Koffein 30.11.-0001, 00:00 Uhr 3 7

Es gibt kein Morgen mehr

Ich schenke dir Blumen, deine Mutter weint. Wir hatten schon bessere Tage.

Es ist Juli, ein Freitag. Die Sonne scheint und es ist einfach nur heiß. Der Tag ist viel zu freundlich und hell, um mit deiner Mutter im Arm diesen Weg zu gehen. Es ist still, nur die vielen Schritte sind zu hören und das laute Schluchzen deiner Mutter. Niemand sagt etwas, niemand traut sich etwas zu sagen, niemand weiß, was er sagen soll. Es ist bedrückend. Ich fühle mich nicht wohl, aber ich werde hier gebraucht. Du bist stark, hast du einmal gesagt und dass ich alles schaffen kann, wenn ich will. Jetzt frage ich mich, wo diese Stärke ist. Ich habe das Gefühl, bei jedem Schritt, den ich mache, umzuknicken und zu fallen, und dann nicht mehr aufstehen zu können. Aber ich kann es mir nicht erlauben, ich werde gebraucht. Ich reiche deiner Mutter ein neues Taschentuch, sie umklammert meinen Arm noch fester. Ich möchte weinen, ich will nicht schlucken, aber ich kann nicht. Ich kann nicht glauben, was ich hier mache, was hier gerade alles passiert. Mein Kopf wehrt sich, das anzunehmen und zu verarbeiten. Ich will stehen bleiben und umkehren und nie wieder kommen, aber meine Beine laufen einfach weiter. Was mache ich hier eigentlich? Du blutest, sagt mir deine Mutter. Ich öffne schweigend meine linke Faust, meine Handfläche ist rot, Blut hat sich unter meinen Nägeln gesammelt. Jemand reicht mir ein Taschentuch, aber ich reagiere nicht. Kein Schmerz ist größer als gerade diesen Weg gehen zu müssen. Du fehlst mir.

Wir bleiben stehen. Es wird etwas gesagt, mir werden Hände gereicht, ich werde gedrückt. Traurige Gesichter schauen mich an und sagen, dass ich es nicht verdient habe. Sie schenken dir Blumen, weiße Lilien, ich schenke dir Rosen. Deine Mutter legt mir ihre Hand auf die Schulter und geht.

Ich bin allein. Ich liebe dich, sage ich dir, aber ich bekomme keine Antwort. Ich öffne meine Tasche und hole sie raus, halte sie an den Kopf. Es ist nur ein Schuss, der uns wieder zusammenbringt.

Ich falle, Tränen laufen mir übers Gesicht. Das letzte was ich höre, ist der Schrei deiner Mutter.

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3 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Mir gefällt er ohne die letzten beiden Absätze besser.

    02.08.2012, 11:28 von Tanea
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    Krasser Text, aber ich mag ihn gerade deswegen.

    22.07.2012, 15:10 von BlondieBatgirl
    • 0

      Danke (:

      22.07.2012, 21:48 von Koffein
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