Ein Morgen zwischen Stuhl- und Tischbeinen im Adamsdress
Ich seufze, da solch eine Liegeposition nur einmal gefunden werden könne bevor sie gegen eine Weichteil-Hartteil Problemsituation eingetauscht wird
Die Straße schimmert im Abendlicht. Ich sitze in einem Kleinwagen in Richtung Zuhause. Der Tag war hart, doch er neigt sich dem Ende zu. Die Sonne winkt noch ein letztes Mal mit ihren Sonnenstrahlen bevor ihr Abendrot von Laternen und Stadtlicht abgelöst wird.
Langsam werde ich unruhig.
Es ist einer dieser Abende, an dem du weißt: „Heute werden alle Sorgen vergessen sein. Heute werde ich Spaß haben“. Einer dieser Momente, die dich ein stückweit näher mit deinen in die Ferne gezogenen Freunden zusammenschweißt.
Zu Hause angekommen, noch schnell die schwere Last der verkorksten Woche ablegen und auf gehts Richtung Großstadt.
Die Vorstellung, die einen erwartet, wenn man bei Hochgeschwindigkeit aus dem Fenster eines Eilzugs guckt und die ganze Welt an einem vorbeizieht, verkürzt die Fahrtzeit ungemein und im Nu steh ich im Eingangsbereich eines Großstadtappartements in Mitten eines ungeduldig wartenden Dreiergespanns.
Dann geht die Tour durch das Nachtleben los. Wir vier, gut angeheitert, fühlen uns prächtig. Die Party ist schrill, die Party ist bunt, genau so wie ich es mag.
Erst gegen fünf beginnt sie sich zu leeren. Auch unsere Gruppe löst sich allmählich. Doch die immer größer erscheinende Halle kann mir nichts anhaben. Heute nicht, denn an diesem Abend stimmt alles.
Es bleibt zurück mein Kollege und ich. Er ne Frau im Arm, ich ne Frau im Arm.
Vier Menschen, viel Spaß.
Er ne Bude in der City, ich ... oh, ich nicht. Oh Mist, Mist! Das hatte ich ja ganz vergessen. Meine Übernachtungsgelegenheit ist schon vor Stunden gegangen. Nun erinnere ich mich auch an das Gespräch. Wobei es war eher ein Monolog. Denn in dem Moment, als er mir versuchte zu erklären, dass ich unbedingt mitkommen müsse, um bei ihm zu nächtigen, hatte ich bereits meine gesamte Aufmerksamkeit schon auf das Mädchen in meinem Arm gerichtet.
Da war ich nun: Frau im Arm, wohnungslos.
Mein übrig gebliebener Kumpel, der auch stark von einem anderen Mädchen eingespannt war, erklärte mir die missliche Lage seiner viel zu kleinen WG und meinte etwas von: „Kein Zimmer frei“.
Ich hörte in diesem Moment nur ein leichtes Schmatzen und Atmen, denn die Brünette nährte sich bereits in hohem Maße von meinem Ohr. So kommt es, dass ich lediglich irgendwas in Richtung „Zimmer frei“ verstehe. Wir vier gehen also in seine Bude.
Er schließt die Türe auf, ich dreh mich zu meiner Begleitung um und keine Sekunde später ist er mit seiner schon in seinem Zimmer verschwunden.
Schrittweise taste ich mich im Dunkeln an der Wand entlang, auf der Suche nach Erleuchtung. Klick, gefunden. Huch, die Bude ist ja wirklich nicht groß: Rechts das Klo mit Blick auf die Dusche, mit Blick auf die Waschmaschine, mit Blick (bei geöffneter Türe) auf das Zimmer meines Kumpels, das sich gegenüber befindet. Nebenan eine Tür mit großen Schild, „Betreten verboten: Radioaktiv verstrahlt“. Nun gut, auch wenn ich eh schon unter großem Strahlungseinfluß der Brünetten stehe, kann ich dennoch mein Finger von Klinke lassen. Es gibt immerhin interessantes in diesem Moment als dekontaminiertes Gebiet zu durchforsten und so gehe ich mit ihr in die Küche. Schüchtern ist sie keinesfalls, warnte sie mich. So trete ich also den gefühlt weiten Weg in die mit Schild als „Speisesaal“ beschriftete Küche an. Auf der einen Seite mein knabberndes Mitbringsel, auf der anderen anderen Seite ich, denn ich stehe komplett neben mir. Angekommen im Speisesaal stelle ich fest, dass ich unbedingt das Klo aufsuchen sollte, bevor ich mich als lebendes Buffet hingeben kann. Ich tausche also eine Mixtur aus Mineralstoffen und Alkohol gegen die Leichtigkeit des (angetrunken) Seins und schließe den Deal mit dem Porzellan.
Kaum mit dem Händewaschen fertig stürmt diese ganz Aktive ins Bad und reiß mich um. Ich lande hart auf dem gefliesten Boden. Sie landet weich auf mir. Doch die Hauptsache ist, dass ich trotz Alkoholpegels treffsicher in die Schüssel getroffen hatte und somit mein Kopf zwar neben dem Klosockel aber immerhin nicht in der Pisse liegt. So lieg ich nun eingequetscht zwischen Klo und Klotür, bedeckt von einer hungrigen Fremden und gerade als ich Gefallen an dieser etwas ungewöhnlichen Art des Zusammenseins finde, werde ich mit einem Auuu meinerseits aus der Schwärmerei geschmissen. Der Kollege, der sich bereits seit Ankunft mit seinem Mitbringsel vergnügt, muss das Bad aufsuchen.
