never_not_ever 30.11.-0001, 00:00 Uhr 11 17

Du hast mich verkorkst…

Ich weiß, ich sollte nicht vergleichen, aber ich vergleiche alles und jeden mit dir. Du hast mich verkorkst…

Letzten Herbst haben wir uns kennengelernt. An dem Abend wollte ich eigentlich nur raus, weg, feiern, mich ablenken und auf keinen Fall da sein, wenn mein Ex nach Hause kommt. Eine Freundin nahm mich mit zum Tanzen. Tanzen in eine Szene, die mir völlig fremd war. Aber es war schön, der Abend gelungen und dann standst du plötzlich vor mir. Nett, aufgeschlossen, freundlich, gut aussehend.


Auch ich muss Eindruck bei dir hinterlassen haben, denn am nächsten Tag hast du dich bei mir gemeldet. Nichts Aufregendes. Nur kurz den Abend mit mir ausgewertet, ein bisschen geflirtet aber nichts, was mich völlig aus der Bahn hätte werfen können. Dieses Gefühl kam schleichend und hat mich dann doch erwischt wie ein heranfahrender ICE.


Denn auf einmal hatte ich jeden Tag Nachrichten von dir. Wir schrieben uns jeden Tag über Stunden, vor der Arbeit, während der Arbeit, nach der Arbeit. Wenn ich abends nach Hause kam, klopfte mein Herz schon wie wild, weil ich wusste du bist online und wartest auch auf mich. Um ein Treffen hast du 2 Wochen förmlich gebettelt und ich habe immer wieder gedacht „Bitte lass das nicht alles nur ein Traum sein, bitte lass das wahr sein“.


Zwei Wochen jeden Tag schreiben, zwei Wochen immer wieder Gemeinsamkeiten finden, zwei Wochen immer wieder darüber staunen, wie ähnlich sich zwei Menschen sein können, zwei Wochen lachen, zwei Wochen sich auf dich freuen und dann das Wiedersehen. Es war unglaublich. Du warst so aufgeregt wie ein kleiner Schuljunge und genau das machte dich nur noch attraktiver und noch liebenswerter. Der Abend war schön und deine Freunde unglaublich nett aber eigentlich hatte ich nur Augen für dich. Ich werde nie vergessen, wie du dich zu mir rüber gelehnt und mir ins Ohr geflüstert hast „Ich würde dich jetzt wirklich gerne küssen“ Der Kuss, deine Berührungen, der ganze Moment war  pures Feuerwerk. Ich habe alles und jeden um mich herum vergessen.


Am nächsten Tag auf Arbeit, ich war nur körperlich anwesend. Meine Gedanken kreisten um den Abend, deine Küsse, deine Arme, die mich an dich heranzogen. Meine Gedanken kreisten komplett um dich. Ich war noch völlig benebelt, tanzte auf Wolken und konnte mit meinem dämlichen Grinsen, auf das mich sogar Kollegen ansprachen, nicht aufhören. Noch nie in meinem ganzen Leben war ich so glücklich. Noch nie in meinem ganzen Leben hatte ein Mann mich so sehr geflasht wie du. Noch nie hatte ich gedacht „Ich bin angekommen“ und das alles nach so kurzer Zeit.


Es folgte eine Woche, die ich als schönste meines Lebens bezeichnen würde. Die Woche hast du dreimal bei mir übernachtet ohne das du auch nur versucht hast mich ins Bett zu zerren. Zwischen ewigem Knutschen und ewigen Gesprächen, warst du der perfekte Gentleman. An einem Abend warst du auf einer Geburtstagsfeier und konntest leider nicht zu mir kommen. Ich war traurig aber auch ich finde nichts ätzender als wenn zwei Menschen um sich herum ihre Freunde vergessen nur weil sie sich gefunden haben. Ich ging ins Bett und lag in Gedanken in deinen Armen als dann mitten in der Nacht halb 3 mein Handy klingelte. DU! „Hey Süße, ich wollte nur mal deine Stimme hören“. Wir unterhielten uns über deinen Abend und dann bist du doch noch mal vorbei gekommen. Einfach nur um noch die zwei Stunden, bevor mein Wecker klingelte, bei mir sein zu können. In dieser Nacht war es endgültig um mich geschehen. Ich hatte jegliche Zweifel abgeworfen und war dir, von dem Moment an, mit Haut und Haaren verfallen.


Plötzlich hast du dich zurückgezogen. Warst nicht mehr so gesprächig. Immer noch lieb und nett aber irgendwas war passiert. Irgendwas trieb dich von mir weg. Es zerriss mich. Was war nur los? Zwei Wochen später erfuhr ich den Grund. Deine Ex. Sie hatte einen Neuen. Ich war hin- und her gerissen. Auf der einen Seite verstand ich dich, auf der anderen nicht. Das was wir hatten war doch echt! Oder? Ich konnte mir nicht alles eingebildet haben. „Gib mir Zeit“. „Gib mir Zeit“ schallt wie ein Echo immer wieder durch meinen Kopf. Zeit? Wie viel? Okay, ich gebe sie dir aber gib du mir das Versprechen, dass alles wieder gut wird.


