siemi 30.11.-0001, 00:00 Uhr 6 3

federleicht

Ich wünsche dir Liebe in deinem Leben, eine Hand die in deine passt, ein Herz, welches mit deinem schlägt und die Kraft und den Mut...

Den ganzen Abend tanze ich mit Freunden, die Stimmung so ausgelassen, so locker und friedlich. Wir sind beide hier und doch halten wir diesen Pflichtabstand, trauen uns kaum miteinander zu sprechen, halten die vereinbarte Distanz. Ich rieche dein Parfum durch die Leute hindurch und es riecht nach Heimat. Ich spüre deine Blicke während ich mit Männern tanze, wie Nadeln im Rücken. Ich will dich nicht verletzen, will nur mein Leben zurück, dieses eine Leben, welches du nicht mit mir teilen wolltest. Niemals will ich an dir zerren oder dir die Richtung zeigen, denn Menschen besitzen sich nicht.

Deine Hand greift nach meiner. Es sind gefühlte Monate her, als ich dich das letzte Mal spürte. Erleichterung zieht durch meinen ganzen Körper, machst du wieder einmal einen Schritt auf mich zu. Du ziehst mich zu dir und damit mitten in deinen Zauber. Die Lichter erlöschen und die Musik verstummt. Mein Herz steuert meinen Tanz, mein Blick wandert von deiner Schulter zu deinem Gesicht. Dein Blick bewandert meine Kontur und ruht in meinen Augen. Ich verliere mich in deinen Augen, diesem unendlichen Licht in deinen Pupillen. Es brennt wie eine Kerze im Dunkeln. Ich habe es vermisst, habe dich vermisst. Wir blicken auf unsere Lippen, während ich deine Brust an meiner spüre und meine Hand in deiner vereint ruht. Ich fühle mich zuhause, alles stumm um uns herum, der Moment erscheint in Zeitlupe, 8 mal langsamer als die Wirklichkeit. Wir sind uns so nah und ich fühle mich so leicht und frei, sauge jeden Augenblick in mich hinein und die Welt steht still. Alles um uns tanzt und wir stehen stumm, in dieser verdammten gemeinsamen Aura eine Minute lang gefangen und doch so frei. Leicht wie die Feder, schön wie ihre Form und unberechenbar wie ihre Bewegung im Wind. Bei dir will ich bleiben, den Augenblick nie mehr loslassen, meinen Kopf auf deine Schulter legen und ruhen.

Deine Finger öffnen sich und du sprengst meine Hand aus deiner, sagst mir du kannst das nicht, das sei nicht gut und drehst dich weg. Eiskalt läufst du davon und lässt mich ohnmächtig stehen. „Geh und zieh dir deine verlorene Rüstung wieder an.“ rufe ich dir nach.

Die Musik prescht in meinen Kopf zurück, der Alkohol am Boden zieht grässlich in meine Nase und die Scheinwerfer blenden mich. Die Menge verschluckt deinen Abgang und mein Blick kann deinem Weg nicht mehr folgen. Ich stehe tonnenschwer auf dieser einen Erde in diesem einen Leben.

Ich danke dir für diesen Augenblick. Es sind diese magischen Momente im Leben, für die es sich zu Leben lohnt. Manchmal sind sie traurig, manchmal glücklich und beides gehört dazu. Ich wünsche dir Liebe in deinem Leben, eine Hand die in deine passt, ein Herz welches mit deinem schlägt und die Kraft und den Mut, dein Leben zu leben.  


Tags: Herz gegen Verstand, Mauer bauen, Anziehungskraft, Feiern gehen, freunde bleiben
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6 Antworten

Kommentare

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  • 1

    einer der Momente, in denen man ungebremst auf die Mauer zuläuft, die sich vor unserer Wahrnehmung versteckt hat. Schmerzhaft, wenn sie aus dem Schatten springt...

    06.01.2016, 11:50 von Alex.Regensdorff
    • 1

      Ganz genau so war es. Ich war nicht die einzige, meine Nachfolgerinnen liefen alle rein. Wäre es damals einfacher gewesen das vorher zu wissen? Ich glaube nicht - traurig für ihn.

      06.01.2016, 11:57 von siemi
    • 1

      auch wenn ich ihn niemals dafür verurteilen würde. Es muss schlimm sein, wenn man gute Gefühle nicht zulassen kann oder ständig im Ungewissen über die eigenen Wünsche oder Sehnsüchte lebt :-(

      06.01.2016, 12:10 von Alex.Regensdorff
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    • 0

      Danke dir! :-)

      03.07.2015, 09:06 von siemi
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