cloudless_sky 30.11.-0001, 00:00 Uhr 49 91

Ein Text für dich, zum Abschied

Ich hasse Abschiede. Du bist noch nicht einmal 24 Stunden weg und doch vermisse ich dich. Es ärgert mich.

 Ich will dich nicht vermissen, nicht an dich denken. Ich will nicht, dass mein Herz weh tut wenn ich nur eine Sekunde nicht aufpasse und meine Gedanken zu unserem letzten Treffen schweifen. Ich will das alles nicht.

Vor allem will ich nicht erinnert werden, an all die Nächte im Kino, in der Stadt, dir gegenüber. Ich will nicht an dein Lachen denken oder wie du mich grinsend anschaust und deine Augen blau leuchten. Ich will nicht mehr unter diesem Ganzen leiden als du. Doch das tue ich unausweichlich. Ich war immer die, die mehr gefühlt hat, mehr wollte, mehr erwartet hat. Jetzt bin ich die, die mehr enttäuscht ist. Sogar noch mehr als erwartet.

Es muss schön sein, so leben zu können wie du. An niemanden gebunden sein, emotional frei – oder einfach nur ein Eisblock. Hast du überhaupt was gefühlt, wenn wir zusammen waren oder hab das alles ich übernommen?

In deinem Zimmer hängen Bilder. Bilder von Menschen, die dir wichtig sind. Dein Bruder zum Beispiel. Ich hänge dort nicht und niemals würde ich dort hängen und ich frage mich, ob die Bilder Tarnung sind oder ob du manchmal wirklich etwas fühlst.

Heute bist du gegangen, und das, obwohl ich nächste Woche sowieso gegangen wäre. Aber du musst immer der Erste sein. Das bin doch ich sonst. Ich gehe sonst zuerst, um meine Gefühle wenigstens ein klein wenig zu schützen. Denn ich habe so viele davon und manchmal sind sie schwer zu ertragen und dann möchte ich wenigstens zuerst gehen, wenn schon jemand gehen muss. Und eine Wahl ist es nicht, nur verdammt du warst schneller. Mal wieder. Schneller und radikaler und hast dabei meinen ganzen Haufen an Gefühlen zertreten.

Ich hasse Abschiede, aber noch mehr hasse ich es, mich nicht verabschieden zu können.

Du bist gegangen, mucksmäuschenstill. Hast deine Koffer gepackt und die Tür zu gemacht.

Du hast mich nicht zum Abschied umarmt, du hast mich nicht fester gehalten als notwendig, du hast mich nicht lange angestarrt und gesagt, dass du mich vermissen wirst. Du hast nicht gewunken zum Abschied und dich nicht noch einmal umgedreht. Denn du hast dich nicht von mir verabschiedet, du bist einfach gegangen, ohne etwas zu sagen.

Und das ist eiskalt, selbst für dich. 

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49 Antworten

Kommentare

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    wie schön..:)

    06.09.2015, 01:53 von JojoWrites
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    Unheimlich wenn man merkt dass man viel mehr Gefühle und Ängste mit Menschen teilt-die man überhaupt nicht kennt- als man denkt. Kann alles sehr gut nachfühlen, schön dass du das geteilt hast. 

    28.07.2014, 20:55 von BeruehrteHauterinnertSich
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    hey -
    Du hast mein Problem! ;)

    28.07.2014, 20:16 von GraceSummers
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    Ach mein Herz.

    Das hat mich mitgenommen. Mehr als ich erwartet habe.

    28.07.2014, 19:05 von siewargluecklich
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    "Hast du überhaupt was gefühlt, wenn wir zusammen waren oder hab das alles ich übernommen?"
    Ich verstehe genau, wie du fühlst. Es tut unendlich weh. Toll, dass du es geschafft hast, aus dem Schmerz diesen Text zu zaubern. Da bist du IHM voraus.


    28.07.2014, 16:19 von -atinA-
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      Klingt wahr, auch wenn ich nicht hoffe, dass es wahr ist.

      28.07.2014, 16:42 von So_Gewollt
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    "In deinem Zimmer hängen Bilder. Bilder von Menschen, die dir wichtig sind. Dein Bruder zum Beispiel. Ich hänge dort nicht und niemals würde ich dort hängen und ich frage mich, ob die Bilder Tarnung sind oder ob du manchmal wirklich etwas fühlst."

    Ach ja... Das kann ich so nachfühlen. 
    Toller Text!

    28.07.2014, 12:18 von M4rue
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    schöner Text und momentan sehr passend, auch wenn die Umstände (bei mir / uns) etwas anders sind. Danke fürs teilen

     

    28.07.2014, 11:00 von fireflies89
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