehr dahinter!

      01.09.2010, 18:48 von MadameMykorrhiza
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      @MadameMykorrhiza konzept der beziehung? was für ein konzept? brauche ich das auch? macht man das bevor man sich verliebt und drängt es seinem freund dann auf?
      also ich weiß ja nicht. beziehung ist eh ein doofes wort. konzept in dem zusammenhang erst recht.
      außerdem seh ich gerade in der beziehung aus der geschichte das problem nicht.
      er meldet sich zwischendurch.
      er will nach nem langen arbeitstag noch mit ihr party machen.
      und am sonntag wollen se "was richtiges" machen. ist doch klasse. super konzept.

      01.09.2010, 19:07 von schlabumse
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    Ich kann mir vorstellen, dass man Angst hat zu einer Wochenendsbeziehung zu werden. Wenn man damit allerdings nicht klarkommt, sollte man aussteigen. Ganz ehrlich, ich als Fernbeziehungsführende würde einiges dafür geben, zusammen einzuschlafen.
    Eine Beziehung, die maßgeblich am Wochenende ihren Platz findet, muss doch gar nicht schlimm sein. Wenn das für dich so ein Problem darstellt, solltest du vielleicht mal die gesamte Beziehung an sich überdenken.

    01.09.2010, 13:26 von sternchen.etoile
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    "Ich bin immer noch ein bisschen früher aufgestanden, um schlaftrunkene Zweisamkeit zu genießen!", denkt sie traurig.
    Ach, du lieber Himmel! Was ist das???? Rosamunde Pilcher für Arme?
    Ich hätte es wissen müssen! Nur 2 Emfpehlungen - und eine davon von Frau Servaes-Ruedinger. Aber das sieht man ja leider erst, wenn man den Text schon angeklickt hat.

    01.09.2010, 13:08 von sillyjoe
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    Beinander schlafen ist das, was sich jeder Fernbeziehungsführender wünscht. Und wenn man etwas nicht will, hat man immer die Möglichkeit auszusteigen...

    01.09.2010, 12:36 von Riku_Hana
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    "Als sie auflegt, steht ihr Herz. Das ist es, was sie nie gewollt hat, und nun scheint es ganz darauf hinauszulaufen. Sie muss es aushalten. Es geht nicht anders, obwohl es weh tut. Zu sehr."

    Man hat immer eine Wahl.

    Ich wähle jetzt, Wasser meine Hände berühren zu lassen ;)

    01.09.2010, 10:06 von AnnaEcke
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