wirsindamselbenheimwehkrank 25.04.2018, 17:46 Uhr 2 11

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(...)

Einfach so aus dem Nichts schickst du mir eine E-Mail, als wüsstest du, dass ich in letzter Zeit zu oft von dir (Tag)träume.
“…Irgendetwas hast du damals verrückt, in mir. Seitdem ist da eine Leerstelle, auf dem Boden liegt ein wenig Staub und
ach, du lässt mich auch immer so pathetisch werden. Habe manchmal das Gefühl mein IQ liegt mittlerweile nur noch bei 34.”

“Warum 34?” tippe ich und hoffe, einen desinteressierten und abweisenden Eindruck zu machen.

2 Tage später die Antwort.

“Das war deine Kleidergröße, damals.”

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Fange an zu suchen. Bevor ich weiss wonach, liegt bereits der Inhalt meines halbes Lebens vor mir, am Kleiderschrank ist das unterste Scharnier kaputt und die Tür hängt nun etwas schief. ich betrachte mein schiefes Spiegelbild, kneife die Augen zusammen und fahre mir durch die Haare. Jetzt nicht durchdrehen, atmen, rauchen, duschen - alles wie immer. Ich lasse das Chaos im Zimmer liegen und entscheide mich dafür, meine verwirrte Existenz richtung Küche zu bewegen.
Dass ich keinen Löffel mehr habe um meinen Kaffee umzurühren, ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass ich das Geschirr nicht ständig in der Spüle horten, sondern direkt in die dafür vorgesehene Spülmaschine sortieren sollte. Fehlkonstruktion Mensch.

Draussen ist irgendetwas wie “Tag”, den Himmel hat schon zu lange niemand mehr mit Perwoll gewaschen und dass das Baby der Ököfamilie in der Etage obendrüber ausnahmsweise nicht schreit, ist seltsam beunruhigend.

In Gedanken gehe ich alles durch, was mir irgendwer hinterlassen hat, der für mich von Wert war. Da gibt es Fotos, Locken, Plüschtiere, Bücher, Konzertkarten, T-Shirts.
Du hinterliesst nichts.
Während ich ruckartig aufstehe, um nach meinem alten Handy zu suchen, wird mir kurz schwindelig. Ich öffne unseren Chatverlauf, die Nachrichten sind über 1 Jahr alt, vor 2 Jahren haben wir aufgehört uns zu sehen.

“Ich bin nicht sauer. Denk das bitte nicht. Ich bin bloß wütend, weil es schon wieder nicht geklappt hat mit uns.”

Setze mich auf den Boden und lege das Handy geräuschlos auf die Dielen.

Draussen beginnt es zu regnen.

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