quatzat 06.05.2008, 21:12 Uhr 9 12

Ein Morgen mit Dir

Ich schlage die Augen auf. Die Biere des Vortages wirbeln meine Gedanken durcheinander.

Ich schlage die Augen auf. Die Biere des Vortages wirbeln meine Gedanken durcheinander. Nur langsam komme ich zu mir. Du liegst neben mir. Ich kann nicht erkennen, ob du schläfst oder nicht, denn wie immer liegst du mit dem Rücken zu mir. Früher war das anders. Da konnten wir gar nicht aufwachen, ohne zueinander gewandt ineinander verschlungen zu sein. Doch eines Tages mußt du beschlossen haben, mich nur noch soweit zu lieben, daß mir im Schlaf dein Rücken zu genügen hat. Er genügt mir aber nicht. Warum sage ich nichts?
Ich höre dich nicht mehr gleichmäßg atmen. Du mußt wach sein. Ich warte. Es muß gleich passieren. Da, du stehst auf. Streckst dich und gehst aus der Tür Richtung Bad. Natürlich ohne mir einen Blick zuzuwerfen oder mir in irgendeiner Art und Weise Beachtung zu schenken. So wie immer. So wie jedes Wochenende, seitdem du beschlossen hast, mich nur noch so weit zu lieben, daß ich morgens nicht mal der gedanklichen Erwähnung deinerseits wert sein kann. Ich warte.
Naürlich kenne ich deinen Blick, wenn ich ins Bad gehe. Er existiert nicht. Ich stelle mich unter die Dusche und versuche sie zu genießen. Beim Abtrocknen gehst du ohne Kontakt aus der Tür. Ich weiß wo ich dich finden werde. Du wirst dir einen Kaffee machen und dich an den kleinen Tisch in der Küche setzen. Du wirst dir erst die Zeitung nehmen und gründlich studieren. Danach kommt die Aldi-Werbung oder irgendein anderes derartiges Blättchen dran. Wegen der Schnäppchen. Oder der virtuellen Einkaufswutbefriedigung. Oder weil du eines Tages einfach beschlossen hast, daß die Zeit der romantischen, erfrischenden und unterhaltsamen Frühstücke einfach vorbei sein muß.
Ich komme durch die Tür. Jetzt standardmäßig die Begrüßung deinerseits: "Morgen!". Mit soviel Liebe und Sanftmut gesagt, daß sich die Schneeglöckchen vor dem Fenster gegenseitig die Blätter auszureißen beginnen. "Morgen!", sage ich. "Gut geschlafen?" Keine Antwort. Wäre ja auch wirklich zuviel verlangt von dir. Entschuldigung. Ich hatte deinen Entschluß vergessen, daß eine Unterhaltung ab irgendwann immer nur von dir ausgehen muß. Der entscheidende Faktor ist deine Unlust.
Ich mache mir auch einen Kaffee. Der Himmel draußen ist grau. Der Kaffee schmeckt gut. Ich scheine nicht zu existieren. Nach der Aldi-Lektüre dann das ganz große Programm: In die Luft starren und die Unterlippe kneten. Stundenlang. Ich sollte Tierfilmer werden, denke ich. Die haben so eine Engelsgeduld. Vielleicht passiert ja noch was anderes.
"Äähm", meine ich und du stehst auf und gehst ins Fernsehzimmer. Du weißt, daß ich Fernsehen hasse, erst recht das jämmerliche Programm am vormittäglichen Wochenende. In dem Zimmer bist du sicher. Ich gebe auf.

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9 Antworten

Kommentare

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    oh mann. 

    16.09.2013, 23:27 von cosmokatze
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    uff, ich schaffs kaum, den kommentar zu schreiben, so lethargisch bin ich grade geworden..

    die Begrüßung deinerseits: "Morgen!". Mit soviel Liebe und Sanftmut
    gesagt, daß sich die Schneeglöckchen vor dem Fenster gegenseitig die
    Blätter auszureißen beginnen.
    den find ich toll!

    09.08.2013, 22:54 von nnoaa
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    Den las ich schonmal als ich nicht eingeloggt war. Durch den aktuellen dran erinnert.
    Gut!

    09.07.2012, 23:40 von RAZim
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    Kommt, gemach, gemach ;)

    07.05.2008, 11:42 von quatzat
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      kommt ma wieder was?

      22.02.2015, 18:55 von RAZim
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      Ich mach seit zwei Jahren an einem Text rum. Nun ist er länger als die Bibel.

      22.02.2015, 19:01 von quatzat
    • 0

      Gegensätzlicher gehts kaum. Ich schrieb nie länger als ne halbe Stunde an einem Text.

      Ich mag die "frühen" Sachen von Dir. Die liegen mir.

      Aber bei solchen Dingern wie "Für den letzten weint niemand" und "Am Ende des Weges" wird mir dann vor Augen geführt, wie es richtig geht.


      22.02.2015, 19:08 von RAZim
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    aautsch.
    ein toller text!


    mehr, okay? **

    07.05.2008, 11:29 von la_lionne
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