fraeulein.Wunderlich 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 3

Es sollte doch nie mehr Liebe sein

Herz gegen Verstand, Herz hat dich gewonnen.

Gemeinsam sitzen wir beide auf einer Decke direkt an der Elbe.
Unsere nackten Füße kreisen durch den Strandsand und genießen das Gefühl frei zu sein. Es ist ein Sommerabend, neben uns brennt ein Lagerfeuer und die Leute um uns herum freuen sich laut des Lebens.
Ich sitze hier direkt neben dir, bin ganz für mich und spüre doch etwas neues in mir.
Ich habe seit einiger Zeit das Gefühl, dir nicht mehr nah genug sein zu können. Hier mit dir auf der Decke, den Blick Richtung Wasser gerichtet, spüre ich mein Herz laut pochen.

Lange war es stumm und leise. Hat alles nur ertragen und oft weggeschaut, aus Angst vor neuem Schmerz.
Lange war ich zerstreut und allein, einsam in meinem eigenen Universum.
Mein Herz wurde gebrochen und ich habe es lange beschützt. Habe es neu zusammengepuzzelt und mit Pflastern bestückt. Ich habe Tränen geweint, habe Taschentücher verschwendet und mich irgendwann wieder aufgesetzt.
Lange war ich verletzt und niemals habe ich an ein Ende gedacht.
Doch du kamst und hast mir dieses Ende gebracht, hast es mir geschenkt und mich durchflutet mit neuen Gefühlen.
Du hast mich dort abgeholt wo ich stand, allein und einsam am Rand.
Nahmst meine Hand und zogst mich auf die Tanzfläche. Hast mit mir die ganze Nacht durchgetanzt. Hand in Hand, Arm in Arm.
Du sagtest immer, du wollest das traurige Mädchen lächeln sehen.
Sofort hast du mich überrascht und durchschaut.
Du hast ganz tief in mich hineingeschaut, hast erkannt was und wer ich bin und mich ohne jede Frage, oder jeden Kommentar akzeptiert.
Hoffnung auf ein Stück Freude flammte ab dem Moment auf, als du meine Hand ganz sanft in deine legtest.
In dieser lauen Nacht habe ich gelächelt und das nicht nur einmal.
Du hast es geschafft und niemand sonst.
Völlig befreit und mit Freude im Gesicht habe ich dich dann mitten auf der Tanzfläche näher an mich herangezogen.
Meinen Kopf habe ich dabei ausgestellt, nur mein Herz hat alles ganz genau beobachtet und hat es geschehen lassen.
Du hast mich in diesem Moment mit deinen warmen Augen angesehen, dieses fremde, traurige Mädchen - mitten auf der Tanzfläche.
Hast die Arme um meine Taille gelegt und ich habe meine Hände in deinen Haaren vergraben, ehe ich meine Lippen auf deine gelegt habe.
Ein sanfter Kuss, ganz scheu und doch voller fremder Gefühle.
Intensiv und gefährlich und ich habe mir damals schon gewünscht, dich immer so küssen zu können.

Küssend standen wir eine ganze Weile auf der Tanzfläche, ehe uns ein tanzwütiges Mädchen umgestoßen hat und wir uns beide wieder in die Realität zurückgeholt haben.
Peinlich berührt und völlig verwirrt haben wir es bei diesem Kuss belassen und weiter getanzt.
Dort, in dieser tanzenden Menge, habe ich mir geschworen, es nicht Liebe werden zu lassen. Diesen Moment als meinen neuen Start in ein glücklicheres Leben zu akzeptieren, zu genießen und es nicht kaputt zu machen. Lieben wollte ich nicht mehr. Nie mehr.

Nach dieser Nacht haben wir uns ganz oft getroffen, wir waren uns beide immer sehr nah und doch nicht nah genug,
Ich habe seit einiger Zeit das Gefühl, dir nicht mehr nah genug sein zu können.
Doch ich möchte nie mehr verletzt werden und das mit uns ist so kostbar, so unbeschreiblich schön, dass ich es wegen ein paar gedankenverlorener Gefühle nicht zerstören möchte.

Du bist mein Anker. Der, der mich aus Trauer und Schmerz hochgeholt hat und mir Halt gibt, selbst wenn das Leben tosend an mir vorbeizieht.
Du hälst mich und auch ich möchte dich halten.

Ich schüttele vorsichtig meinen Kopf, um mich aus meinen Erinnerungen herauszuholen und drehe meinen Kopf zu dir.
Sofort schaue ich wieder in deine warmen, wunderschönen Augen, die mich ganz zief berühren. Du hast mich die ganze Zeit beobachtet und auf einmal sind wir beide wieder mitten auf der Tanzfläche.
Die Elbe verschwindet, die lauten Leute und das prasselnde Lagerfeuer treten in den Hintergrund, jetzt schlägt nur mein Herz gemeinsam mit deinem.
Ich halte die Luft an und kann selber nicht gelauben was ich gerade tue, ich lege meine Hand auf deine und rutsche weiter rüber zu dir.
Ich möchte dir nah sein. Ich möchte dir näher sein, als mir.
Dein Blick berührt mich immer tiefer, als du eine Hand an meine Wange legst und mich mit deinem Daumen leicht streichelst.
Ist es Sehnsucht in deinem Blick?
Oder sogar Liebe?
Ich kann es nicht ganz deuten, schließe meine Augen und wieder treffen sich unsere Lippen.
Es ist wie damals auf der Tanzfläche.

Ich habe mich in dich verliebt. Du hast mein Herz zersplittert und repariert entdeckt und hast den tiefen Schmerz mit deiner Liebe gelindert.
Du bist ein Wunder. Mein Wunder.

Völlig überrascht sitzen wir beide bis zum Sonnenaufgang an der Elbe und können die Lippen nicht voneinander lassen.

Ich werde dir bald sagen wie sehr ich mich in dich verliebt habe.
Und doch eigentlich sollte es niemals wieder Liebe sein.
Ich wollte nicht mehr lieben, ich wollte dich nicht lieben, um nichts zu zerstören. Doch mein Herz hat sich für dich entschieden, ohne Einfluss von meinem Verstand.
Herz gegen Verstand,
Herz hat dich gewonnen.


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2 Antworten

Kommentare

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  • 1

    wunderschön... !

    15.06.2015, 14:39 von VickyLotta
    • 0

      Ich danke dir von Herzen :))

      16.06.2015, 21:05 von fraeulein.Wunderlich
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