fraeulein.Wunderlich 31.03.2013, 19:18 Uhr 10 14

Ein verschlossenes Herz irgendwo zwischen Paprika und Kartoffeln.

Die erste Liebe wartet nicht! Oder doch?

>>Ich werde heiraten<<, sagte er zu mir und sah mich mit großen Augen an.
Seine großen, blauen Augen bohrten sich in mich hinein und ich hatte jedes Mal das Gefühl, dass sie dabei meine Seele berühren wollten.
Ein leichter Stich in meinem Herzen holte mich aus meiner Starre heraus.
>>Du..du tust was?Ich..ich meine, wow, wahnsinn<< antwortete ich und warf unmengen an Superlativen heraus, um meine Unsicherheit zu verdecken.
Doch er wusste es genau, das habe ich gespürt. Sein Blick wurde traurig, doch dann, dann musste er sich zusammenreißen.

Wir mussten uns zusammenreißen. Wir mussten uns freuen.

Ich stürzte mich in seine Arme, streichelte seinen Hinterkopf, atmete seinen ganz eigenen, unwiderstehlichen Duft ein und flüsterte ihm meine große Freude über die anstehende Hochzeit ins Ohr.

Vor 10 Jahren war ich es, die er "wenn wir groß sind" heiraten wollte. Wir waren unzertrennlich. Tim und Struppi waren ein Witz gegen uns, so eng war unser Band.
Wir waren die besten Freunde und erlebten alles zusammen.
Wie ich meinen ersten Liebeskummer hatte, wie er das erste Mal ein Mädchen geküsst hat, wie ich meine erste 5 in Mathe bekommen habe, wie er ohne Führerschein mit dem Auto seiner Eltern gefahren ist, der erste Alkohl, der erste Sex - wir haben alles gemeinsam erlebt.
Es gab keine Geheimsnisse.
Wir waren uns so vertraut.
>>Wenn wir groß sind, dann heirate ich dich.<<, hatte er gesagt.
Meine Reaktion auf den Satz war total cool und locker.
>>Dich heiraten? Träum weiter<< und dann haben wir gelacht und nie wieder darüber gesprochen.
Doch in diesem Moment habe ich es das allererste Mal gespürt.
Er war mehr für mich, als nur mein bester Kumpel.
Doch ich wusste sofort, dass ich ihm niemals reichen würde und deshalb habe ich diese Gedanken sofort verworfen.

Als er dann seine erste richtige Beziehung hatte, wusste ich es genau.
>> Wenn ich jetzt nicht das Herz zumache, wird es unsere wertvolle Freundschaft zerstören.<< dachte ich mir, immer und immer wieder.
Ich wollte unsere Freundschaft niemals durch meine völlig sinnfreien Gefühle gefährden. Ich musste unsere Freundschaft retten, denn er hat nie mehr in mir gesehen, als eine Freundin.
Ich war nie sein Typ, lustig und zum Abhängen total "okay", aber für mehr war ich einfach nicht die Richtige. Das habe ich immer gespürt und wusste, ich würde ihm niemals von meinen wirren Gefühlen erzählen.

Ich habe mein Herz verschlossen.
Verschlossen für unsere Freundschaft.

Seine Beziehung wurde immer ernster und hielt.
Ich hatte tief in mir, immer die Hoffnung, dass es nicht länger als 2 Jahre halten würde.
Doch das tat es, es hielt.

Seine Freundin war sehr nett zu mir, aber das war alles nur ein Spiel.
Ein Spiel, das wir beiden spielten, um ihm nicht zu verletzen.
Doch eigentlich konnten wir uns nicht leiden.

Ich hatte Angst ihn zu verlieren und er konnte auch mich nicht loslassen.

An seinem 25. Geburtstag feierten wir beide ganz allein.
Seine Freundin war im Ausland und seine Familie kam erst am nächsten Tag.
Ich überraschte ihn mit seiner Lieblingstorte und einem Bild von uns beiden, wie wir auf einer Hallooweenparty als Ash und Pikatchu gegangen sind.
Wir tranken, lachten und guckten unsere Lieblingsfilme.
Gemeinsam saßen wir auf dem Sofa, Schulter an Schulter und seine Hand ruhte auf meinem Bein.
Ich spürte mein Herz an diesem Abend. Es hüpfte verliebt und genoss die Zeit mit ihm.
Irgendwann konnte ich meinen Kopf nicht mehr halten und legte ihn auf seine Schulter. Ich spürte wie sein Körper began, sich zu verkrampfen.
Er atmete schwer und ich fühlte mich sofort unwohl.
>>Es tut mir leid, ich wollte nur meinen Kopf etwas ausruhen. Ich wollte dir nicht zunahe kommen.<< sagte ich ganz leise und ließ meine Blick auf meinen Beinen ruhen.
Lange sagten wir kein Wort. Ich habe gehofft, er würde die Situation entkrampfen, doch das tat er nicht.

>>Ich habe immer nur dich geliebt<<.
Das waren die Worte, die er mir ins Ohr geflüstert hat.

Meine Welt blieb stehen. Ich konnte nicht mehr atmen, nicht reden, nichts mehr sehen.
Ich konnte das alles nicht verstehen.

