bella1sa 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 2

Ein magischer Abschied

„Man vergisst alles um sich herum, wenn man sich an diesen wunderschönen, verlassenen, überwältigenden Orten befindet.“ 26.02.14

Irgendwo im Nirgendwo.

Irgendwo, verlassen, zwischen Wald, hellgrasgrüner Hügellandschaft und wilder Westküste, findet man ‚Wharariki Beach‘, das sich im am nördlichsten Punkt der Südinsel Neuseelands, dem ‚Cape Farewell‘ , befindet.

 

Allbekannt und berühmt ist jener Aussichtspunkt, der am nördlichsten Zipfel der Südinsel liegt. Tagtäglich fahren Busse, vollgepackt mit Touristen aller Welt, zu genau diesem Flecken der wunderschönen ‚Golden Bay‘. Das erste Bild das bei google erscheint, tippt man ‚Cape Farewell‘ in seinen Computer ein, ist, wovon ich rede: Der in das unruhige Meer ragende Felsen, mit dem Loch in der Mitte, das an einen Torbogen erinnert.

 

‚Was für ein wilder, verlassener und ungestörter Ort‘,  denke ich erst, bis ich dann schon von dem ersten Touristenbus überrumpelt werde. ‚Was für ein hässlicher Bus in dieser traumhaften Landschaft‘ schießt mir als nächstes in den Kopf. Raus drängen sich klischeehafte Bilder von Touristen: Überlebensausrüstung mit 360° Sonnenschutz und einer Kamera, die sie selbst kaum tragen können. Eilen dann hin zu der berüchtigten  Attraktion als gäbe es kein Morgen mehr und scheinen keinen einzigen Moment ihrem Auge zu widmen, aber der Linse ihrer Kamera.

Sie schießen ihre ersehnten Fotos und weiter gehts… Erste Attraktion abgehakt.

Da frage ich mich, wie man denn überhaupt irgendetwas von einem Platz mitnehmen kann, wenn man nicht einmal fünf Minuten aufbringen kann, weil man schon wieder gleich zur nächsten Attraktion huschen muss…

Da haben meine Reisetruppe und ich ein bisschen mehr Flexibilität mit unserem eigenen Camper und so können wir uns dazu entschieden, ein paar Tage dort oben zu verbringen.

Durch puren Zufall landen wir am wohl traumhaftesten Ort der Erde. Inmitten der unzähligen, grellgrünen, von den Schafen weiß befleckten Grashügeln Neuseelands- wie am Ende der Welt, abgeschottet von dem Stress und Lärm der Stadt. Wohin der Blick auch wandert, da ist nur das reine, beruhigende Grün, der scheinbar ‚kahl geschorenen Hügel‘. Wir übernachten in einem Camp, das mich an die Villa Kunterbunt der Pippi Langstrumpf erinnert-  wilde Pfauen und andere Arten wilder Vögel, hunderte von Schafe, und Pferde, die unbekümmert frei über das Gelände marschieren. Oft einmal kommt es da vor, dass man von dem ein oder anderen Tier überrascht wird- auf der Veranda am Sonnen, in der Küche beim Kochen oder sogar beim Kaffee trinken, in dem süßesten Café der Welt. Noch nie bin ich an so einem eigenartigen aber wundervollen Platz gelandet. Das Café ist wie eine Art „Wichtelwald“- alles klein, praktisch, süß! Das eigentliche Café ist in einem ausgebauten Camper wagen und das Gelände herum ausgestattet mit einfachen Holztischchen, kleinen Hockern und klassischer Musik, die aus dem kleinen Hausgärtchen schallt. Allgemein mit wenig Aufwand betrieben, dafür aber umso mehr Herz!!

Von dort aus starten dann verschiedenste Spazier- und Wanderwege ‚ins Ungewisse‘. Ohne große Erwartungen stürzen wir uns in eins von den Abenteuern und werden von nichts anderem als purer Schönheit der Natur erwartet. Der so gar nicht touristenausgerichtete Weg verläuft über Hügel und Wiesen weidender Schafe, durch Busch über Stock und Stein hin zu womit man dort am Wenigsten gerechnet hätte- riesige, weiße, windige Sanddünen und dahinter wilde, raue Küstenlandschaft mit Klippen, Höhlen und ‚gestrandeten‘ Felsinseln. Ein überwältigendes Bild. Die Landschaft sieht so unwirklich schön und unberührt aus, dass man meinen könnte, sie wäre ‚ausgesetzt worden‘.

Die Sanddünen haben Etwas, in dem man sich gerne Verlieren will; sie sehen nach bedingungsloser Freiheit aus. Da ist keine Menschenseele weit und breit, nicht einmal Fußspuren kann ich in dem feinen Sand erkennen, da ist nur der Wind, der über die Dünen fegt wie ein Tornado und jegliche Klänge verstummen lässt. Ich will alles einsaugen: die Luft, die Ruhe, den Sand, das Wasser, die Freiheit… Ich lasse los- von allem; und renne. Kleinste Sandkörner fliegen um mich herum wie Dunst und vernebeln die Traumlandschaft. Ich renne bis zum Wasser und beobachte wie wuchtig die Wellen vom Wind an die Klippen peitschen. Es hat etwas bedrohliches, und man will nicht unbedingt ins Wasser hüpfen, aber es hat auch etwas Befreiendes.

Der Strand sieht ein bisschen aus wie ein großes Labyrinth- so viele Felsbrocken, Höhlen und Geheimwege, denen man folgen will. Es ist als lauere hinter jeder Felswand ein anderes Geheimnis. Ich sehe seltsame Wischspuren im Sand, die mich hin zu einer großen Pfütze vor einer Höhle führen. Was ich in der Pfütze sehe, kann ich nicht glauben- Babyrobben, die friedlich vor sich hin planschen. Sie sind nicht scheu, eher neugierig, und kommen erstaunlich nahe. Ich sitze da Ewigkeiten und beobachte, wie die kleinen Kreaturen miteinander spielen und das Leben genießen. Bis ich dann sehe, wie sich etwas Größeres anschleicht. Es ist die Mutter und die ist ganz und gar nicht über den Besuch erfreut, und wird gleich mal laut! Beschützerisch drängt sie sich vor ihre Babys und spricht böse Worte mit mir. Ich will noch eine gute Aufnahme, aber dann lasse ich der Familie lieber ihren Frieden und gehe weiter. Ich könnte noch Ewigkeiten damit verbringen, auf einer Düne zu sitzen und das Meer zu beobachten, aber der Wind peitscht auch mir um die Ohren und ich weiß es ist Zeit, mich von diesem magischen Ort zu verabschieden. Mit unzähligen Blicken zurück auf dieses Naturspektakel begebe ich mich auf den Weg, Richtung Realität. Und verstehe, warum der Kapitän James Cook dieser Landzunge damals den Namen ‚Abschied‘ gab: Cape Farewell ist ein Flecken, an dem man einsam sein möchte –und loslassen will von sämtlichen Ballasten, die man mit sich rumträgt. Ich kann mir keinen schöneren Ort vorstellen, um Abschied zu nehmen.

 

 

 

 

 

 

 


Tags: #reisen, #neuseeland, #auszeit, #abschied #herz
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1 Antworten

Kommentare

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  • 0

    ich wollte schon immer mal nach Neuseeland! Und jetzt noch viel mehr

    12.12.2014, 19:20 von heartlines
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