Natickie 17.01.2007, 13:12 Uhr 7 3

Ein Exkurs namens

Ein weiser Mann sagte einst: „Liebe ist die wunderbare Gabe einen Menschen so zu sehen wie er nicht ist.“ Er hat recht, traurigerweise hat er recht.

Ein weiser Mann sagte einst:

„Liebe ist die wunderbare Gabe einen Menschen so zu sehen wie er nicht ist.“

Er hat recht, trauriger weise hat er recht…
„Nichts hält ewig“ wieso eigentlich nicht, wieso nicht einmal die Liebe, die doch die Erfüllung unseres Lebens und unserer tiefsten Sehnsüchte darstellen soll…wieso können wir nicht auf Dauer glücklich sein…sind wir alles Mitglieder einer geheimen Masochisten Selbsthilfegruppe?
Ganz pragmatisch gesehen was bringt uns die Liebe, klar unbeschreibliches Glück für eine gewisse Zeit doch früher oder später stürzt sie uns ins größte Unglück das unserer Seele widerfahren kann…
Wer fand sich nicht schon von Tränen überströmt und im Selbstmitleid versinkend weil er sich auf sie eingelassen hat….
Kein anderer Schmerz wird so oft und freiwillig in Kauf genommen wie die Liebe…
Wieso lernen wir nicht aus unseren Erfahrungen, sonst wollen wir doch alle so weise sein, über den Dingen stehen, aber wenn es um die Liebe geht, fallen wir erneut auf sie rein.
Vielleicht weil es nur ein biochemischer Prozess des Gehirnes ist, der unseren Körper dazu bringt Hormone auszuschütten...
Aber ich weigere mich dass zu glauben, wenn es nur das wäre würden nicht 98% der produzierten Musik Herzschmerz verarbeiten und unendliche Liebesgeschichten wiedergeben…
Und nach jeder vorbeigezogenen Liebe in der man seine Seele und alles preisgegeben hat, steht man wieder am gleichen Punkt: „wieso eigentlich? Also ich werd mich nicht mehr verlieben, so viel steht fest“ und doch trifft man Tage, Wochen oder gar Monate später den nächsten potentiellen Neuanfang und die Erfüllung unsere Träume und denkt sich „Wieso eigentlich nicht, diesmal klappt es bestimmt“, bis wir Monate, Jahre später wieder erkennen dass er/sie doch nicht so perfekt ist wie es einst schien und wir uns in mühevoller Kleinstarbeit Monate hinter Kuschelrock CDs, Badewannen und Kerzenschein verstecken und unsere Entscheidung oder die des anderen hundertmal durchspielen…ein Gefühlsbad zwischen Hass und Liebe immer wieder das selbe auf und ab…man kann nicht mehr schlafen und essen will man schon lang nichts mehr…also wieso eigentlich? Würden wir uns freiwillig in regelmäßigen Abständen den kleinen Zeh an der Bettkante stoßen wo wir doch wissen, dass es früher oder später höllisch wehtun wird? Nein! Nur macht einen die Liebe in der ersten Zeit wahrscheinlich so glücklich dass sie uns das alles vergessen lässt, der naive Glaube und die Sehnsucht in jedem von uns, nicht allein zu sein, jemanden zu haben der immer für einen da ist, einen versteht und einen nie enttäuschen würde, jemand der einen in den Arm nimmt und einen festhält wenn die ganze Welt am zerbrechen ist…auch wen dieser jemand im Laufe unseres Lebens wohl oft ein anderes Gesicht tragen wird und uns dieser jemand sehr oft enttäuschen und zum Weinen bringen wird….
Auch wenn ich nicht sagen kann warum, werde ich trotzdem nicht aufhören „mir den Zeh an der Bettkante zu stoßen“ und mir jedes Mal aufs Neue vorzunehmen, in Zukunft besser aufzupassen…man möge mich naiv nenne…ich nenne es menschlich.

Wie Goethe es bereits verlauten lies:

„In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!“

In diesem Sinne: auf ein neues Masochisten!

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7 Antworten

Kommentare

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  • 0

    super schöner text und trifft irgendwie genau das was ich glaube in jedem von uns vorgeht...
    wunderschön zu lesen und noch besser sich rein zu versetzen - mitreißend - toll :)

    15.06.2009, 21:09 von saesh
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    noch ein tolles goethe-zizat zum thema:
    "wenn`s dir in kopf und herzen schwirrt -
    was willst du bess`res haben?
    wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
    der lasse sich begraben."
    lg, eva

    20.03.2007, 16:07 von kreatives_chaos
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    "sind wir alles Mitglieder einer geheimen Masochisten Selbsthilfegruppe? " - :D sehr gut!

    naja... das ist doch das spanndende am menschsein, oder nicht? was wärer glück schon ohne die erfahrung des schmerzes, und gibt es einen schöneren schmerz als den liebeskummer?

    schöner text.

    28.02.2007, 20:08 von la_mai
    • 0

      @la_mai vielen lieben dank für den kommentar^^ na ja ehrlich gesagt bin ich eher der überzeugung das liebeskummer kein luxus ist eher der schlimmste vorstellbare schmerz ^^
      aber freut mich das der masochisten vergleich anklang findet :)

      28.02.2007, 20:13 von Natickie
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  • 0

    mir gefällt dein Artikel sehr gut, weil du das ausdrückst, was ich auch nie nachvollziehen konnte.
    Irgendwie fühlt man sich so, als würde einem das Herz aus dem Leib gerissen, wenn man sich endlich eingestehen muss, dass es wieder nicht der Richtige war und es wieder zu ende geht.
    Ich glaub man muss die Zeit zwischendrin einfach genießen, das macht Vergangenes wieder gut.. Tja und ob das dann immer so weitergeht...?

    26.02.2007, 16:58 von Basmati
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    • 0

      @[Benutzer gelöscht] das ist ne tolle antwort, du hast recht, so habe ich das nicht gesehen, aber es ist wirklich jedes mal eine andere bettkante, danke für das anregende comment ^^

      23.01.2007, 21:45 von Natickie
  • 0

    Auch wenn ich nicht sagen kann warum, werde ich trotzdem nicht aufhören „mir den Zeh an der Bettkante zu stoßen“ und mir jedes Mal aufs Neue vorzunehmen, in Zukunft besser aufzupassen...

    Cooler Vergleich, trifft den Nagel irgendwie genau auf den Kopf!

    19.01.2007, 01:00 von Bennsen
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