Ok, schlecht! Daran hatte ich gar nicht gedacht. Das heißt also hier im Bad können wir nicht nächtigen denk ich mir und schiebe die gerade so passend auf mir liegende warme Frau von meinem Körper und mir fällt auf, dass sie eigentlich sehr gut auf mir liegt. Alle Weichteile von mir wurden von allen Hartteilen von ihr verschont. Ich seufze, in der Vorahnung, dass solch eine Liegeposition nur einmal gefunden werden könne bevor sie im Nichts verschwindet und gegen eine Weichteil-Hartteil Problemsituation eingetauscht wird.
Wir stehen auf und es geht wieder zurück in den Speisesaal. Mit Skinnypants in den Kniekehlen, einer Hand unter ihrem BH, einer in ihren Haaren verfangen, einer weiteren Hand (ihrerseits) in meiner Hose und einer an ihrer bewegen wir uns tanzend im Zungenclinch in den Speisesaal. Wir landen glimpflicher Weise auf dem zweier (Klein)Mann-Sofa. Kurze Zeit später, als unsre Blicke schon gegenseitig mit dem geistigen vernaschen des anderen begonnen haben und unsre Gedanken sich schon bereits mit dem Nachschlag befassten kommt ein eine Decke mit Kissen aus Richtung Tür geflogen. Vor Schreck fallen wir vom Sofa und ich lande hart, während sie wieder weich auf mir landet. Hier stelle ich nebenbei bemerkt eine, typischer Weise den Frauen zugeordnete, Katzengemeinsamkeit fest. Diese landen ja auch immer weich...Mein Kopf schmerzt nur für einen kleinen Moment, denn es scheint nicht mehr genügend Blut im Kopf zu sein, um eine Beule im Kopf groß ziehen zu können. Im Allgemeinen kann man sagen, dass alle Schwellkörperaktivitäten für diese Nacht von anderen Regionen bereits total ausgebucht sind.
Als unser Frühsport vorbei ist, liege ich auf dem Rücken, halbbedeckt von dem Wurfgeschoss, das sich als Badetuch erweist, meine Hände hinter dem Kopf verschränkt, ihr Kopf auf meiner Brust liegend. Die ersten Sonnenstrahlen drängen sich durch die geschlossenen Rolladen und kitzeln meine langzeit-massierten, ausgetrockneten Lippen. Ich schließe meine Augen und bin im siebten Himmel.
Ich öffne meine Augen und bin...immer noch in der Küche. Zwischen Stuhlbeinen und Tischbeinen eingeklemmt liege ich im Adamsdress unter einem Badetuch. Über mir sitzen die anderen drei bereits am Tisch und frühstücken. Durch die Lautsprecher schalt „Passion Pit“, aus den Mündern klingt erfreutes Gelächter, durch das Fenster dringt die Sonne und es scheint so als ob dieser Moment nur uns gehört! Keine Katerstimmung und keine Reue über falsche Mitbringsel.
So stehe ich auf, humple mit einer Decke um die Hüfte gewickelt in das Badezimmer. Nehme eine Dusche, gehe mit einem Lächeln in die Küche zurück, wo ich herzlich mit einem guten Morgen Züngler begrüsst werde. Wir sitzen also zu viert am Tisch, stoßen mit unserem Gutenmorgentrunk auf einen erfolgreichen Abend an und lachen. Ich fühle mich unsterblich.
Meine Brünette erweist sich ebenso als interessante Gesprächspartnerin... bis sie auf Einmal aus dem Nichts ein „Fahren Sie weiter geradeaus“ von sich gibt. Einen Moment später färbt sich die güldene Morgensonne in ein grell grünes Licht. Dann ertönt ein lautes Geräusch. Ich schaue auf mein Milchglas und denke an Kuh. „Muuhhh“. Wieso Muhhh? Bin ich hier auf nem Bauernhof gelandet?
Ich löse den starren Blick und sehe eine Ampel. Sie zeigt grün. Ich befinde mich noch immer im Auto und das Muhh ist kein Muhh, es stammt auch nicht von einer Kuh. Es ist das Hupen ungeduldiger Menschen, die ich fluchend im Rückspiegel sehen kann. Ich schalte in den ersten Gang, fahre weiter und lasse meine Gedanken an Ort und Stelle zurück. Ich drehe mich nach hinten um und werfe ihnen noch einen letzten Blick zu. Dann wende ich meinen Blick nach vorne auf die Straße, schaue meiner Realität in die Augen.
Man spielt zwar immer seine eigene Rolle in seiner Welt, aber das Drehbuch hat ein anderer in der Hand. So flüchte ich in meine Gedanken bis zu diesem Moment, an dem ich aus dem Tagtraum gerissen werde. Vorbei die Träumerei.


.jpg)


Kommentare
schließe mich an. ich mag solches geschreibe und solche partys.
02.11.2009, 21:12 von SerengetiBob...beim titel musste ich schon lachen ... hat sich dann auch weiter durch den text gezogen..
25.10.2009, 17:37 von Baembi...erst recht, beim ende, wenn ales doch nur 'ne art traum is'... hat mich an was erinnert von früher... andere baustelle, an die ich aber gern zurückdenke ...danke ^^
gut aber auch i-wie leicht verwirrend geschrieben..
24.10.2009, 16:48 von IIRgefällt mir aber..vllt genau deswegen ;)
@IIR thx, wahrscheinlich herrscht diese Verwirrung auch in meinem Kopf:)
24.10.2009, 17:08 von stellar_over_myself@stellar_over_myself ups.....sorry Vorrednerin :), so einfach löscht man mit einem Touchpad einen Kommentar. Na hoffentlich kommt diese Kommentar-Lösch-Aktion nich in meine Akte...
25.10.2009, 11:35 von stellar_over_myself