>>Nur dich, ich wollte immer nur dich, doch du warst so unnahbar<<

Ich wollte das alles nicht hören. Ich wollte, dass er aufhört.
>>Warum jetzt? Warum...warum..<< war das einzige, dass ich in diesem Moment denken konnte.

Dann spürte ich seinen Blick auf mir und ich versuchte mich zusammenzureißen. Ich schaute auf und sah ihm in seine blaunen Kristallaugen. Ich wollte es ihm jetzt sagen. Wollte ihm sagen, dass es mir immer genauso erging und es heute auch noch so ist. Ich wollte ihn umarmen, ihn spüren und ihn lange küssen.

Ich wollte.

Doch ich konnte nicht.

>>Hör auf!<< sagte ich, >> Hör auf sowas zu sagen, hör auf. Du ruiniest alles. Du hast deine Freundin und sie ist perfekt für dich. Ich würde dir niemals reichen und müsste dir immer hinterherlaufen, nur um dir folgen zu können. Ich möchte..ich...ich will, dass du glücklich bist. Du solltest sie heiraten, sie macht dich glücklich und ist ein wichtiger Teil von dir..Also bitte...bitte... hör auf!<<.
Ich bemerkte, wie ich anfing zu schreien und wie die ersten Tränen in meinen Augen brannten.
Ich wollte und konnte das alles nicht.
Es zerriss mich innerlich.

Ich bäugte mich zu ihm, gab ihm einen Kuss auf die Wange und stand auf.
Ich sah nicht mehr zurück und konnte doch spüren, mit welchem traurigen, zerissenen Blick er mir nachsah.

Ich öffnete die Tür und ging einige Treppenstufen hinuter.
Irgendwann konnte ich nicht mehr gehen und sackte auf einer Stufe zusammen. Ich weinte.

Ich weinte tagelang.

Wir sahen uns monatelang danach nicht wieder.
Ich hatte es zerstört.

Er hat mir in der Zeit so gefehlt. Ich konnte vor lauter Selbstvorwürfen nicht schlafen, nicht lachen, nicht weinen, nicht atmen.
Ich verlor mich in meiner eigenen Taruigkeit und war irgendwann nur noch eine leere Hülle meiner Selbst.

Er hat mir noch zwei Briefe geschrieben, versucht anzurufen und mir zwei SMS geschrieben.
Ich konnte nicht antworten.

Und so vergingen weitere zwei Jahre.

Dann traf ich ihn wieder.

Im Supermarkt. Irgendwo zwischen Paprika und Kartoffeln.

>>Ich werde heiraten<<, sagte er zu mir und hat mich mit großen Augen angesehen.

Ich stürzte mich in seine Arme, streichelte seinen Hinterkopf, atmete seinen ganz eigenen, unwiderstehlichen Duft ein und flüsterte ihm meine große Freude über die anstehende Hochzeit ins Ohr.

Und dann fing ich an zu weinen.

In deinen Armen weinte ich und wollte nicht mehr aufhören.

Irgendwo zwischen Paprika und Kartoffeln.



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10 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ich schrieb auch mal einen Artikel den ich Sven, David und Renate nannte. Er war teils fiktiv, teils sprach ich von Situationen meiner Jugendzeit. Meinen Freunden. Ich bündelte es mit einem Gedanken der mich zu der Zeit beschäftigte und es wurde ein ganz besonderer Artikel für mich darauß. Eigentlich der der mich zum Schreiben und Ausdrücken führte. Deine beschreibenden Worte errinnern mich an wie ich damals meine Worte zusammentrug. Es liest sich wirklich toll. Glückwunsch - du kannst Inneres sehr gut nach Außen tragen wie ich finde. Liebe Grüße

    11.04.2013, 15:11 von Voll.Des.Lobes
    • 0

      Oh wow, ich bin sprachlos! Vielen Dank für dieses tolle Kompliment und deine lieben Worte! Vielen Dank! :)

      11.04.2013, 20:42 von fraeulein.Wunderlich
    • 1

      Sehr sehr gern. Im Gegenzug dank ich dir für den schönen Text und einen damit ermöglichten Gedankenausflug in meine Schreibezeit von vor einigen Jahren :-) die Komplimente hat die Schreiberin Fräulein Wunderlich allesamt verdient.

      11.04.2013, 21:09 von Voll.Des.Lobes
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  • 1

    Ist er denn schon verheiratet?und wenn schon... Los.hol dir,was du Verdienst! 

    01.04.2013, 16:31 von emii89
    • 0

      Ich glaube, da ist nichts mehr zu holen ._.
      hihi, aber lieb von dir!

      01.04.2013, 20:47 von fraeulein.Wunderlich
    • 0

      Ach. Schmarrn.wo ein Wille,da ein weg. Los los :)

      02.04.2013, 22:22 von emii89
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    das klingt so traurig, dass es echt sein muss.

    01.04.2013, 10:11 von EliasRafael
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Ja, es ist schon richtig traurig. Es aufzuschreiben war auch nicht ganz leicht, tat aber gut :)

      01.04.2013, 12:27 von fraeulein.Wunderlich
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