Kathrin_Hartmann 20.04.2007, 12:18 Uhr 25 1
NEON täglich

Du kannst jetzt nicht gehen!

Krankheit, Unfall, Schwangerschaft: In manchen Situationen muss man eigentlich für seinen Partner da sein. Was, wenn man gerade dann gehen will?

Als Anja vom Arzttermin nach Hause kam und ihrem Freund sagte, sie hätte Leukämie, da war Thomas zuerst geschockt. Dann nahm er sie in den Arm und sagte so etwas wie, „kein Angst, du bist nicht alleine, wir schaffen das schon.“ Dann kamen die Medikamente und die Aufenthalte im Krankenhaus, die Angst und die Hoffnung, die Chemotherapie und die Bestrahlung, und nichts, gar nichts, war mehr wie vorher. Als hätte die Behandlung anstatt der Krebszellen vor allem die Liebe ausgerottet. Als Thomas Anja verließ, hatte keiner Verständnis für ihn. „Du Schwein! Wie kannst du nur!“ – so direkt sagte es nur die beste Freundin von Anja. Alle anderen dachten sich das.

Natürlich ist der Gedanke nahe liegend: Darf man so egoistisch sein? Heißt es nicht: In guten, wie in schlechten Zeiten? Unverhofft kann jeder mal vor der Frage stehen: Darf ich gehen? Muss ich bleiben, obwohl ich eigentlich schon längst gehen wollte? Warum eigentlich gleich zwei Leben zerstören? Die Freundin wird schwanger – obwohl die Beziehung eh schon fast am Ende war. Der Freund sitzt nach einem schweren Unfall im Rollstuhl und man war fest entschlossen, zu bleiben. Nur hat er sich so sehr verändert, dass er nicht mehr der Mensch ist, mit dem man zusammen sein kann und will. Vielleicht wollte man dem Partner gerade eröffnen, dass man sich anderweitig verliebt hat – aber er wiederum hat eben seine Eltern bei einem Autounfall verloren. Die Freundin ist zwar depressiv und selbstmordgefährdet – aber man kann ihr sowieso nicht helfen und hält es einfach nicht mehr aus.

Standet ihr auch schon mal vor einer so großen Entscheidung? Was habt ihr gemacht? Darf man gehen, obwohl man bleiben sollte?

1

Diesen Text mochten auch

25 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    also ich selbst musste leider die erfahrung machen. ich hatte einen autounfall und bin seither querschnittgelähmt. meine beziehung damals zerbrach leider, doch es ging/geht trotzdem (und das sehr gut) weiter... überzeugt euch selbst: www.stand-up-initiative.de

    02.09.2007, 20:37 von Hamoun
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Krankheit, Unfall, ungewollte Schwangerschaft sind eigentlich Prüfsteine für beide Partner. Ich muß in so einer Situtation mich ganz anders zu einem Menschen entscheiden als vorher. Natürlich ist das unbequem und wird auch viel verändern sicherlich bei Beiden. Oberflächlichkeit und Spaßgesellschaft sind dann entgültig vorbei, da wird dann etwas im wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren geprüft und das geht an die eigene Substanz, da hört die Kontrolle über das eigene Leben ganz schnell auf und das will natürlich niemand mehr in unserer abgestumpften, kalt- narzisstischen Welt. Das macht Angst, da läuft man weg, ist froh, daß es einen selber nicht erwischt hat, verwechselt Freiheit mit Feigheit und die eigene Gefühlskälte mit Eigenverantwortung und Individualismus.
    Doch diese Qualität, diese Kraft, die dabei entsteht, wenn man bleibt, wenn man sich dem stellt, wenn man Rückrat zeigt, ist auch durch nichts anderes im Leben herzustellen. Denn die große Liebe nach der alle so verzweifelt suchen entsteht nur an diesen Kreuzungen, sich zu entscheiden etwas gemeinsam durchzustehen, etwas zu bewältigen, heißt sich für jemanden wirklich zu öffnen, verwundbar zu machen, zu geben, zu vertrauen und auch eigentlich dafür zu sterben. Das ist der Tod des Egoismus und die einzige Möglichkeit für eine höhere Bewußtseinsentwickung.
    Wäre schade, wenn man die verpasst, denn diese Kreuzungspunkte bieten sich einem sehr selten im Leben und sind ein wahres Geschenk zur inneren Aufrichtung an unsere Seelen. Also, Mut zum Abenteur!

    23.04.2007, 02:12 von DerSchwam
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Ja, auch ich stand schon vor so einer Entscheidung bzw. stehe es eigentlich noch. Mein Freund hat vpr 2 1/2 Jahren seinen Vater verloren, jetzt ist auch noch seine Mutter todkrank und innerhalb weniger Wochen ein Pflegefall geworden.
    Wenn ich ihn in dieser Situation verlassen würde, könnte ich mir selber nicht mehr in die Augen sehen. Nach 6 Jahren Beziehung ist einfach ein gewisses Verantwortungsgefühl für den anderen gewachsen. Sicher ist auch Heuchelei dabei, wenn man eigentlich gehen wollte, sicher ist es auch ein Stück weit ein Vorwand die schwierigen Weg der Trennung doch nicht zu gehen, weil er mich braucht. Früher oder später wird sich die Frage wieder stellen und irgendwann kommt sicher auch der Punkt, an dem ich nicht mehr kann. Ich hoffe, ich bin dann noch stark genug, ihm nicht zu sagen, wie lange ich schon mit der Trennung hadere. Denn weh tun will man dem anderen doch nicht, zumindest nicht mehr als notwendig. Verdammt, wieviel Egoismus darf man haben, ohne sich selber dafür zu hassen??

    22.04.2007, 19:26 von Annie1978
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Normalerweise kommt man doch nicht heute auf morgen an, dass man sich trennen will. Da läuft doch schon länger was schief (dann wissen es beide) oder einer liebt den anderen nicht mehr (dann verhält derjenige sich auch meist anders als sonst).

    Ob jemand dann wirklich auf einmal alles mit dem Partner durchstehen will, mit dem er sich gerade noch 2 Wochen am Stück gefetzt hat? Oder der seit Monaten nicht mal mehr fragt, wies so bei der Arbeit lief?

    22.04.2007, 19:20 von SisterofEvil
    • Kommentar schreiben
  • 0

    @beautiful_beast:
    unterschreib ich!

    22.04.2007, 18:14 von clara.tornova
    • Kommentar schreiben
  • 0

    auch wenn die trennung aufrgund von solchen umständen vielleicht schwerer fällt, bringt es nix, wenn keine liebe mehr da ist...trennung sind hart...so oder so...
    aus eigener erfahrung kann ich sagen: was will ich mit nem typ, der nur, weil ich schwanger bin, mit mir zusamm bleibt, obwohl er mich nicht liebt? dann lieber ne korrekte trennung und nach nem gewissen abstand ne gute freundschaft, als ne beziehung aus zwang und ohne liebe...

    22.04.2007, 15:36 von kleine_lady
    • Kommentar schreiben
  • 0

    mein freund war drogenabhängig, ich bin bei ihm geblieben bis ich fast selbst daran kaputt gegangen bin. viel zu spät bin ich erst gegeangen und trozdem mach mir heute noch manchmal vorwürfe, dass ich ihn damit allein gelassen habe. aber das war das beste was ich hätte tun können... also ich denke bevor man sich selbst zu sehr belastet darf man IMMER gehn - auch wenn es dem anderen gegenüber hart ist

    22.04.2007, 14:58 von V.Kiara
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Ich glaube, es ist keine Frage, ob man gehen darf oder nicht. Es ist eher eine Frage der Art und Weise und die sollte in jedem Fall fair sein.

    22.04.2007, 10:51 von beautiful_beast
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
Seite: 1 2 3

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare