Finish. 30.11.-0001, 00:00 Uhr 4 3

Duschen

Ich reiße die Fenster auf, lege mich auf den kalten Boden [...] Du wirst es überleben flüstert er in rauschender Stimme.

Aus dem Zimmer nebenan schleichen sich die letzen „Lila Wolken“ unter dem Duschvorhang her und legen sich auf meine nasse, gewärmte Haut. Seit Minuten rauscht die Welt vorbei, getragen von den lauthals sprudelnden Wassermassen. Die langgezogenen Haare liegen wie ein weiches Schild vor weitern Tropfen auf meinem Rücken. Die Arme haben sich um den, von der Hitze des Wassers rot gefleckten, Körper gelegt, die Augen geschlossen. Die dumpfen Töne des Radios aus der Küche versuchen sich durch die Wand aus heißem Wasser in meinen Kopf zu kämpfen. Natürlich gelingt ihnen der Versuch „Cause we got the fire; And we're burning one hell of a something“ - Um 11:30 schmerzt die Nutzlosigkeit des Körpers mehr als der Liebeskummer, der in der vergangenen Nacht langsam unzählige Tränen in die Kissen gedrückt hat. Phasen der Traurigkeit haben aber ebenso wenig Sinn, wie Aneinanderreihungen aus purem Glück – Im Endeffekt sind sie die duellierenden Schauspieler der menschlichen Psyche und dienen ihr als Unterhaltung. Ein Wettstreit im emotionalen Theater - der Regisseur hätte lange eingreifen müssen, aber den hat die Lust verlassen die beiden Dickköpfe in ihre zugewiesenen Rollen zurück zu drängen. Der Vorhang fällt. Der Mensch braucht sein Gegenüber, um sich selbst ertragen zu können. Im Alleingang verliert er die Beherrschung über sein Selbst. Nur um zu testen, ob das kalte Wasser den Winterschlaf aufhalten kann, drehe ich den Duschknopf herum. Nichts geschieht. Stattdessen stehe ich weniger Minuten später vor den ironisch lächelnden Raureifablagerungen, die sich in der Nacht die Ehre gegeben haben, einen Platz auf den Fensterscheiben zu suchen. Ich reiße die Fenster auf, lege mich auf den kalten Boden und spüre, wie der Winter Einzug hält. Du wirst es überleben flüstert er in rauschender Stimme – Wenn ich könnte würde ich aussteigen aus dem, sich im Kreis drehenden, Karussell. „Halt, Stopp, die folgende Runde ohne mich. Ich steige demnächst wieder ein!“ rufen die verbliebenen Gedanken. Ihnen ist soeben bewusst geworden, wie sehr sie doch abhängig sind von den alljährlichen, nicht kooperierenden Stimmungen der Natur. Es ist November. Was folgen wird sind keine Monate sondern die Wartezeit. Sind keine Erlebnisse, sondern Vorbereitungen auf eine neue Runde Sonnenstrahlenfangen, WindindenHaaren, Sommerluftatmen und Liebe. Der Mensch braucht sein Gegenüber, um sich selbst ertragen zu können. Zu zweit verlieren wir die Beherrschung. In einer traumhaften, lieblichen Eleganz. „Aufgepasst!“, ruft der Regisseur „ Verdammt noch mal, nehmt eure Positionen ein und fangt an zu Improvisieren!“


Tags: Duschen, Psyche, Durcheinander
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4 Antworten

Kommentare

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  • 0

    in den Tags solltest du 'Menschheit' mit deinem Namen ersetzen? (dann sind die Faustauge)

    23.11.2013, 08:16 von SteveStitches
    • 0

      oder lass die 'Menschheit' einfach weg - die drei Begriffe reichen völlig

      24.11.2013, 21:05 von SteveStitches
    • 1

      Dann werde ich das mal tun :D

      25.11.2013, 12:13 von Finish.
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  • 0

    manche Stellen berühren mich so krass weil ich mich echt angesprochen fühle. an andereen denke ich dass da noch mehr potential ist - colle Sache jedenfalls, freue mich auf mehr :)

    21.11.2013, 23:51 von BlueberryMint
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