rosarotewolke 03.02.2012, 21:13 Uhr 0 1

Einsamkeit in Eiseskälte

Die Stadt lag still und verzaubert vor ihr, bedeckt mit einer zarten weißen Schneeschicht. Sie dachte an ihn, es war fast zur Gewohnheit geworden.

Sie drehte sich um. Die Stadt lag still und verzaubert vor ihr, bedeckt mit einer zarten weißen Schneeschicht.  "So sauber und unschuldig, magisch"- kam ihr in den Sinn, während sie langsam einen Fuß vor den anderen setzten um diese unberührte Schönheit nicht zu stören. Langsam tanzten die Schneeflocken vom Himmel, ließen sich Zeit, zeigten sich in ihrer ganzen Pracht, bevor sie mit dem Boden verschmolzen.  Sie stand dazwischen, hielt ihr Gesicht nach oben gestreckt und schloss die Augen, wie ein kleines Kind. Es gefiel ihr, die Stadt so zu sehen : friedlich und rein, so klar wie ein Sonntagmorgen, an dem die Zeit keine Rolle spielt.

Sie dachte an ihn, es war schon fast zur Gewohnheit geworden. Jeden Tag- jeden verdammten Tag überlegte sie, ob sie ihn ansprechen soll, kann, will. Jedes Mal wollte sie ihn mit ihren Blicken in ihren Bann ziehen, doch er schien sie nicht einmal zu bemerken. So vieles hatte sie versucht, jeden Tag ist sie in eine andere Rolle geschlüpft, nur um seine Aufmerksamkeit, eventuell sogar einen Blick oder-Himmel!- ein Lächeln erhaschen zu können.

Sie musste seufzen, wie naiv war sie doch gewesen! Hatte sie gehofft, er würde eine von ihren Verkleidungen interessant finden? Oder wollte sie sich selbst etwas beweisen, sich neu erfinden?Der Schnee knirschte unter ihren Schuhen , schien unbeteiligt seine Zustimmung zu geben.

Sie seufzte erneut und zog den Schal enger um ihren Hals. Ihre Schritte hallten in der Stille nach und sie konnte beobachten, wie sich ihre Silhouette im warmen, glitzernden Licht der Straßenlaternen bewegte. Als sie tief einatmete, füllten sich ihre Lungen mit Luft, die Kälte schnitt ihr in den Hals und holte sie aus ihren Gedanken. Schon wieder diesen Mann vor Augen, überquerte sie die nächste Straße, ein Auto schlich vorbei und schien extra leise zu fahren um ihre Einsamkeit nicht zu berühren.Die Luft schien vor Kälte zu klirren, sie merkte, wie ihr Körper sich verkrampfte um die Restwärme zu bewahren.

Von weitem hörte sie Schritte, es klang so bizarr und fremd, dass sie stehen blieb. Langsam drehte sie sich um, beobachtete den Läufer, der scheinbar in Zeitlupe auf sie zugerannt kam, Schnee aufwirbelte und im Schein der Straßenlampen leuchtete und glitzerte wie eine kitschige Engelsfigur. Sie erkannt ihn wieder, musste lächeln und wollte diesen Augenblick einfangen, diesen Moment bewahren und abspeichern, nur um ihn in der Erinnerung weiterträumen zu können. Sie wollte sich eben abwenden, konnte nicht wahrhaben, dass dies zur Wirklichkeit gehörte, als er vor  ihr stehenblieb und ihr ihr Portemonnaie entgegenstrecke. "Hier, das haben Sie vergessen!" Sie schaute das Portemonnaie  lange an, versuchte zu begreifen, dass sie zum ersten Mal seine Stimme hörte. Schneeflocken sammelten sich darauf und bildeten filigrane Muster. "Gehört es Ihnen?" , seine Frage stand zwischen ihnen. Er schaute erst in ihre Augen, dann wieder auf das Portemonnaie in seiner Hand, sichtlich verunsichert.

Ihr fiel auf, dass er keine Jacke anhatte, die Flocken schmolzen auf seinem Hals. Sie lächelte und nahm die schwarze Lederbörse, berührte seine Hand dabei vielleicht etwas zu lange. "Findest du nicht auch, dass die Stadt im Schnee wunderschön aussieht? Wie in einem Schwarz- Weiß- Film?", fragte sie leise und fühlte sich trotz der Kälte geborgen.

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