Ein Jahr in zwei Stunden
Oralverkehr und Wurstbrötchen
Er sieht müde aus, mit dunkelblauen Schatten unter den Augen. Zerstrubbelte Haare. Unrasiert. Ungewohnt. Es scheint als wären wir gerade aufgestanden, von einer durchgefeierten Nacht. Synchron ziehen wir den Strohalm aus unserem Heißgetränk, ziehen den Halm durch den Mund um den Milchschaum abzulecken. Lassen das Röhrchen links liegen. Der Milchschaum wird nicht gelöffelt.
Ich sag ihm das er zappelig ist. Er sagt mir das ich hektisch bin. Ich bin oft ungewollt zu schnell. Ich hab mich auch mal in ihn verliebt. Zu schnell. Wir haben zusammen viel erlebt. Viel schönes. Viel beschissenes. Aber alles hat uns verbunden. Eine Angina zum Beispiel, Oralverkehr in der Sauna, ein eingeklemmter Nerv im Rücken, ein gemeinsamer Song,die Abneigung gegen Pizza, acht Wurstbrötchen und Barbara, wegen der er mich vor aller Augen stehen ließ.
Wir haben uns ein Jahr nicht gesehen. Das er mir fehlt hat irgendwann aufgehört.
Er fuchtelt mit dem Röhrchen des zweiten Kaffees und verspritzt überall braune Suppe. Ich kuck ihn blöd an, aber es wundert mich nicht. Er ist aufgedreht. Sein Winterjob ist zu Ende. Ich bin der erste vertraute Mensch den er trifft.Meine Stadt liegt auf seinem Heimweg. Gebettelt hab ich, das er für eine halbe Stunde hält. Ich bin im Winter zu Hause geblieben. Es wäre uns schwer gefallen, die Finger voneinander zu lassen.
Aber das ist Pflicht, er führt eine Fernbeziehung und er macht das ziemlich gut. Chatten wir allerdings, spornen wir uns gegenseitig zur Masturbation an."Du hast die schönsten Lippen, die ich je küssen durfte." Hat er mal gesagt und etwas ähnliches über meine Brüste.
Die Frage, warum er sich einfach nie in mich verliebt hat, stelle ich mir nicht mehr.
Ich habe alles versucht ihn mir abzugewöhnen. Unter anderem ein Sexverbot. Es hat nichts gebracht. Der Sex war einfach zu schön um es nicht zu tun zu wollen. Seine Nähe brauchte ich. Es hat ein bisschen gedauert, aber irgendwann konnten wir so sein wie wir sind. Ich wollte ihn so sehr. Er sang in meiner Dusche. Ich habe ihn dazu gebracht an mich zu denken wenn er eine Frau oral befriedigt, oder es versucht.
Wir reden über dies und das, manchmal fällt ein zweideutiger Kommentar. Er grinst frech mit seinem schönen Mund, den man wunderbar küssen kann. Das Bedürfnis habe ich nicht mehr. Ich liebe ihn jetzt anders.
"Becci und ich sind eben Seelenverwandt." :)
Zwei Stunden später lass ich ihn weiterziehen. Wir hassen Abschiede. Wir hassen lange Abschiede. Ich dreh mich nicht um, als ich gehe.






Kommentare
hat schon was. :)
18.04.2012, 02:59 von snaty