zitronenfalter84 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 1

Du und ich und ich und Du

Ich mochte Dich. Schon bei der ersten Begegnung. Das daraus vier Jahre später mehr werden würde kam mir damals aber noch nicht in den Sinn.

Auch an diesem Abend nicht, als ich dich da stehen sah und mich tierisch freute Dich nochmal zu sehen. Schon etwas angedüdelt tippte ich Dir auf die Schulter und schon waren wir vertieft in ein Gespräch über Kanada und meine Brüste. Ich weiß nicht mehr wieso, aber du hast auf einmal angefangen davon zu reden und hast nicht mehr aufgehört. Weil ich mir sehr sicher war das du ein sehr anständiger Mann bist, sind wir zusammen auf Toilette. Zumindest wollten wir das. Du hast deinen Arm um mich gelegt und wir sind vorbei gelaufen bis ins Feld. Dort hast du dein Glas weggeworfen, meinen Kopf in deine Hände genommen und mich geküsst. Einfach so. Und bei allen Bedenken die ich hatte, ich machte mit. Weil ich seit langer, langer Zeit jemand gefunden hatte der nach meinem Geschmack küsste. Stundenlang lagen wir dort bis irgendwann die Sonne hinter dem Berg hervor blinzelte. Arm in Arm sind wir zurück gelaufen, Kopfschüttelnd und immer wieder küssend. Du hast mich gegen Wände gedrückt, fuhrst mit deinen Händen durch meine Haare, hast mich mit deinem wahnsinnig sexy Blick angeschaut und mich unglaublich zärtlich geküsst. Es war wie ein Traum. Zuhause habe ich deinen Geruch immer noch in der Nase, will am liebsten nichts ausziehen aus Angst ihn zu verlieren. Der olifagtorische Aspekt ist mehr sehr wichtig. Und du riechst verdammt gut. Nicht nur dein Parfüm, du. Dazu kommt deine Stimme, die so warmherzig ist und bei der ich mich schon vorher immer wohl gefühlt habe. Wenn du sprichst umschließt du mich mit einem Gefühl das ich am liebsten nie wieder missen möchte. Wie eine bestimme aber zärtliche Umarmung. Ich liebe es wenn du meinen Namen sagst. Neckend, bewundernd und mit einem Unterton der mir verrät wie seltsam die ganze Situation ist.

Trotz aller Bedenken und Gewissensbissen habe ich dich ein paar Tage später besucht. Wir haben uns eingeredet das du mir nur die Stadt zeigst und wir gemeinsam kochen. Du hast mich vom Bahnhof abgeholt, du warst nervös und ich wusste nicht recht was ich tun sollte. Ich hab mich nur sofort wieder richtig gefühlt. Wir sind einkaufen gegangen und haben uns gegenseitig beobachtet. Wir müssen komisch ausgesehen haben, du im schicken grauen Anzug und ich mit quitschgelben Schuhen, braunem Flatterrock und sonnengelben Shirt. Es hat mir Spaß gemacht dir zu zuschauen wie du an der Fleischtheke versucht hast zu erklären was du willst und wie du von allem nur das Beste ausgesucht hast und ich erst nicht wusste ob du das tust um mir zu imponieren oder weil du tatsächlich davon überzeugt bist. Bist du. Womit du mir noch mehr imponierst. Prosecco, Secco, Perlwein, Schaumwein – was hört sich für Männer besser an ohne gleich schwul zu klingen....wir können uns nicht einigen und du bleibst bei Prosecco. Schmeckt so oder so. Noch besser nachdem du mir tief in die Augen schaust und mir sagst das du nicht glauben kannst das ich hier bin. Ich kann nicht aufhören zu grinsen. Wie heißt es so schön? Ein blinder mit Krückstock hätte das Knistern zwischen uns bemerkt. Irgendwann werden aus den zufälligen Berührungen und dem umeinander rum schleichen richtige Küsse. Wir brauchen ewig um zu kochen und spülen unser Gewissen mit herrlich kühlem Riesling einfach weg. Ich bekome fast keinen Bissen runter, du schaust mich die ganze Zeit an und ich kann an nichts anderes mehr denken als an deine Lippen und wie gut sich das hier alles anfühlt. Wie ein altes Pärchen wachen wir morgens umschlungen nebeneinander auf. Bleiben viel zu lange im Bett für meinen normalen Geschmack – aber ausnahmsweise habe ich ein gutes Gefühl dabei. Alleine dein Duft in meiner Nase machen meine generellen Bedenken, länger als nötig im Bett zu bleiben, wett. Du sagst mir ich soll mich auf keinen Fall in dich verlieben. Aber genau da weiß ich, dass es schon um mich geschehen ist. Als du mir anbietest mit ins Bad zu kommen, lehne ich ab. Obwohl ich nichts lieber tun würde als dir beim Zähneputzen zu zuschauen, sehen wie du dich rasierst und dich abtrocknest. Ich möchte alles von dir wissen, dich in allen Lebenslagen beobachten. Aber mein Gewissen sagt nein. Das wäre dann irgendwie doch zu Pärchenhaft. Und das sind wir nicht.
Als du mich heimfährst, legst du immer wieder deine Hand auf meine Schenkel, machst mir Komplimente und wir finden heraus das wir den gleichen Musikgeschmack haben. Das wir beide ab und zu sogar gerne klassische Musik hören. Vivaldi.

