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lycen 05.01.2014, 15:37 Uhr 2 9

Es ist nur leicht, zu Menschen nett zu sein, bevor man sich in sie verliebt.

Ich war zu schwach für deine Stärke. Ich war zu verlogen für deine Ehrlichkeit. Ich war zu blind für deine Augen, die mich sahen, wie ich bin.

Erinnerst du dich an diesen Sonntag im Dezember?
An dem wir immer noch betrunken und in stiller Zufriedenheit
über den Flohmarkt am Mauerpark liefen?
Erinnerst du dich?

Ich sehe uns darin herumrennen,
mit viel zu langsamen Spieluhren und Deckeln von Truhen.
Mit Schiffen drauf.
Ich sehe uns zwischen all dem Ramsch und Schrott aus früheren Leben.
Leben, die irgendwann still standen.
Wir, die immer weiter rannten.
Ich sehe uns lachen
über die sich streitenden Stimmen der Verkäufer und die Hipster von Berlin.
Ich sehe mich, immer wieder deinen Blick suchend,
weil ich wusste, dass man Verliebtsein nur so lange genießen kann,
wie es auch wirklich da ist.

Und das war das letzte mal, dass ich dich verliebt sah.

Es war kalt und ich grub meine Hand in deine Faust.
Du wolltest unsere Finger nie ineinander verschränken lassen.
Zu groß sei deine Hand, sagtest du. Zu kleine meine.
Also liefen wir umher wie Kinder,
die ihre Hände nur dann losließen,
wenn sie sich an den Kaffeepappbechern wärmen wollten.

Erinnerst du dich,
wir hatten uns am Abend zuvor gestritten.
Du warst eifersüchtig und unsicher.
Ich war provokant und gereizt.
Ich glaube, meine Launen ertrugst du nur bis zu diesem Tag.
Vielleicht weil du gemerkt hast, dass ich dich verletzen konnte.
Vielleicht weil du gemerkt hast, dass ich es gerne tat.

Und vielleicht merkte ich es auch.
Vielleicht genoss ich, was meine Unbeständigkeit in dir auslöste.
Es ist nur leicht, zu Menschen nett zu sein, bevor man sich in sie verliebt.

Wir wollten ein Paar sein
an jenem Sonntag in Berlin,
an jenem Sonntag im Dezember,
erinnerst du dich?

Doch vielleicht wollte das auch nur ich.
So wie ich immer alles zu schnell will.
Geplante Liebe, geplantes Glück.
Kein Raum für Aufrichtigkiet.
Kein Raum für Lass-uns-sehen-was-passiert.
Und schon gar kein Raum für spontane Gefühle.

In meiner Phantasie sieht eben immer alles so farbenfroh aus.
Und es blinkt auch sehr schön.
Wie Netto-Sonderangebote.
Mit Hundewelpen und nackten Frauen.
Die Liebe von Werbetafeln.
Wie ich den tausend Büchern, die ich gelesen,
den tausend Sätzen, die ich geschrieben,
den tausend Bildern, die ich gemalt,
den tausend Träumen, die ich geträumt habe.

Ja, ja, ja! Meine Phantasie und ich, wir sind Konsumopfer
und ertragen es nicht, geduldig zu sein!
Wir ertragen es nicht zu warten,
wo doch alles so unabdingbar gut sein könnte.

Wenn meine Phantasie die Wirklichkeit voraus nimmt,
ist da nun mal kein Raum mehr für Realität.

Ich wollte dich lieben an diesem Sonntag!
Und ich wollte, dass du mich liebst!

Schließlich hatte ich doch auch dafür bezahlt,
mit schönen Momenten!
Das musste doch einfach reichen!

Ich drehte dir das Herz im Leib und die Worte im Mund um
bis sie meiner Phantasie und mir,
bis sie uns passten.

Doch letztendlcih taten das weder dein Herz, noch deine Worte.

Was blieb, war der tiefe Wunsch nach Bestätigung
und die Angst, dir nicht zu genügen.

Erinnerst du dich, wie ich in deinem Zimmer saß,
auf deinem Bett, mit zitternden Lippen
und Händen, so schwach, dass sie kaum die Zigarette drehen konnten?
Erinnerst du dich?

Ich sagte dir, ich gäbe auf.
Ich könne nicht mehr.
In meine Phantasie hattest du dich nie gefügt.
Und ich fügte mich einfach nicht einem ungeplanten Glück.

Deine Fehler sind allein die meinigen.
Meine Fehler allein beruhen auf der Unfähigkeit
mir selbst in einer Wirklichkeit zu genügen,
vor der ich mich so sehr fürchte.

Ich war zu schwach für deine Stärke.
Ich war zu verlogen für deine Ehrlichkeit.
Ich war zu blind für deine Augen, die mich sahen, wie ich bin.
Ich war zu wenig ich für zu viel du.

Und wir schwiegen lange,
erinnerst du dich?
Wir schwiegen, weil wir nicht begreifen konnten,
dss der Rausch vorbei war.

Dann weinte ich und ging.

Erinnerst du dich, dass ich über uns schreiben wollte?
Erinnerst du dich daran, dass ich sagte,
dies wäre kein Abschied für immer und wir sähen uns wieder?
Erinnerst du dich?

Hier schreibe ich nun.
Umgeben vom Geruch der Erinnerung und Zukunft.
Erinnerung an alles, was war.
Die Zukunft, die vor uns liegt.
Vielleicht sind wir neu mit immer noch den alten Herzen.
Vielleicht sind wir bereit für ein ungeplantes Glück.

Oder vielleicht sind wir bereit für einen Kaffee?

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Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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      dankeschön

      05.01.2014, 22:34 von lycen

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