ABae 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Farewell

Vielleicht gab es deshalb bei uns weder einen offiziellen Anfang, noch ein Ende. Es gab uns auf Zeit, zum Mitnehmen, to-go.

Ciao, Tschüss, Auf Wiedersehen, Bis Bald.

Abschiede sind nie leicht. Es fühlt sich an als ob tief in mir drin etwas zerreist, sich eine Ungewissheit breit mach, eine Angst und gleichzeitig eine tiefe Trauer. Manche Abschiede bedeuten 'Bis nachher!', manche 'Bis Bald!' und andere bedeuten für immer, oder zumindest für eine ungewisse Zeit. Manchmal ist es gar nicht so schlimm, und manchmal breitet sich ein physischer Schmerz aus, der kaum zu ertragen ist.

Warum sind die Wochen, Tage, Stunden, Minuten und Sekunden vor dem Abschied immer die schönsten und zugleich die schlimmsten?

Acht Wochen habe ich hier verbracht, manche werden sagen dass das wenig ist, für andere ist es fast unendlich. Ich weiß nicht wann ich dich wiedersehen werde, wann ich dich wieder in meinem Arm halten kann, mich wieder wohl fühle. Zu viele Kilometer trennen uns, der Zeitunterschied ist zu groß, und keiner von uns wollte sich verlieben. Wir sind doch beide eher diese Menschen die ihre Freiheit lieben, und nicht gebunden sein wollen. Vielleicht gab es deshalb bei uns weder einen offiziellen Anfang, noch ein Ende. Es gab uns auf Zeit, zum Mitnehmen, to-go. Vom ersten Kuss bis zum letzten am Flughafen wussten wir es beide. Die Zeit hing über uns wie ein Damoklesschwert, aber wir wollten es nicht wahrhaben. Wir haben so lange verdrängt wie wir konnten, und doch waren diese Wochen mit dir wohl die schönsten die ich je verbracht habe. Wenn ich zurückdenke wie du mich angesehen und geküsst hast, habe ich noch immer Gänsehaut. Aber ich muss zurück nach Hause, in die Uni, zu meiner Familie, und ich muss dich zurücklassen.

Ich sitze hier am Flughafen und trinke schrecklichen Kaffee, und denke an dich. Viel lieber wäre ich jetzt wieder bei dir im Bett, würde langsam aufwachen und du würdest mich anlachen. Wir hätten so viel mehr zusammen machen können in unserer gemeinsamen, und doch so begrenzten Zeit. Wir hätten uns besser kennen lernen können, aber letztendlich hätten wir uns wohl noch mehr verliebt, und dass hätte alles viel schwerer gemacht.

Und doch, wie gern würde ich wieder mit dir auf deinem Truck liegen, zu viel Wein trinken und Sterne beobachten. Wie gern würde ich nur noch einmal hören wie du mich „Bae“ nennst, und noch einmal mit dir über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reden. Du hast gesagt wir sollen im Jetzt leben, und nicht an die Zukunft denken, und ich habe genickt und noch einen Schluck Wein getrunken, dabei hätte ich doch so gerne aus deinem Mund einen Masterplan gehört, wie wir doch zusammen sein können. Ich weiß du vermisst mich, ich vermisse dich ja auch, aber wer weiß ob dieses vermissen nicht bald vorbei ist, und die Erinnerungen langsam verblassen? Ich will nicht vergessen wie du mich an dem Abend an dem wir uns kennenlernten in den Pool geworfen hast, oder wie wir Nachts, einfach so, weil wir wollten und konnten nach New Orleans gefahren sind. Wie wir auf dem Weg Kings Of Leon, Simon & Garfunkle und Johnny Cash gehört haben. Wie du noch schlechter singen kannst als ich, aber es uns beiden nichts ausmacht. Ich will nochmal mit dir ins Stadium gehen, und will dass du mir nochmal versuchst die Footballregeln zu erklären. Ich will dir wieder deutsche Wörter beibringen, weil es so schön kling wie du sie mit deinem amerikanischen Akzent aussprichst, und ich will dass du wieder anfängst zu lachen, wenn ich was falsch sagst. Ich will dass wir wieder in diese eine Bar gehen, und so viel trinken dass keiner von uns mehr Auto fahren kann, und wir zwei Meilen heim laufen müssen. Ich will nochmal mitten in der Nacht zum einkaufen gehen, nur weil wir Lust haben einen Kuchen zu backen. Und ich will dich nur noch einmal am Grill stehen sehen, wie du unsere Steak brätst, und mich dabei erwischt wie ich dich beobachte, grinst und nur „Sexy as fuck, hm?“ sagst. Und ich hab auch nichts dagegen wenn die Steaks wieder verbrennen.

Ich versuche all diese Momente festzuhalten, nicht loszulassen, an mich zu binden, obwohl vergessen wahrscheinlich einfacher wäre. Aber ich will dich und uns nicht vergessen. Es war auch nicht der Plan, dass ich mich verliebe, und vor allem nicht so sehr, aber ich kann nichts dagegen tun. Für dich würde ich meine Freiheit aufgeben, und sogar ans andere Ende der Welt ziehen. Für dich würde ich aufhören jedes Jahr woanders Urlaub zu machen, ich würde jedes Mal zurück zu dir kommen. Keiner von uns hat es je ausgesprochen, aber ich hätte gern alles. Das ganze Paket ohne Druck, ohne Zeit die sich zwischen uns drängt. Ohne all die Leute die uns sehen und den Kopf schütteln, weil wie soll das auch funktionieren.

Und in ein einer halben Stunde geht mein Flug, mein Visa läuft morgen ab, und ich muss wieder zurück in meinen Alltag. Mein Alltag ohne dich. Die Leute starren mich an, weil ich weine, und jeder vermutet wohl eine andere Geschichte dahinter. Aber ich weiß, dass ich gerade die beste Zeit meines Lebens hinter mir habe. Mein Kaffee ist inzwischen kalt, und du bist wahrscheinlich schon wieder daheim. Ich hoffe du denkst an mich, und an unsere Zeit. Ich glaube dein Bett riecht noch nach mir, und ich hab deinen Pulli an, der nach dir riecht. Ich flieg jetzt zurück in mein Leben, und ich werde dich mehr vermissen, als ich je etwas vermisst habe.

Dieser Abschied war wohl der schwerste meines Lebens, denn ich weiß nicht ob es 'Bis Bald' oder 'Bis nie wieder' ist. In mir macht sich eine Ungewissheit breit, und das obwohl ich noch immer deinen Kuss auf meinen Lippen spüren kann. Ich spüre noch deine Hand an meiner Wange und ich sehe noch die Tränen in deinen Augen. Und ich vermisse dich schon jetzt.  


Tags: Abschied, liebe
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