ChloroPhyl 12.06.2008, 21:37 Uhr 6 1

Du wärst dran mit Liebe.

Wir sitzen uns gegenüber, an diesem schwülen Sommertag. Dir ist so furchtbar kalt, sagst du und legst deine Hände in deinen Schoß.

Ich spare es mir, mit den Augen zu rollen.
Gehorsam nehme ich deine zarten Hände und halte sie in meinen.
Warm fühlen sie sich an, deutlich wärmer als meine.
Ich fühle mich leer.
So voll von Leere, dass ich platzen könnte.

Du sagst, ich solle doch einmal lächeln.
Das täte ich so selten in letzter Zeit.
Und ich bemerke nur am Rande, wie sich meine Mundwinkel bemühen, sich aufzurichten.

Dann suchst du meinen Blick und findest ihn.
Langsam beugst du dich herunter zu mir.
Ich schließe die Augen und erschnuppere den beißend süßen Duft, der von dir ausgeht.
Widerwillig öffne ich meine Augen und erblicke dich, mit nun ebenfalls geschlossenen Augen und gespitzten Lippen.
Ich schüttele langsam den Kopf und küsse dich, monoton und emotionslos, wie einstudiert.
Es fühlt sich nicht gut an. Nicht im Geringsten.

Du fragst mich, wieso ich nun aufstehe.
Ob ich nicht noch bleiben wollte, dir sei doch so kalt.
Ich schnaube leise, während ich aus dem Fenster schaue.
Die Sonne brennt vom Himmel und grillt die verliebten Pärchen, die vor Eiscafés und Eckkneipen verweilen und sich angeregt unterhalten.
Ich beobachte einen älteren Herrn, wie er seine Begleiterin mit Erdbeereis füttert.
Mit einem verliebten Blick kostet sie von der kühlen Speise und nimmt nun an ihrer Stelle den Löffel in die Hand, um ihn kosten zu lassen.

Ich senke den Blick.
Du rufst nach mir, dein Rücken sei verspannt.
Ob ich nicht einmal Hand anlegen könne, ich habe doch so fähige Hände.
Ich setze eine entschuldigende Miene auf. Mir sei es nicht wohl, ich bräuchte etwas Zeit für mich.
Du fragst, ob du eine Ärztin rufen solltest.
Nicht, dass du dich nicht um mich kümmern wollest, du habest bloß Angst, dich anzustecken.
Ich verlasse das Haus und setze ein hässliches Grinsen auf.
Mir ist irgendwie nicht so nach echtem Lachen.

Zu Hause lege ich mich hin.
Ich brauche jetzt ein wenig Schlaf, kostest du mich doch so viel.
Ich schließe die Augen und rümpfe die Nase, als das Telefon schrill zu klingeln beginnt.
Natürlich bist es du, die möchte, dass ich ihr eine gute Nacht wünsche.
Erschöpft lege ich auf, erhebe mich, schlurfe in die Küche, um das Brotmesser zu holen.
Geschockt bemerke ich im Spiegel mein ausdrucksloses Gesicht, während ich das Kabel mit dem Messer durchtrenne.

Am nächsten Tag möchte ich mit dir reden.
Wir sitzen uns wieder gegenüber, anders als vorher.
Du bist zornig, ich dagegen eher ausgelaugt.
Was ich denn wolle, fragst du, eilig hättest du es.
Die Hände hast du in den Hüften.
Ich überlege lange.
Und sage schließlich, dass ich mir schon immer etwas Liebe von dir gewünscht habe.
Ob das denn möglich wäre.
Erschrocken stelle ich fest, dass du lachtst.
Du lachst und lächelst.
Und öffnest deine Arme.
Du tätest mich doch über alles lieben. Mehr als alles auf der Welt.
Und nun solle ich in deine Arme kommen und dich küssen.

Das bräuchtest du jetzt.

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6 Antworten

Kommentare

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    Dankeschön.

    Unterschiedlich. Dieser hier ist Fiktion.

    13.07.2008, 01:05 von ChloroPhyl
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    uuuups.... wie bist du denn an sowas geraten.?
    toll geschrieben..
    cool wie du am ende alles aufdeckst..

    sind deine texte real oder fiktion??

    05.07.2008, 12:31 von pfuetzenhuepferin
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    ich find das mit dem brotmesser toll! boah ich liebe die stelle!
    wieee geil!

    20.06.2008, 22:12 von cumuluswolke
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    Das ist cool - ich hab in dem Text mich selber wiedergefunden und gleichzeitig den Mann, von dem ich mich gerade trenne. Ich bin meistens die, die sagt "mach doch mal, ich bräuchte das" und er meist der, der dann einfach geht oder einfach nicht macht. Dabei will er eigentlich nur Liebe...
    Faszinierend bist Du, junger Mann!

    18.06.2008, 18:16 von Joey_Potter
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    ach du jee.. was lässt du dir bieten, aber mei, was tut man nicht alles für die liebe. is süß geschrieben. =)

    14.06.2008, 00:26 von miralii
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