schickschick 22.04.2009, 21:46 Uhr 4 1

Du, überall Du

Es grenzt an Zauberei: Ich kann dich fühlen, schmecken, sehen, hören, riechen. Immer und überall.

Den grünen Tee mit Ingwer und Zitrone, den ich mir gerade frisch aufgebrüht habe, trinke ich aus meiner Lieblingstasse. Sie ist cremefarben mit altgrünen Blättern darauf und einem goldenen Rand. Vor allem aber schmeckt sie nach dir. Erst vorhin habe ich sie gespült, habe sie in mein Spülbecken gelegt, Spüli und Wasser vermischt und den Teerand mit dem gelben Schwamm weggewischt. Anschließend habe ich sie abgetrocknet. Sie sah so sauber aus und doch habe ich nicht alles wegwischen können. Zum Glück, denn jetzt schmecke ich dich, während ich die Tasse mit dem goldenen Rand ansetze und einen Schluck viel zu heißen Tee in meinen Mund schenke. Es ist so, als küsse ich dich. Und schon schmeckt der Tee viel besser.

Mit meiner Tasse in der Hand sitze ich auf meinem Stuhl. Es ist der Stuhl, auf dem du immer sitzt. Es ist sozusagen dein Stuhl. Wenn du auf diesem Stuhl sitzt, dann frühstücken wir meist oder essen zu Abend und du sagst mir dann immer wie lecker das Essen doch sei. Nun sitze ich hier auf diesem Stuhl und fühle dich und es ist so, als sitze ich auf deinem Schoß.

Als ich den Tee ausgetrunken habe, stehe ich auf und spüre den rauen Teppich unter meinen nackten Füßen. Es ist der Teppich, auf dem du immer alles liegen lässt. Deine Hose, dein T-Shirt, deine Tasche. Es ist der Teppich, auf dem du immer und immer wieder Chaos verbreitest. Chaos, das mich manchmal in den Wahnsinn treibt, wenn ich so schön aufgeräumt habe. Und nun stehe ich auf meinem beige-braunen Teppich, male mir dein Durcheinander auf den Boden, muss lächeln und denke an dich.

Von dem Teppich geht es auf die kalten Fliesen Richtung Bad. Dort nehme ich meine Zahnbürste aus dem Glas und öffne die Zahnpastatube. Eigentlich bist du es immer, der mir die weiße Paste auf meine Zahnbürste schmiert. Ich schließe die Tube und freue mich darauf, wenn du mir das nächste Mal wieder die Paste gibst. Ich setze mich auf den Klodeckel und putze meine Zähne. Ich schließe die Augen und denke daran, als wir das letzte Mal hier saßen und standen. Wir haben Zähnewettputzen gespielt. Du hast gewonnen. Ich spucke die Zahnpasta in das Waschbecken und spüle meinen Mund mit Wasser aus. Dabei schaue ich in den Spiegel und sehe daran Zahnpastaspritzer. Und auch im Bad ist wieder ein Stück Du.

Vom Badezimmer wandere ich in mein Bett, schlage die Bettdecke zurück und kuschel mich ein. Ich stecke meinen Kopf in das Kissen und atme tief ein. Und schon bist du wieder da. Es riecht nach dir und ich fühle, wie du erst vorgestern neben mir lagst. Ich habe mich ganz eng an dich geschmiegt, du hast mich mit deinen Armen umschlungen und ich habe dir wieder ein Lachen ins Gesicht gezaubert, weil ich immer sage, dass du meine natürliche Heizung bist.

Jetzt liege ich hier und in meinen Gedanken spielst du mir ein Lied auf deiner Gitarre vor und singst dazu. Ich kann alles ganz genau hören: Deine Stimme, deine Gitarre. Wie sehr ich mich darauf freue mit dir am Meer zu sitzen und dem wohl schönsten Duett aller Zeiten zu lauschen: Den Wellen und dir. Und nun geht der Tag zu Ende. Heute haben wir uns nicht gesehen und doch warst du da. Überall sehe ich dich, schmecke ich dich, rieche ich dich, fühle ich dich, höre ich dich. Denn überall ist ein Stück Du.

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4 Antworten

Kommentare

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    "Lachen ins Gesicht gezaubert, weil ich immer sage, dass du meine natürliche Heizung bist."

    – welcher Kerl lacht denn bitte über sowas und welche Frau hat es nötig, sowas zu sagen?

    Ist mir zu klischeebeladen. Frau räumt auf , Kerl bringt Chaos. All sowas.

    24.04.2009, 10:48 von frl_smilla
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    schön

    22.04.2009, 22:10 von IamTheMovie
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