Loewen_herz 14.02.2011, 23:55 Uhr 0 0

Endstation, bitte aussteigen.

Fahrtbeginn im Leben. Vorbei an dir, der Liebe, der Relität und der Hoffnungslosigkeit. Bis zum Ende - dem Traum.

Jetzt bin ich angekommen. Eben stand ich noch am Bahnsteig und war mir unsicher, ob das die richtige Bahn ist, ob ich wirklich einsteigen sollte. Aber dann war es längst geschehen, ohne dass ich noch länger darüber nachdenken konnte. Ich saß in der Bahn. Wohin sie mich bringen würde, das wusste ich nicht. Ich hatte nur dieses komische Gefühl im Bauch, was mir immerzu sagte, was ich zu tun habe. Dieses sonderbare Geräusch in den Tiefen meines Körpers, irgendwo dahinten zwischen dem Magen, dem dicken, dem dünnen und dem blinden Darm, irgendwo da versteckt kam eine emotionale Bewegung her.
Während ich in meiner besten Rolle, komplett verträumt am Fenster saß, beobachtete ich das am Fenster vorbeifahrende Leben.
Da war er mal wieder. Wie immer schien ich wohl von der Realität abgeraten zu sein und spielte vor meinem inneren Auge den alltäglichen Film. Wie alles seinen Anfang fand, wie du mich umschwärmtest und ich mich fühlte, als könnte ich den Rest der Welt besiegen. Dann sah ich wie das alles platze, wie eine unscheinbare, nur kurze Zeit existierende wunderschöne Seifenblase. Ja, mein Leben hatte schon immer viele Gemeinsamkeiten mit einem vergänglichen Film Seifenwasser.
Wieder kamen mir diese fragen in den Kopf. Diese dummen Fragen, die so dämlich sind, dass sie jedes Wesen andauernd denken muss. Wieso und was lief falsch und überhaupt, kann ich denn nicht einfach glücklich werden.
Natürlich konnte ich. Eines morgens als das sommerliche Wetter auch mein Gemüt angriff und wohl dachte es sei ein guter Tag, um mit einer lockeren Handbewegung mal schnell in die Schublade zu greifen und meine Lieblingssonnenbrille rauszuholen. Sie hatte einen hohen Sonnenschutzfaktor und gut aussehen tat sie auch noch. Die rosarote Färbung hielt ich für vollkommen überbewertet.
Leider hielt ich viel zu viel für vollkommen überbewertet. Sauer sein? Nein, lieber wieder glücklich mit ihm sein. Zumindest ganz kurz. Nachdem ich mir dann auch die letzte Illusion genommen hatte und endlich begriff, dass das niemals etwas glückvolles werden konnte, landeten wir nur noch zusammen und tauschten ein bisschen Liebe aus, wenn unser Hirn und unser Herz durch exzessive Nächte ausgeschaltet war. Standby sozusagen. Nur leider musste ich am Tag danach meine ganze Software wieder hochfahren und bemerken, dass ich mir wohl einen schlimmen Virus eingefangen hatte. Der Besucher nannte sich ein Trojanisches Pferd und rammte seine ritterliche Lanze direkt in mein Herz.
Ich bemerkte, dass ich gar nicht wirklich träumte, sondern sich alles ganz genau vor meinen Augen abspielte. Wirklich? Oder war es jetzt endlich soweit gekommen und ich verlor endgültig den letzten Rest meines guten Verstandes?
Nein, ich schien es genau zu sehen. Mein Leben, wie es langsam die Gestalt verlor und sich auflöste in eine Silhouette, die vor meinen Augen in so bunten Farben einen wunderbaren Walzer tanzte. Ich hatte längst den Sinn zwischen Realität und Fantasie verloren als ich ankam.
Ich hörte wieder eine leise Stimme, doch diesmal schien sie nicht aus meinem Inneren zu kommen. Ich nahm sie jetzt deutlich wahr, die Bahndurchsage: Endstation- Traum, bitte aussteigen.
Vollkommen benebelt bewegte ich meine etwas unsichere Gestalt in Richtung Ausgang. Schon von weitem erkannte ich ganz viele bunte verspielte Farben, wunderschön klingende Musik und eine ganz eigene Wärme überkam meinen Körper.
Als ich die kleinen und doch sehr schwer überwindbaren Stufen der Bahn runterschritt, glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen. Sie machten doch nicht etwa Scherze mit mir, weil ich gerade eine so skurile Fahrt hinter mir hatte.
Nein, er war es wirklich. Er lachte mich an mit seinem undurchsichtigen Lächeln, was ihn niemals verraten sollte. Jedoch verwandelte es mich nicht wie sonst in das kleine Mädchen, was sein größter Fan war, sondern in das glücklichste kleine Leben, was existierte und ihm in die arme lief und sich wohl fühlte.
Es existierte an der letzten Station.
Jetzt stehe ich vor einer schwierigen Entscheidung. Der Zug fährt ab. Der letzte Zug, danach macht der Bahnhof dicht - aus unerklärlichen Gründen. Steige ich ein und fahre Richtung Leben zurück? Langsam wird es dunkel und trist, die vielseitigen Farben verlieren sich in einem eher kleinen Spektrum an Vielfalt und Fantasie. Langsam entgleite ich.
Endstation.

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