herz.ist.trumpf. 09.07.2008, 23:18 Uhr 3 2

Ein Versprechen. (eins.)

Und obwohl Freiheit wohl das oberste aller Gefühle ist, sogar noch vor der Liebe, ließ er selten andere Empfindungen zu, erst recht nicht die Liebe.

Süchtig nach Leben war sie schon immer. Sie war eines dieser Mädchen, die im Sommer barfuß über warmen Asphalt laufen und sich im Winter leicht bekleidet durch die eiskalten Straßen der Großstadt kämpfen, um sicher zu gehen, dass sie noch fühlen. Noch genauso intensiv alles spüren, was man im Leben nur spüren kann.

Leben war für das Mädchen reines Gefühl. Oftmals dachte sie, sie würde zu viel empfinden, Kleinigkeiten machten sie glücklich, Gleichgültigkeit faszinierte sie.

Sie bevorzugte schon immer die Kälte, die Kälte klärte ihren Verstand. Sie blieb nächtelang draußen, dachte sich Geschichten aus, beobachtete Menschen und verlor sich im blauweißen Licht der nebeligen Stadtlaternen, welches sie so schätzte, so brauchte. So schätzte, so brauchte, um sicherzugehen, dass ihr Leben keine Lüge war, um sich geborgen zu fühlen.

Natürlich hatte sie ein zuhause. Ihr Wände waren rot, genau wie das Sofa, auf dem sie Abend für Abend saß, um ihre Gedanken fertig zu denken, weiter zu spinnen, beiseite zu legen und lang vergessene Gedanken wieder zurück zu holen. Sie färbte ihre Fingernägel rot. Rot, weil rot sie beruhigte, weil sie der Ansicht ist, rot sei die intensivste Farbe überhaupt, und Intensität braucht sie wie andere die Luft zum atmen.



Er schätzte schon immer die Freiheit. Sie ist das, was immer bleibt, was er selber in der Hand hat. Er kann bestimmen, wie weit die Freiheit geht, wie weit er Sachen zulässt, Dinge strapaziert.

Wenn er nachdachte, flogen seine Gedanken wie Glühwürmchen durch die Nacht und spielten fangen. Dies liebte er. Er war süchtig nach der Unordnung, die seine Gefühlswelt beherrscht, liebt das Chaos. Doch wie ein Anführer besaß er die Autorität, seine Gefühle zu führen, sobald er Führung nur zuließ, was selten geschah.

Und obwohl Freiheit wohl das oberste aller Gefühle ist, sogar noch vor der Liebe, ließ er selten andere Empfindungen zu, erst recht nicht die Liebe. Das Einzige, was er liebt, ist, mit seinem Cadillac über Landstraßen zu fahren. So fährt er über den so steinigen und unruhigen Asphalt der Straßen, die für ihn alles bedeuten, nur um an einer Stelle, die ihm angemessen genug erscheint, anzuhalten, sich in das kräftige, grüne Gras fallen zu lassen und um dort mit aufgerissenen braunen Augen die Wolken am hellblauen Himmel zu zählen.

Er brauchte den Sommer, im Sommer fühlt er sich zuhause, es war die einzige Wärme von außerhalb, der er sich anvertraute, auf die er sich verlassen konnte.
Das Wolkenzählen war das, was er als Regelmäßigkeit anerkannte. Er verachtet Pläne, sein Gefühl befiehlt ihm immer genau so zu handeln, wie er es nicht sollte, genau das provoziert er. In Großstädten fühlt er sich verloren, erdrückt. In Dörfern allein und eingezwängt.

Deshalb braucht er das offene Land, die Highways der Welt, so wie andere die Liebe brauchen, um glücklich zu sein.

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3 Antworten

Kommentare

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    super

    22.11.2008, 19:23 von kekskrumen
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