Hexiiilain 17.07.2010, 22:22 Uhr 8 4

Er geht mit meiner Freundin

„Er liebt dich und du liebst ihn!“ Die Wahrheit. Ausgesprochen macht sie mir noch mehr Angst.

Er geht mit meiner Freundin. Zwei Jahre lang. Betrügt und belügt sie. Sie weiß das. Will es trotzdem nicht wahrhaben. Er ist einfach so. Braucht das. Er trennt sich von ihr. Sie weint. Ich weine mit ihr. Heimlich treffe ich mich mit ihm. Sie darf das nicht wissen. Erst reden wir nur. Dann streiten wir. Stundenlang. Er hat meiner besten Freundin unglaublich wehgetan. Ich kenne alle seine schlechten Seiten und trotzdem kann ich ihn nicht hassen.

Wie er spricht und sich gibt. Wie er mit anderen Frauen spielt. Sie hochschweben und dann wieder fallen lässt als wären sie ..ja sagen wir, heiße Kartoffeln.
Darüber streiten wir. Und dann auch wieder nicht. Manchmal sitzen wir nur da und schweigen uns an. Dann sagt er etwas und es kommt mir so vor, als würde er wissen, was ich denke. Das macht mir Angst. Ich entferne mich von ihm. Er kommt mir hinterher und entschuldigt sich.
Wir gehen nie im Streit auseinander, auch wenn das für diejenigen, die uns im Cafe sehen vielleicht so aussieht.

Er kommt mit einer anderen Freundin von mir zusammen. Das ganze hält eine Woche. Und wieder weine ich mit ihr und streite mit ihm deshalb. Diesmal jedoch heftiger, obwohl es nicht schlimmer war, dass er sie verlassen hat. Es steht einfach nur irgendetwas zwischen uns. Dieses Mal könnte ich sagen „Ich hasse dich dafür.“ Doch ich tue es nicht. Ich weiß, dass es nicht stimmt und hasse mich dafür. Jede Faser in mir schreit „HASS IHN!“ – Ich kann es nicht.

Wir sehen uns eine längere Zeit nicht mehr. Ich treffe Männer und mache einen glücklichen Eindruck. Die Beziehungen sind perfekt. Kein Streit. Keine Lügen. Nur „Liebe“. Zwischendurch ist da auch mal einer mit viel Geld und auch mit Erfolg. Ich werde von vorne bis hinten verwöhnt.
Doch für mich fehlt etwas. Zu dem Zeitpunkt weiß ich noch nicht was es ist. Oder besser: Ich will nicht wahrhaben, was es ist. Jeder kennt die Leidenschaft zwischen einem streitenden Pärchen. So etwas gibt es in den Beziehungen, die ich führe nicht. Nicht nötig denke ich. Ich bin auch so glücklich. Nach ein paar Monaten gehört er wieder zu meinem engeren Freundeskreis. Wenn wir alle was zusammen unternehmen ist er immer mit dabei. Wir reden relativ normal miteinander, geben uns echt Mühe und doch merkt man, dass etwas nicht stimmt zwischen uns.

Auf einem runden Geburtstag eines entfernten Freundes passiert es dann.
Hier sind viele fremde Leute. Ich kenne die wenigsten. Klammer mich an meine Freundin, bis sie von einem glitschigen Muckibuden-Casanova zum tanzen aufgefordert wird.
Mein Freund ist zuhause geblieben. „Keine Lust.“ So sitze ich, von einer Freundin im Stich gelassen, mit meinem Bier ganz alleine auf der Gartenbank.
Ich höre ihn nicht kommen und realisiere auch erst spät, dass er es ist.
Die Musik scheint plötzlich Kilometer weit entfernt zu sein. Alles ist ruhig. Die erste Zeit schweigen wir nur. Dann küsst er mich. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Und da ist es. Das Gefühl von Leidenschaft. Alles explodiert. Genau das hat mir gefehlt. Ich weiß das und trotzdem steh ich auf, ohrfeige ihn und renne davon.

