Es ist Dienstagnachmittag und in der Uni wieder einmal die Hölle los, ich schlendere durch die Menschenmassen, unbewusst, zielstrebig zu der Ecke wo Du wahrscheinlich sitzen wirst, weil wir dort schon immer gesessen haben, seit dem ersten Tag vor gut einem Jahr.
Draußen schneit es wieder heftigst unweigerlich macht sich ein Grinsen auf meinem Gesicht breit, Du bist der einzige Mensch den ich kenne, der sich freut wenn es schneit. Ich erinnere mich wie du letzten Winter im Innenhof gestanden hast, den Kopf gen Himmel geregt und unglaublich zufrieden und befreit aussahst, als wären alle deine Sorgen weg.
Ich merke wie mein Gang sich beschleunigt hat, ich will Dich sehen, selbst nach all dem was war, heute geht es mir immer noch nicht besser als an dem Tag wo ich gegangen bin.
Um die Ecke gebogen verharre ich kurz vor der Sitzecke, Deine langen dunkelbraunen Haare fallen sanft über deine Schulter Richtung Tisch, hastig tippst Du einige Zeilen bevor du in alter Gewohnheit anfängst auf der Lippe zu kauen und deine Ärmel über die Hände ziehst.
Mager bist Du geworden, dein Gesicht eingefallen und der freudige Ausdruck in deinen Augen ist einem leeren, kraftlosen Braun gewichen. Du siehst auf, registrierst mich ' Hey, alles gut bei Dir?' -' Soweit, wie geht es Dir? Hattest du noch ein tolles Wochenende?' antworte ich gereizter als es beabsichtigt war. Du verdrehst die Augen und schaust mich mit einer Mischung aus Wut und Resignation an ' Du hast kein Recht mehr dazu, wir sind Freunde mehr nicht..' "nicht mehr" denke ich '...und es gibt Dinge da hast du Dich nicht mehr zu zu äußern. Kapiert? '
Deine Stimme ist zornig, wie recht du damit hast, Schuld bin ich ja selber daran, daran dass Du distanziert mir gegenüber bist. Es fehlt mir mehr als ich zugeben mag, Du fehlst mir mehr als ich mir eingestehen will. Ich schweife in Gedanken ab, denke daran wie glücklich du warst als es noch ein ' uns' gab, Du hast mich geliebt, sehr sogar. Und ich?
Nun ja ich habe Dich so unglaublich begehrt, deine langen Beine und wie sie sich in deinen dünnen und zugleich sehr weiblichen Körper einfügten, als seien sie eine Art goldene Straße,deine Art wie Du mit mir umgegangen bist, offen, frech und direkt, immer ein wenig eigensinnig und stolz, insgeheim tue ich es immer noch.
Eben beim Bäcker habe ich noch überlegt Dir dein Lieblingsbrötchen zu kaufen, nur um mir die Illusion, einer Beziehung zwischen Dir und mir, kurz zu erschaffen
Als der Schnee das letzte Mal gefallen ist, wollte ich kein 'uns' mehr, warum kann ich bis Heute nicht sagen, doch jetzt, wo Du mich in die Kategorie verband hast in die ich wollte, da wünsche ich mir so sehr ich wäre weiser gewesen.
Du liebst mich noch immer, das weiß ich, jeder in unserem Freundeskreis weiß es, aber Du bist zu stolz um erneut um mich zu kämpfen. Insgeheim bewundere ich genau solche Eigenschaften so sehr an Dir und ich bin dankbar dass ich noch in deinem Leben sein darf, so sehr.
Das Knarren deines Stuhles reist mich aus den Gedanken, dein Blick schweift über mich, er ist leicht genervt, rasch ziehen deine dünnen Finger einen Schein aus dem Portemonnaie bevor du raschen Schrittes in der Mensa verschwindest. Mein Blick bleibt bei den Bildern in deinem Portemonnaie hängen, Freunde, Geschwister aber keines mehr von mir, ein wenig getroffen lehne ich mich zurück.
Schließe die Augen um in meinen Gedanken zu verweilen, der einzige Ort wo ich Dich nicht teilen muss. Und ich wünsche mir irgendwann wieder das größte Bild in deinem Portmonnaie zu sein, irgendwann wenn ich gut genug bin um Dich legitim um Verzeihung zu bitten.
Kommentare
Ich mag den Titel vom Text.
07.02.2013, 15:13 von See_Emm_Why_KayJetzt wünsche ich mir auch das du den Weg ins Portmonnaie zurückbekommst...
06.02.2013, 22:52 von DittscheImmerhin besser als ich hab nen neuen und dann angekrochen kommen das es so ein riesen Fehler war.
21.05.2013, 17:30 von Ick3das ist jacke wie hose. das "klingt" wenigstens nach einem grund. schluss machen, ohne zu wissen, warum, ist eine meisterleistung der demütigung.
21.05.2013, 18:23 von Lichtspiel