Eleganz 12.11.2008, 17:59 Uhr 1 1

Ein bisschen verliebt, vielleicht.

Er fordert sie heraus, fordert die Gefühle heraus, will sie besitzen, die Gefühle, die Frau, vielleicht nimmt er alles auch nicht so ernst wie sie.

Sie treffen sich, sie verlieben sich, oder hatte nur sie sich verliebt? Zweifel, das bewusst werden einer jämmerlichen Naivität, nicht los lassen können, ein missglückter Versuch der Verdrängung, Zerstreuungen und immer wieder die Gewissheit, dass es nie enden wird. „Glaubst du, dass irgendwann einmal alles endet?“ hatte man sie gefragt und nur bezüglich des vorausgegangenem Gedankengangs war die Antwort einfach, zu einfach, nicht hinterfragbar, nicht abwägbar. Nein. Man ist nicht verliebt, man liebt nicht, wie lächerlich, wie sollte man lieben können. Lieben ohne Erwiderung. Woher sollte man wissen, wie es sich anfühlte, anfühlte zu lieben, hatte man dieses Gefühl doch noch nie verspürt. Wir reden nicht von der Liebe zwischen Freunden und Familie.

Die Geschichte ist plump. Sie sieht ihn, sie ist nicht verliebt. Liebe auf den ersten Blick, wer glaubt schon daran? Sie glaubt daran, denn sie ist romantisch. Man muss nur dran glauben, sagt man doch so. Ist es nicht so, oder spielt die Naivität wieder einen Streich?

Eine plumpe Geschichte. Sie sieht ihn, sie ist nicht verliebt. Die Gefühle kommen später. Vielleicht waren sie schon immer da. Sie weiß es nicht. Man redet vom Unterbewusstsein, wer weiß, vielleicht lagen sie tief vergraben unter Dingen, die damals wichtiger erschienen. Erst langsam haben sie sich nach oben gegraben. Wer weiß. Es spricht für die Romantikerin, so zu denken, ist es nicht so?

Die Geschichte ist plump. Sie sieht ihn, sie ist nicht verliebt. Die Gefühle kommen später. Er fordert sie heraus, fordert die Gefühle heraus, will sie besitzen, die Gefühle, die Frau, vielleicht nimmt er alles auch nicht so ernst wie sie. Bestimmt nimmt er nicht alles so ernst. Nicht so ernst wie sie. Sie nimmt ihn ernst, steigert sich hinein, beschreibt das, was sie fühlt plötzlich als Verliebtheit. Aber was ist das? Was ist die Definition davon? Sie hat gehört, so etwas gibt es nicht. Ob man verliebt ist, das weiß man immer erst im Nachhinein. Sie glaubt daran. So oft schon verliebt und im Nachhinein bewusst geworden, dass es nur die Sehnsucht war. Die Sehnsucht nach Nähe, die Sehnsucht, sich fallen lassen zu können und zu wissen, dass man aufgefangen wird.

Bei ihm anders? Wohl kaum. Aber… wer weiß. Eine Romantikerin.
Die Geschichte so plump. So plump, denn bei jedem gleich. Und dennoch… bei jedem anders.

1

Diesen Text mochten auch

1 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Ein richtig schöner Text. Ich kann alles nachvollziehen.

    "...Sie nimmt ihn ernst, steigert sich hinein, beschreibt das, was sie fühlt plötzlich als Verliebtheit...."

    Das ist ein sehr passende Stelle. Aber auf jeden Fall sehr schön.

    12.11.2008, 20:21 von clueso-freak
    • Kommentar schreiben

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
13. Mai 2013

Neueste Artikel-Kommentare

NEON-Apps für iOS und Android