Nach fünf Minuten kommt meine Freundin und setzt sich zu mir in die Bushaltestelle.
Ich bin nicht weit gekommen. Mir hat es den Atem verschlagen.
Es ist die Freundin, mit der er zwei Jahre zusammen war. Mit der ich geweint habe und wegen der ich mit ihm gestritten habe.
„Er liebt dich und du liebst ihn!“ Die Wahrheit. Ausgesprochen macht sie mir noch mehr Angst. „Er hat dich immer geliebt. Konnte es nur nicht aussprechen. Er ist nicht der Typ, der über seine Gefühle spricht.“ Das weiß ich. Aber wie oft haben wir uns gestritten und ihm haben nie die Worte gefehlt.
Mir auch nicht. Doch jetzt fehlen sie mir. Ich kann nur an seine Augen denken. Seine Hände. Seine Lippen auf meinen und dann ist da der Gedanke an das, was ich eben fabriziert habe urplötzlich fange ich an zu weinen. „Ich muss nach Hause und mit meinem Freund reden.“, sage ich. Rufe ein Taxi.

Auf der Fahrt ist es schwer für mich Haltung zu bewahren.
Als ich zuhause bin, breche ich weinend zusammen. Mein Freund kommt auf mich zu hilft mir hoch.
„Er hat mich geküsst!“, schluchze ich. Er weiß direkt wer gemeint ist. Sagt nichts. Lächelt und überrascht mich: „Endlich.“ Endlich? Was soll das heißen: Endlich. Ich fühl mich wie im falschen Film. Er erklärt mir, dass er das schon lange vorausgesehen hat. Wir wären schon immer füreinander bestimmt gewesen. Jeder wusste es. Nur wir nicht. Er sagt mir, ich müsse ihn suchen. Zu ihm gehen und mit ihm sprechen. Ich weiß, dass ich es tun muss. Es tun WILL. Er fährt mich zurück zur Party.

Ich stürme ins Haus. Suche meine Freundin. Die wieder mit Chico tanzt. „Wo ist er?“, frage ich hektisch. „Im Garten.“, erwidert sie genervt und doch ist da noch ein anderer Unterton in ihrer Stimme, der auch das Lächeln auf ihren Lippen verursacht. Ich renne raus.
Und da sitzt er. So wie ich ihn verlassen habe. Das Gesicht in seinen Händen vergraben. Ich halte die Luft an. Gehe auf ihn zu und setze mich neben ihn. Er blickt auf. Ich lasse keine Reaktion zu und küsse ihn einfach. Es ist ein langer intensiver Kuss und wir bemerken beide nicht, dass wir Applaus bekommen. Wir schauen uns an. Worte brauchen wir nicht. Wir wissen beide, was wir die nächste Zeit machen werden.

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8 Antworten

Kommentare

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  • 0

    am anfang wars natürlich ein traum...
    aber das träumen hat sich gelohnt ;)
    am ende war ich die ausnahme... wenn auch etwas anders als beschrieben.

    28.03.2011, 21:33 von Hexiiilain
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    klar sind neon-leser immer besonders realistisch.... aber ich für meinen teil hab nichts gegen träume.
    sehr schöne geschichte :)

    26.03.2011, 17:38 von latentverkorkst
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    ich nehme an, es ist eine fiktive geschichte? ansonsten sehr unglaubwürdig und unrealistisch.

    27.02.2011, 18:22 von gila87
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    tja netter Traum ... Wie war das nach dem Aufwachen ...

    23.08.2010, 14:38 von Seerosengiesser
    • 0

      @Seerosengiesser hehe genau das gleiche wollte ich gerade hinschreiben.

      23.08.2010, 14:44 von misspringle
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  • 0

    Die Reaktionen deines Freunds und deiner Freundinnen sind nicht besonders realistisch. Und unglaubwürdig.

    18.07.2010, 19:49 von Lenulitschka
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    Du scheinst ein sehr selbstloses Umfeld zu haben.

    18.07.2010, 18:49 von AuntAgony
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    solang du auch die ausnahme bleibst...

    aber ich mag den text!

    18.07.2010, 18:45 von Prinzssintine
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    Wie es scheint, bist du die Ausnahme :) Schöner Text!

    18.07.2010, 18:12 von Maria-Maxi
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