Durch die Fenster des Abendzuges..
Regen tropfte von der Kante des Bahnsteigdaches. Ihre dünne Jeansjacke war durchnässt, ihr blondes Haar hing ihr in feuchten Strähnen ins Gesicht...
Regen tropfte von der Kante des Bahnsteigdaches. Ihre dünne Jeansjacke war durchnässt, ihr blondes Haar war wellig und hing ihr in feuchten Strähnen ins Gesicht. Ihr Makeup hinterließ dunkle, schwarze Schatten auf ihren hohen Wangenknochen, als es in dicken Tropfen langsam nach unten floss. Vermutlich war nicht nur der Regen dafür verantwortlich. Sie hätte unter das Dach gehen können, ins Trockene, doch sie spürte die klamme Kälte, die an diesem frühen Märzabend durch die nasse Kleidung drang nicht. Sie hörte nur das Ticken der Bahnhofsuhr neben sich, und den Takt des tropfenden Regens. In der Ferne hörte sie das Pfeifen eines nahenden Zuges. 18 Uhr, Abendzug. Wieder einmal, wie schon zu oft. Hoffnung machte sich in ihr breit. Verzweifelte Hoffnung, wie schon viel zu oft.
Langsam und laut fuhr der Zug in den kleinen Bahnhof ein. Feiner Sprühnebel spritze von den Gleisen auf, schillernd in gleisenden Licht der Scheinwerfer. Der Zug hielt. Der Bahnsteig war menschenleer. Keiner der Fahrgäste schien auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, in diesem trostlosen Städtchen bei diesem Wetter auszusteigen. Langsam setzten sich die stählernen Räder wieder in Bewegung. Die hell erleuchteten Fenster zogen schneller und schneller an ihr vorbei. Die Rücklichter ließen die nassen Schienen wie blutrote Adern aussehen, bis sie sich im dunklen der Nacht verloren.
Regen tropfte von der Kante des Bahnsteigdaches, vom Saum ihrer Jacke und von ihrer Nasenspitze. Wieder einmal stand sie da, allein. Ein Jahr ist eine lange Zeit...
Tags: Bahnhof, Zug






Kommentare
Und schon ist es früher Abend :) Trotz der Kürze fand ich auch hier ganz schnell die Trostlosigkeit dieses Bahnsteigs. Bitte mehr davon ;-)
16.07.2012, 07:11 von Mrs.McH