The_Blessed. 13.10.2014, 20:43 Uhr 1 2

Du

Das ist mein Aufruf an dich. Wenn es dich überhaupt gibt.

Hey Du.
Das geht an dich da draußen.
Ich warte schon lange auf dich. Wir haben doch ein Treffen ausgemacht, ganz unverbindlich. Am Anfang wird es vielleicht komisch sein, wir sind uns in diesem Rahmen ja noch nicht begegnet, mit dem Wissen im Hinterkopf, dass es vielleicht mehr als nur Freundschaft sein könnte. Warnen muss ich dich auch, ich könnte manchmal etwas kompliziert sein. ‚Einfacher Freund‘ ist nicht gerade ein Synonym meiner Persönlichkeit.

Dann, nachdem es doch gar nicht so doof war, könnte ja ein zweites Treffen folgen, und ein drittes gleich hinterher. Dann werden wir irgendwann irgendwie merken, dass wir im selben Team spielen, auf dieselbe Musik abfahren, uns für die Eigenschaften des Anderen begeistern, nächtelang zu zweit wahre Plauschfestivals zelebrieren können und danach Ärger wegen der hohen Telefonrechnungen bekommen werden, die Bereitschaft dazu haben werden, zu sagen: ,Du, ich mag dich, das ist mehr als bloß Freundschaft.' . Wir werden merken, irgendwann und irgendwie, der andere, mit dem kann ich über alles reden, vor dem brauche ich keine Geheimnisse zu haben, und selbst wenn, dann nur, weil ich einfach noch nicht alles erzählen konnte. Irgendwann und Irgendwie wird alles lustig, die öden Horrorfilme aus den '70ern auf einmal spannend, ein Sonntagnachmittag mit dem Gedanken an den verhassten Montag ein magischer Tag, ein Samstag ohne Party zum schönsten Abend der Woche. Bei dem anderen wird man immer am Fesnter klopfen können, egal zu welcher Uhrzeit, denn er wird sich immer Zeit für dich nehmen.
Wir bringen eine Metamorphose in den Alltag des Anderen, dieser Eindruck wird uns irgendwann nicht mehr loslassen, eine, die all das Schlechte ausmerzt und Platz für neue, positive Gefühle schafft. Ja und vielleicht lässt du mich spüren, dass auch ich, eine in der Liebe vollkommen glücklose Gestalt, ebenfalls dazugehöre zu diesem riesigen Karussell, welches sich in atemberaubender Geschwindigkeit um die eigene Achse dreht und in seinen Insassen eine unbeschreibliche Gefühlsberg- und Talfahrt heraufbeschwört. Auf meiner Fahrkarte wird dein Name stehen. Dieses Karussell, das Liebe heißt, wird dann auch für mich benutzbar sein - auf eigene Gefahr - schon klar, aber dieses Risiko werde ich für dich in Kauf nehmen.

Wenn du mich dann richtig gut kennen gelernt hast, wirst du auch meine Liebe zum Texte schreiben - ja, die ist ziemlich persönlich - entdeckt haben und ließt vielleicht gerade das hier.
Wutentbrannt packst du nun einen roten Stift aus, wie es die Lehrer einst in der Schule taten, und ziehst einen gewaltigen Strich neben den kompletten obigen Text, denn es ist alles falsch. Mindestens fünf Tempora Fehler und meine Güte, all diese Verben stehen im komplett falschen Modus. Außerdem sind Angaben wie ,irgendwann' und ,irgendwie' echt unpräzise, sagst du mir in diesem Augenblick.
Und ich lasse dich gewähren, denn du bist die, die den Text erst falsch gemacht hat.

Am Anfang war es komisch, doch wir haben uns nach und nach gut verstanden, es folgte ein zweites und drittes Treffen.
Schnell war klar, wir spielen im selben Team, fahren auf dieselbe Musik ab, können uns für die Eigenschaften des anderen begeistern, nächtelang zu zweit wahre Plauschfestivals zelebrieren und danach Ärger wegen der hohen Telefonrechnungen bekommen, haben die Bereitschaft zu sagen: ,Du, ich mag dich, das ist mehr als bloß Freundschaft.'.
Mit dir kann ich über alles reden, ich brauche keine Geheimnisse vor dir zu haben, und selbst wenn, dann hatte ich nur noch nicht die Gelegenheit, sie zu erzählen.
Was auch immer wir beide zusammen machen, es ist einzigartig. Sei es, sich schlecht gemachte Horrorfilme aus den '70ern anzusehen, Sonntag nachmittags einfach abzuhängen oder samstags die eigene Party zu schmeißen, nur zu zweit.
Es ist egal, wie spät es war, du konntest immer zu mir kommen und kannst es jederzeit wieder tun, ich bin gerne für dich da. Klopf einfach an mein Fenster.
Ich habe den Eindruck, durch dich kam eine Metamorphose in meinen Alltag, die all die negativen Gefühle wegschwemmte und eine Flut an neuer, positiver Energie hinterließ.
Du bist meine ganz persönliche Eintrittskarte zu dem Karussell, das Liebe heißt, ich sehe nicht mehr so aus wie ein verwahrloster Ticketsuchender vor einem Fussballstadion, nein, ich bin jetzt mittendrin! Und ich genieße dieses Spektakel, zwar weiß ich, dass es auf eigene Gefahr ist, doch dieses Risiko nehme ich für dich in Kauf.

Doch dann wache ich an meinem Schreibtisch auf, der Text ist nicht voller roter Anstriche und Randbemerkungen. Da liegen sie, die zwei DIN-A4 Seiten, die ich zuvor unter der Version 'final_text:DU.doc' ausgedruckt habe. Es ist spät in der Nacht. 2, vielleicht 3 Uhr.
‚War das alles nur ein Traum?', denke ich in diesem Moment resignierend, doch ich habe keine Zeit, diesen Gedanken zu Ende zu führen, denn irgendjemand klopft an meinem Fenster.


Tags: liebe, Liebe erstes Treffen Kennenlernen
2

Diesen Text mochten auch

1 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Sehr schön!

    15.10.2014, 20:51 von LaSuerte
    • Kommentar schreiben

NEON im Netz

Spezial: Städtereisen

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare

  • 10% Gefühl

    „ Du sagtest: Mehr als 10% deiner Freiheit würdest du...“

    23.07.2016 von Dr_Lapsus
  • #cheatday

    „Bzw. was die "jüngeren" Leute so bewegt (ich habe ne...“

    23.07.2016 von mirror87
  • 10% Gefühl

    „Ein schöner Freiheitsbegriff: Ich raube mir die Hälf...“

    23.07.2016 von Hattori-Hanzo
  • 10% Gefühl

    „ Klar heute sagt jeder: Ich brauche nur mich selbst ...“

    23.07.2016 von sailor
  • 10% Gefühl

    „»Aber schaut man sich die glücklichsten Beziehungen ...“

    23.07.2016 von sailor