Am nächsten Abend treffen wir uns wieder, mit einer Schar unserer Freunde um uns. Ich setzte mich neben dich und ganz unauffällig streifst du unter dem Tisch meine Hand, mein Knie. Du schaust mich die ganze Zeit an als wir um das Lagerfeuer sitzen und singen. Keiner soll etwas merken und trotzdem verschwinden wir schon wieder, knutschen und ich gestehe dir das ich auf dem besten Weg bin mich in dich zu verlieben. Wir sind beide zu betrunken. Wir gehen zusammen nach Hause, und alle denken du hättest mich nach Hause gebracht, weil es auf deinem Weg liegt. Ich will neben dir einschlafen, will dich küssen und neben dir aufwachen. Mein Dickschädel siegt. Und du nimmst meine Hand, machst mir tausend Komplimente sagst das das keine Idee ist und im gleichen Atemzug das du alles tun würdest das ich nicht weg gehe. Wenn du solo wärst. Trotzdem nimmst du mich mit nach Hause und schläfst neben mir ein, küsst mich und wachst am nächsten Morgen neben mir auf, mit einem Lächeln im Gesicht. Du sagst mir ich hätte die schönsten Brüste die du je in den Händen hattest, du sagst mir wie schön ich aussehe obwohl ich gerade erst aufgewacht bin und mir von dem vielen Alkohol am Vorabend schwindelig ist und ich mich gerade nicht wirklich wohl in meiner Haut fühle. Du bringst mich nach Hause, parkst dein Auto und kommst mit rein. Eigentlich dachte ich du lässt mich einfach raus und fährst weiter. Stattdessen kannst du nicht aufhören mich zu küssen, willst mich unbedingt wieder sehen, trotz aller Bedenken. Im Nachhinein denke ich du willst mich vielleicht nur wiedersehen weil wir im Bett sehr gut harmonieren, weil ich Dinge mit dir mache die deine Freundin vielleicht nicht mit dir macht. Aber in dem Augenblick in dem du mich frägst ob es eine Chance gibt uns nochmal zusehen vor meiner Abreise, schlüpfen die Puppen und mein Bauch ist voller Schmetterlinge.

Du musst lange arbeiten und trotzdem siegt wieder mein Dickschädel. Am Abend mach ich mich auf den Weg zu Dir. Wir essen, wir trinken, wir küssen. Wir schlafen zum ersten Mal miteinander. Ich könnte ewig so weitermachen, Tagelang mit dir zwischen Küche, Bett und Bad verbringen. Solange ich nur deinen Geruch in meiner Nase habe, dein umwerfendes Lächeln sehen darf und du deine Arme um mich legst. Ich will das dieses Wochenende nie aufhört. Wir liegen lange wach, unterhalten uns über Exfreunde und Eltern. Mit jeder Sekunde spüre ich dieses wohlige Gefühl in mir wachsen. So sehr ich es auch versuche zu ignorieren. Es ist einfach da und ich kann nichts dagegen tun.

Der letzte Abend wird zu einer wahren Tortur. Alles beginnt so schön, wir trinken ein Glas Prosecco vor dem Fernseher, du nimmst meine Beine und legst sie auf deinen Schoß, küsst mich und wir reden. Dann kochen wir Spaghetti Carbonara, du hast Hägen Dazs Eis zum Nachtisch besorgt, wir trinken Wein und finden immer mehr Dinge raus die wir beide mögen. Als wir später im Bett liegen und du mir zum hundertsten Mal sagst wie gut ich schmecke ist es ganz um mich geschehen. Ich will die Zeit anhalten, deinen Blick festhalten wenn du mich anschaust, es soll nie wieder jemand anderes meinen Namen sagen. Und dann reisst das Kondom. Du musst erstmal eine rauchen, lässt mich alleine im Bett und ich fühle mich zum ersten Mal in deiner Gegenwart unsicher. Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich will das du bei mir bist. Du kommst wieder und bist so nervös wie ich dich noch nie gesehen habe. Wir gehen die Möglichkeiten durch die wir haben und fahren zur Notfallaufnahme des Krankenhaus. Mitten in der Nacht. Auf der Fahrt dorthin erzählst du mir wie toll es war und wie sehr du eigenlich weiter machen willst. Ich falle aus allen Wolken. Mir geht es nicht anders, aber du bist derjenige der schrecklich paranoid ist und unbedingt sofort eine Lösung finden muss. Die ganze Nacht ist ein Hin und Her, wir können beide nicht schlafen, die Notfallaufnahme hilft uns nicht und erst am vormittag finden wir eine Lösung schnell die Pille danach zu bekommen. Ich lasse mir nichts anmerken, hoffe ich jedenfalls, aber ich bin schrecklich nervös. Vorallem weil du ständig rauchst und mich im Zimmer sitzen lässt.

Trotzallem machst du mir das schönste Abschiedsgeschenk: Du kommst zum Flughafen und bleibst bei mir bis zum Schluß. Ich sage dir das ich mich ein wenig in dich verliebt habe und du sagst mir ich soll sowas nicht sagen. Du nimmst meinen Kopf in deine Hände und küsst mich. Ich würde am liebsten deinen Pulli mit mir nehmen, damit ich deinen Geruch länger bei mir habe, als nur der Hauch an meinem Schal. Wir küssen uns noch über die Absperrung, du gehst und kommst wieder, rufst meinen Namen und ich hoffe du siehst meinen Freudensprung in meinen Augen das du nochmal gekommen bist. Am liebsten würde ich zu dir laufen, deine Hand nehmen und dich mit nehmen auf meine Reise ins Unbestimmte. Du winkst und wirfst mir einen Handkuss zu. Dann verschwinde ich hinter der Passkontrolle.

1

Diesen Text mochten auch

2 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    das würde ich auch gerne wisen ;)

    24.10.2009, 19:53 von zitronenfalter84
    • Kommentar schreiben
  • 0

    schön geschrieben..
    möcht man direkt wissen wie's weitergeht ^^

    24.10.2009, 17:56 von IIR
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare