Inselregen 10.06.2011, 18:32 Uhr 0 1

Du. Ich. Wir. Und der Kaffee.

Du hast nicht verstanden, dass es einfach gut ist ein Netz zu haben. Niemand hat vor hineinzufallen.

Es tut wieder weh. Und nicht im übertragenen Sinne. Sondern so richtig, irgendwo da im "Oberbauch", wie der Arzt sagt. Das wir uns getroffen haben, hat es nur noch schlimmer gemacht. Du ahnst es nicht. Du kannst nichts dafür. Ich mache mir schon länger so meine Gedanken. Ob es ein Fehler war sich zu trennen. Ob es auch hätte anders sein können. Ob ich mich wieder hätte fangen können. Dann kommt es wieder hoch-wie es sich damals angefühlt hat. Du hast mich einfach hängen lassen. Ich hätte dich gebraucht. Ein bisschen Sicherheit. Ein bisschen Rückhalt. "Ich hatte nie vor deinen Versorger zu spielen". So kitschig es klingt, damit hast du mir endgültig das Herz gebrochen. Ich wollte nie einen Versorger. Ich sorge schon ne ganze Weile länger für mich selbst. Du hast nicht verstanden, dass es einfach gut ist ein Netz zu haben. Niemand hat vor hineinzufallen. Dabei bist du öfter mal abgerutscht und es war gut, dass ich dein Netz war. Ich hab das gern gemacht, denn ich habe dich geliebt. Den anderen auffangen, gehört das nicht dazu? Ich kann spüren wie die Magensäure meine Speiseröhre hochklettert. Ich muss wieder an Speiseröhrenkrebs denken. Ich darf es nur keinem sagen. Ihr habt alle Angst davor. Wenn ihr schon Angst davor habt, wie geht´s mir dann wohl? Du hattest auch immer Angst, aber das war irgendwie anders. Du wolltest meine makaberen Scherze auch nicht hören, aber ich war dir nicht böse drum. Ich vermisse dich. Glaube ich. Ein Jahr ist es schon her. Ich hab dich heute angesehen, deine kleinen Fältchen um die Augen. Vorallem wenn du lächelst. Deine Arme. Die Muskeln. Dieses T-Shirt, das ich überhaupt nicht mag. Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke. Ich musste auf dich warten. Irgendwie wie immer. Ich hätte mir gewünscht, dass du mich in den Arm nimmst und mich küsst. Als wir uns verabschiedeten hast du mich gefragt, ob du etwas für mich tun könntest. Ich habe meine Tränen geschluckt, denn ich wusste, du nimmst mich nicht in den Arm. Es wird keinen tröstlichen Kuss auf die Stirn geben. Wir werden nicht zu dir rauf gehen. Du hältst mich nicht mehr fest. Es gibt kein "Wir" mehr. Und auch diese winzige masochistische heimliche Hoffnung, irgendwann gibt es nochmal ein "Wir", schwindet allmählich. Du hast dir "The Black Swan" angesehen. Mit einer Frau. Keine Ahnung ob du eine neue Freundin hast. Dein Blick sagte zumindest, es war ein Date. es geht mich nichts an, ich will es mir nur nicht vorstellen. Immer wieder habe ich heute meine Tränen geschluckt. Schon vor unserem Treffen hatte ich das alles in mir angesammelt. Es wollte herausplatzen. Aber es ging nicht. Es wäre auch irgendwie albern. Es ist ja immerhin ein Jahr her.

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