Ein verhängnisvolles Bewerbungsgespräch
verfasst am 31.05.2012 um 11:20 Uhr
Du betratst den Raum, ich musterte dich, fing bei deinem Gesicht an.
Wunderschöne Augen und Lippen. Mein Blick schweifte tiefer, ich blieb an deiner rechten Hand hängen, ein Ring. Nun gut, dachte ich mir, ein sehr hübscher, aber verheirateter Mann. Zudem war ich doch selber in einer glücklichen Beziehung.
Dann kam dein erster Arbeitstag, du wurdest von mir und einem Kollegen über den Campus geführt, du warst sehr ruhig und verschlossen, auf eine Art geheimnisvoll. Das reizte mich.
Es vergingen Tage und Wochen und wir schrieben immer hin und wieder mal. Ich wusste einiges über deine Ehe und du über meine Beziehung. Es war angenehm mit dir zu schreiben, du hast mich verstanden, genauso umgekehrt.
Dann hatten wir eine Fortbildung, ich kann mich an diesen Tag erinnern, als wäre es gestern gewesen. Du schriebst mich an und wie immer schrieben wir erst über belangloses Zeug, dann kam das Thema „Unsere Beziehungen“. Ich erzählte dir, dass ich nun wieder Single bin. Dann fragte ich dich. Ich zwang dich auf eine Art und Weise mir zu sagen was los ist, dann hast du es geschrieben: „Wir sind getrennt“. Ich habe mich unwohl gefühlt, weil ich wusste, dass es dir schlecht ging. Reden wolltest du nicht, ich habe es akzeptiert.
Unser Kontakt wurde nachdem wesentlich besser und mehr. Mein Verlangen nach dir wurde größer. Du hast ein markantes Gesicht, ein bisschen vom Bad-Boy und du wirkst provozierend. Genau meine Kombi.
Wir fingen an zu flirten, ich landete in einem Konflikt „Er ist dein Arbeitskollege. Das geht nicht!“. Ich fing an den Konflikt zu ignorieren, wir flirteten immer mehr.
Es war Wochenende, du hast mich gefragt, ob ich bei dir vorbeikommen möchte. Ich habe eingewilligt. Ich begab mich auf den Weg zu dir. Du empfingst mich in Shirt und Sporthose, eigentlich nichts Besonderes, aber ich fand es anziehend. Wir gingen hoch, landeten auf deinem Bett. Erst haben wir ein bisschen geredet und dann zogst du mich zu dir rüber und fingst an mich zu küssen. Es war schön. Es ging immer weiter, zuerst zogst du meine Jacke aus, dann mein Pulli und dann meine Hose. Du fingst an meine kompletten Körper zu küssen und zu liebkosen. Ich habe es genossen. Du wolltest mit mir schlafen, ich habe es abgeblockt, ich wollte nicht. Dafür war ich nicht bereit. Du hast versucht mich zu überreden, aber es akzeptiert. Irgendwann fuhr ich nach Hause.
Der Abend tat dem Schreiben keinen Abbruch, unser Verhältnis war genauso wie vorher. Immer wieder schreiben, immer wieder flirten. Du hast mir mehrmals angeboten, mit dir zu schlafen. Ich habe immer mit sehr großem Zögern „Nein“ gesagt.
An einem Abend war ich mit einem Kollegen und einer Freundin unterwegs, wir landeten in der Fun. Du warst auch da. Du sahst verdammt gut aus. Weiße Cappi, weißes Shirt, beige Hose und weiße Sneaker. Du nahmst mich in den Arm und flüstertest mir ins Ohr „Du siehst heute sehr hübsch und sexy aus. Ich hätte nicht gedacht, dass mir kurze Haare bei dir gefallen“ und gabst mir ein Kuss auf die Wange. Immer wieder kreuzten unsere Wege sich, mal standen wir bei dir oder du bei uns. Du stelltest mich sogar ein paar von deinen Freunden vor. Es war ein sehr schöner Abend, du hast mich geschützt, wenn irgendwelche Kerle mit mir reden wollten und du hast dich allgemein viel um mich gekümmert.
Ich nahm also meinen ganzen Mut zusammen und fragte dich „Kann ich heute Nacht bei dir bleiben?“. Dann kam die bittere Enttäuschung, du warst an dem Wochenende bei deinen Eltern.
Die Zeit verstrich, aber wir schrieben fast trotzdem jeden Tag. Hast du mal nicht geschrieben, hat was gefehlt.
Es war im Dezember, die Auszubildenden sollten die Weihnachtsfeier organisieren. Jeden Tag, den wir da in irgendeiner Weise zusammen waren, hab ich genossen. Denn du warst immer direkt in meiner Nähe. Neben mir oder hinter mir.
Am Abend hatten wir unsere private Weihnachtsfeier, nur von den Auszubildenden. Erst waren wir was essen, sind dann weiter gezogen in die Stadt. Du hast dich fast ausschließlich mit einer Kollegin unterhalten/beschäftigt. Tat ein wenig weh. Allerdings war ich auch in guter Gesellschaft. Trotzdem gab es einige Momente zwischen uns, die schon ein wenig intim waren. Später am Abend beschlossen wir zu dir zu fahren, alle Auszubildenden.
Eine Kollegin durfte noch fahren, sie wurde zum Taxi degradiert. Auf der ersten Tour zu dir, waren wir zu viert im Auto. Da unsere Kollegin den Weg aber nicht alleine in die Stadt zurück fand, fuhr unser Kollege wieder mit. Du hast die Gelegenheit genutzt. Wir sind hoch, du hast mich geküsst, du hast mein Verlangen bis zum Höhepunkt gesteigert. Ich wusste, ich wollte dich. Zu allem Überfluss hast du dich auch noch vor mir umgezogen. Als die anderen da waren, haben wir uns nichts anmerken lassen.
Irgendwann sind die anderen weiter gezogen, ich blieb bei dir. Wir haben noch ein bisschen aufgeräumt. Danach kamst du her, fingst an mich zu küssen und zu liebkosen. Wir zogen uns langsam aus. Deine Berührungen, deine Küsse, deine Blicke, es war einfach nur schön. Wir schliefen miteinander. Am Morgen danach unterhielten wir uns ganz normal und ich wurde später abgeholt.
Die Tage danach wurden für mich zur Qual, du hast dich nicht mehr gemeldet. Du hast es vorgezogen mit einer anderen Kollegin zu schreiben. Es war für dich nur Spaß. Von Anfang an hast du gesagt „Es ist nur Spaß“, aber ich hatte Hoffnung, die sich an dem Tag zerstörte.
Wir redeten nicht mehr miteinander, geschrieben schon länger nicht mehr. Ich war unglücklich. Ich hatte Panik, wenn ich zu dir ins Büro musste. Ich zitterte am ganzen Körper, jedes Mal.
Die Tage voller Schweigen vergingen. Bis ich eines Morgens aufwachte und merkte, dass ich eine Woche überfällig war. Ich hatte Angst. Ich machte einen Test, der positiv ausfiel. „Das kann doch nicht sein, ich nehme doch die Pille!“. Ich war am Boden zerstört. Dazu kam, wir hatten an dem Tag eine Fortbildung, das heißt ich sah dich den ganzen Tag. Ich war hin und her gerissen „Sage ich es ihm, sage ich es ihm nicht?“. Ich beschloss es dir nach der Fortbildung zu sagen. Der Tag verlief eigentlich sehr normal, du warst freundlich, zuvorkommend. Die Verwunderung über dein Verhalten stand mir ins Gesicht geschrieben.
Nach der Fortbildung schrieb ich dir, dass wir reden müssen. Ich kam zu deinem Büro und holte dich raus. Freundlich legtest du deinen Arm um mich und fragtest „Was ist denn los?“. Ich erzählte dir, dass ich drüber bin und der Test positiv war. Man konnte dir ansehen wie deine Welt ein Stück zerbrach. Deine Einstellung zu dem Kind war klar, du wolltest es nicht. Was du mir immer wieder deutlich gemacht hast. So schwer wie in den Tagen war mein Leben lange nicht mehr. Unter Druck gesetzt von dir, ich solle abtreiben. Nachdem ich die Bestätigung vom Arzt erhalten hatte, habe ich dich informiert. 6. Woche schwanger. Wir beschlossen, dass wir am nächsten Tag darüber reden.
Ich fuhr zu dir, du kamst raus und wir gingen spazieren. Deine Erklärungen warum du nicht willst, konnte ich verstehen, dazu muss ich sagen, ich war schockiert, was du schon alles durchgemacht hast. Es tat weh zu wissen, dass ich dein Leben nun noch mehr kaputt mache. Denn ich hatte ja Gefühle für dich und ein Kind von dir in meinem Bauch.
Ich gab dir an dem Tag das Bild von unserem Kind. Du hast es mit etwas Wehmut angeschaut und sofort wieder weg gesteckt. Meine Arbeitstage wurden die Hölle, wegen dir. Du hast es geschafft mich nervlich an den Rand der Verzweiflung zu bringen, denn ich wusste selber nicht ob ich das Kind möchte. Jedoch gaben meine Familie und Freunde mir den Rückhalt, den ich brauchte. Ich entschied mich für das Kind.
