Tinuschka 12.01.2013, 02:22 Uhr 4 3

Eier von Netto

Von Gefühlen und Bedürfnissen - im 1. und 2. Stock.

Ich ging aus dem Bahnhof. Das Päckchen in der Hand. Er wollte nicht sehen, wie ich es öffne. Hat es mir mit Absicht erst gegeben, als er in den Zug einstieg. Er war extra mit dem Fahrrad gekommen, 60 km waren schon ein gutes Stück, sogar für ihn. Ich war in der Mensa als er mich anrief. Ich solle doch bitte zum Supermarkt um die Ecke kommen. Ich wusste nicht, was er wollte und es war mir wieder etwas zu viel. Zu spontan, zu aufdringlich. Aber ich war ihm alles schuldig, also ging ich dorthin. Ich erwartete ihn in seinem Auto, als ich auf den Parkplatz des Supermarktes trat. Doch da kam er mir entgegen, auf dem Fahrrad. Ich war beeindruckt, hatte er mich doch kaum mit dem Fahrrad besucht, als wir nur ein paar Minuten entfernt von einander wohnten. Er versuchte es mit allen Mitteln. Wir gingen spazieren, sprachen über dies und das, alles sehr oberflächlich. Es war seltsam nicht einfach seine Hand nehmen zu können.  Es war sehr angespannt. Als es Zeit wurde, brachte ich ihn zum Bahnhof. Mein Rad unter tausend Rädern abgeschlossen, schob er seins zum Gleis. Und dann gab er es mir. Das Päckchen, auf dem ein orangener Zettel klebte. Mit meinem Namen und meiner Adresse drauf. Der Zug fuhr ab und sein Gesicht verlor sich in der Ferne. Ich ging zu meinem Fahrrad. Haderte mit mir, sollte ich es jetzt öffnen oder doch erst zu Hause. Ich hielt es nicht aus und öffnete es unter all den Rädern. Da stand ich, eine junge Frau, einen achtseitigen Brief in der Hand, mit Tränen überströmten Gesicht. Er gab mir Zeit zum Nachdenken. Doch all das machte es nicht besser. Wie sehr ich ihm weh getan hatte, stand dort, wie  er nicht schlafen könne und es doch verstehe. Wie konnte er noch so lieb sein, ich hatte es nicht verdient. Meine Brust zog sich zusammen, ich hatte das Gefühl auseinander zu brechen. Ich stieg auf mein Fahrrad und konnte den ganzen Weg  nicht aufhören zu weinen. Zu Hause angekommen, war ich froh, dass mir niemand über den Weg lief. Ich schob die von ihm gebrannte CD in meinen Laptop. Und das Lied, das eine, lässt bis heute mein Herz vor Schmerz aufschreien. Ich saß in meinem Zimmer, auf dem Drehstuhl, den er mir geschenkt hatte. In einem Zimmer wo alles mich an ihn erinnerte. Und weinte, nein ich schluchzte, weil ich nicht fassen konnte, was ich ihm angetan hatte. Da bekam ich eine SMS. Wollte er wissen, wie meine Antwort war? Ich wusste es nicht, ich konnte ihn nicht mehr genug lieben. Es fühlte sich nicht mehr richtig an in seinen Armen zu liegen. Doch ihn zur Begrüßung nicht zu küssen, nicht einfach seine Hand zu nehmen, fühlte sich genau so falsch an. Ich wollte ihn nicht verlieren, das wusste ich! Er ist ein Teil meines Lebens, immer! Doch es war eine Nachricht meiner Mitbewohnerin, die darum bat, ihr Eier vom Netto mit zu bringen. 

KW 5.1.2013

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4 Antworten

Kommentare

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    oh wie dramatisch! ... meh

    02.02.2013, 14:53 von butterkitten
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    Er verschenkt Drehstühle? Das hat Stil.

    21.01.2013, 09:15 von berlin_bombay
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    Welches Lied ? Los, gib uns den Rest !!!

    14.01.2013, 18:48 von cosmokatze
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      Heaven Shall Burn - Black Tears

      21.01.2013, 10:20 von Jingeling89
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