sansmots 22.09.2011, 17:21 Uhr 18 23

Dunkelgrüner Notausgang

Ich sehe nicht rot, sehe grün, alles ist gut zwischen uns, nichts endet, aber ich will trotzdem weg. Panik macht sich breit, verteilt sich langsam...

Du kommst nicht zum Punkt. Wir quatschen, sind angespannt, weil wir beide wissen, dass gleich etwas kommt. Als du anfängst, über uns zu reden und das Wort "Zukunft" in den Mund nimmst, ist genau der Moment gekommen, den ich vermeiden wollte. Deswegen, genau deswegen, hatte ich es schon zu Beginn gesagt...

Ich sehe nicht rot, sehe grün, alles ist gut zwischen uns, nichts endet, aber ich will trotzdem weg. Panik macht sich breit, verteilt sich langsam aber klebrig wie Waldgeist auf dem Parkettboden, bringt mich zum ausrutschen, lässt mich fast hinfallen.

Du hattest angerufen, wir sollten uns treffen, alles sei in Ordnung, du würdest nur gerne mit mir reden. Ich ahnte, was kommen würde und konnte nicht schlucken, freue mich aber trotzdem. Auf dich. Zwischen uns ist was, was super ist, aber gleich zu Beginn sagte ich dir, dass ich nicht auf der Suche bin.
 Kalenderblätter flogen so schnell, wie auch unsere Hemmungen. Wir kennen uns, wir mögen uns. Wenn es Probleme gab oder ich mich eingeengt gefühlt habe, gabs immer Kuchen und Kaffee und alles war vergessen. Und ich will, dass es bleibt. Ich will nicht mehr, will nicht die Freundin von irgendwem sein. Ich will dich so wie jetzt, und mich so wie jetzt.

Deine Augen sehen mich mit großer Erwartung an, deine Hände drücken meine.
Ich will vorsichtig sein, deinen verletzlichen Augen nicht wehtun. "Ich hatte dir doch gesagt, dass ich eigentlich nicht..."
 Deine Hände lösen sich, lassen meine los, sie fallen als wären sie taub und hängen an meinen Armen, als wären sie völlig deplatziert.
 Für einige Sekunden zeigt dein Gesicht jenen Ausdruck, den ich nicht sehen wollte. Dann lächelst du plötzlich, lachst etwas schrill und nimmst meine Hände wieder, drückst sie, ein wenig zu fest. "Ach, ich weiß doch...!" Du winkst ab, drückst mich, willst, dass ich dir glaube.

Ich stehe auf und hole den Kaffee.

23

Diesen Text mochten auch

18 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Beeindruckender Text und unagenehm bekannte situation...

    29.09.2011, 15:55 von Artemius
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Toller Text!

    28.09.2011, 14:03 von Vibe
    • Kommentar schreiben
  • 0

    verstehe ich nur all zu gut... da kann man nur hoffen das sich die situation nicht nach jedem kaffee wiederholt...

    27.09.2011, 19:50 von Milaa11
    • Kommentar schreiben
  • 0

    http://www.magistrix.de/lyrics/Clueso/Ich-Bin-Fuers-Rollen-1121392.html schaut hier mal kurz rein ;)

    26.09.2011, 11:21 von MiguelStinson
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    schön geschrieben =]

    24.09.2011, 23:36 von soulvocals
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Warum diese Ängste?

    24.09.2011, 21:57 von Ekel
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Manchmal ist es einfacher die Zeit zu genießen, die man gemeinsam hat und sich nicht über die Zukunft gedanken machen.

    24.09.2011, 17:49 von Zwuggel
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
10. Juni 2013

Neueste Artikel-Kommentare

NEON-Apps für iOS und Android