Ich teilte dir diese Entscheidung mit. Du hast es nicht verstanden. Deine Konsequenz war, dass du von allem was das Kind betrifft entbunden werden willst. Dein Kind hätte nicht mal nach dir suchen dürfen.
Wir fanden eine Einigung, dass wir den ganzen Papierkram regeln, wenn das Kind überlebensfähig wäre. Zwischen uns herrschte Eiszeit. Deine Blicke kalt und vorwurfsvoll. Jedes Mal wieder dieses Zittern, wenn ich in das Büro kam.
Doch ich wurde von Tag zu Tag glücklicher und wusste, mein Kind und ich schaffen es auch von alleine. Durch meine Familie und Freunde wurde es noch leichter. Wir planten Sachen, unter anderem unterhielten wir uns über Namen.
Leider, kam das Schicksal und du schriebst mir, dass du ein Herzfehler hast. Daraufhin bin ich zu einem Spezialisten, der mir mitteilte, dass mein Kind einen zu großen Herzfehler hat um lebend auf die Welt zu kommen. An dem Tag erfuhr ich auch, dass ich einen kleinen Jungen bekommen hätte. Einen kleinen Finn Johann.
Ich war in der 13. Woche. Was tun? Abtreiben durfte ich nicht mehr. Der Arzt gab mir ein Attest, dass ich aus gesundheitlichen Gründen doch noch einen Abbruch durchführen lassen darf.
Meine Welt brach zusammen. Ich muss ein Kind abtreiben, was ich liebe. Ich teilte dir diese Entscheidung mit und von dir kam ein „Danke“ mit einem weinenden Smiley. Du fragtest mich auch ob du mitkommen sollst, weil du nicht wolltest, dass ich es alleine mache, aber ich sagte dir, dass meine Mama mich begleitet.
In der Woche des Abbruchs hatte ich Urlaub. An dem Tag des Abbruches, kam ich euch morgens in der Uni besuchen mit meinem Patenkind. Mein Patenkind beschäftigte sich mit einem Kollegen und einer Kollegin von mir und lies dich völlig unbeachtet. Irgendwann bemerkt mein Patenkind deine Flasche, er fand sie toll und wollte sie haben. Du hast ihn mit roten, nassen Augen angeguckt, hast versucht ein Lächeln über deine Lippen zu bringen und gucktest dann wieder zum Bildschirm. Da merkte ich, dir ist die Entscheidung auch nicht einfach gefallen.
An diesem Nachmittag habe ich mein Kind umbringen lassen. Am Abend hast du ich erkundigt wie es mir geht. Mehr nicht. Ich bekam immer wieder zu hören „Es war das Richtige“. Ich wusste, dass es das Richtige war, aber es fühlte sich falsch an. Meine Emotionen sind unbeschreiblich. Diese Leere, diese Kälte, damit alleine gelassen.
Unser Verhältnis war zerrüttet. Mal hast du gefragt wie es mir geht, aber es kam selten vor. Wir beschlossen erst mal kein Kontakt zu haben und in ein paar Wochen darüber zu reden.
Dann kamen zwei meiner „Freunde“. Sie haben dir eingeredet, dass ich alles nur erfunden hätte. Du hast ihnen geglaubt. Seitdem behandelst du mich Luft. Du denkst, ich hätte dich belogen.
Mein Leben ist seitdem fast unerträglich, jeden Tag denke ich an unseren Kleinen, der nun im Babyhimmel auf mich und auch auf dich aufpasst. Immer wieder sehe ich die Bilder von dir vor meinen Augen, seitdem Tag, als wir uns kennenlernten. Mittlerweile bin ich bei einem Psychologen in Behandlung, weil ich es alleine nicht schaffe.
Aber eins noch, obwohl du nein gesagt hast, hast du dich in der Zeit doch auch um mich gekümmert. Du hast dir ein bisschen Sorgen gemacht. Deswegen bin ich der Meinung, dass es dir bestimmt auch weh tut. Mein Wunsch für die Zukunft ist einfach, dass wir beide wieder normal miteinander umgehen können.







Kommentare
Och, der is ja nett.
31.05.2012, 21:11 von CornflakesTime
Ja, total ^^
31.05.2012, 21:13 von Finn_Schatzwunderschön geschrieben :)
31.05.2012, 20:59 von zauberglueckDanke :)
31.05.2012, 21:01 von Finn_SchatzAbsätze würden das Lesen erleichtern - sehr erleichtern!
31.05.2012, 21:21 von independentdreamerIch hoffe nun ist es etwas leichter.
31.05.2012, 21:27 von Finn_Schatzach Gott wie traurig.
31.05.2012, 20:44 von Lewittchen