espoir-du-vent 09.05.2012, 22:15 Uhr 0 0

Ein Morgen im Mai

Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen und ich kann nicht anders, als es zu genießen.

 

Es ist halb 9. Ich bin wach. Du schläfst.

Dein Gesicht so zerbrechlich, blass und sanft, ist mir zugewendet.

Deine Haare kitzeln meinen Nacken und ich schaudere unweigerlich.

Ich greife nach meinem Buch und spüre dabei warme Sonnenstrahlen, die dein Zimmer in ein Licht tränken, das geschwängert ist mit dem Duft der letzten Nacht.

Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen und ich kann nicht anders, als es zu genießen. Deinen warmen, nach Urlaub riechenden Körper eng an meinem. Deine gerunzelte Stirn; die Streifen auf deinen Armen, die sich durch unsere gewohnte Schlafhaltung, tief in deine weiche Haut gezeichnet haben. Wie ein Muster.

Ich lese eine Weile.

Irgendwann spüre ich deinen Blick auf mir ruhen und ich kann nicht umhin dich anzusehen und an einen verregneten Tag in Paris zu denken. Deine Augen sind so unergründlich, wie diese Stadt. Dein Geist, verästelt und schwer zu durchschreiten,wie (endlose) Métrostationen.

Ich lege mein Buch weg und rücke näher an dich heran, versuche mit geschlossenen Augen diesen Moment festzuhalten.

„Es wird noch andere geben“ sage ich mir immer wieder, damit wir den Rahmen vergessen, der uns umgibt.

Er ist nicht wie früher. Wir haben ihn gebaut. Aus Stolz, Mühe, Leichtigkeit, Liebe, Trauer, Hoffnung und Melancholie.

Der Terminal, das Flugzeug, der Abschied sind in weiter Ferne.

Wir sind hier, an einem Dienstag im Mai.

 

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