Du hast mir die Luft zum Atmen genommen. Alles schnürt sich in meiner Kehle zu und mir steigen Tränen in die Augen, wenn ich nur daran denke, was zwischen uns war und was es alles hätte werden können. Es ist kurios, ich kann nicht mal mehr in meinem Bett schlafen. In dem Bett, in dem ich mit dir geschlafen habe, eng aneinander gekuschelt, in dem Bett, wo du mich so fest in deinen Armen gehalten hast, dass man den Eindruck bekam, du hast Angst, ich werde geklaut. Ich kann dort nicht mehr schlafen. Meine Couch ist unbequem aber das ist mir egal, ich kann in diesem Bett einfach nicht schlafen. Ich wache frühmorgens auf und alles ist für einen kleinen kurzen Moment gut und dann fällt es mir wieder ein, es trifft mich wie ein Schlag - plötzlich und unvorbereitet - ich bekomme wieder keine Luft, ich habe das Gefühl, ich drohe zu ersticken. Der Schmerz in meiner Brust nimmt mir die Kraft zum Atmen und ich will nur dass es aufhört. Aber es hört nicht auf und ich habe Angst, dass dieser Schmerz nie nachlassen wird. 


Du hast mir zum Abschied geschrieben „… alles was ich je gesagt oder geschrieben habe, meinte ich ernst… du bist toll und hast einfach was Besseres verdient als mich…“ Was Besseres? NEIN! Was soll das? Warum sagst du so was? Ich will nichts Besseres! Es gibt nichts Besseres! Ich will dich!


Bei dem Gedanken an unsere Kennlernzeit habe ich wieder mein Lächeln von damals auf den Lippen aber nun laufen mir abermals die Tränen die Wange runter und so sehr wie ich mich bemühe, ich kann es nicht verhindern und ich kann nicht aufhören mit weinen.


Ich lerne Männer kennen. Interessante Männer. Gutaussehende Männer. Aber keiner ist wie du. Ich vergleiche. Ich vergleiche alles und jeden mit dir. Ich vergleiche und es tut weh. Es tut weh, weil keiner an dich heran kommt. Keiner schreibt so wie du, keiner lächelt so wie du, keiner bringt mich so zum Lachen wie du, keiner bringt mich so zum Strahlen wie du, die Männer, die ich kennen lerne sind einfach nicht du.

Ich weiß, ich sollte nicht vergleichen, aber ich vergleiche alles und jeden mit dir. Du hast mich verkorkst…

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11 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Oh ja, das kann ich nur zu gut nachvollziehen. Wenn da dieser eine Mensch ist, der dich völlig in seinen Bann gezogen hat, mit all seinen Fehlern, all seinen Macken. Den man einfach nicht vergessen kann, so sehr man es auch versucht. Wenn einen der bloße Gedanke an ihn umbringt und sich alles andere einfach nur falsch anfühlt.... Ich hoffe für dich, dass du noch einmal solch einen Menschen findest, der sich dann auch bewusst darüber ist, welches Glück er hatte dich kennen zu lernen.

    01.01.2014, 19:51 von VomWindeVerweht
    • 0

      Vielen Dank :) deine Texte sind ebenfalls absolut nachvollziehbar. Gefallen mir sehr gut. LG

      01.01.2014, 19:53 von never_not_ever
    • 0

      Danke!

      01.01.2014, 19:55 von VomWindeVerweht
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  • 1

    Nachvollziehbar, zunächst wunderschön, und zum Ende leider viel zu traurig.

    15.07.2013, 12:20 von Marc25
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Danke, das ist so lieb von dir. :) Aber auch wenn es jetzt schon wieder eine Weile her ist, es holt mich immer wieder ein...

      27.06.2013, 20:28 von never_not_ever
  • 3

    Meine Couch ist unbequem aber das ist mir egal, ich kann in diesem Bett einfach nicht schlafen. Ich wache frühmorgens auf und alles ist für einen kleinen kurzen Moment gut und dann fällt es mir wieder ein, es trifft mich wie ein Schlag - plötzlich und unvorbereitet - ich bekomme wieder keine Luft, ich habe das Gefühl, ich drohe zu ersticken.

    Das ist das grausamste daran, ich kenne das. Aber auch das geht wieder vorbei & irgendwann ist das Bett mit frischer kuscheliger Bettwäsche wieder ein heimeliger Ort :-) 

    15.05.2013, 14:56 von Sommerschein
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  • 2

    Du bist jetzt ansprchsvoller. Das kann kein Fehler sein. Und der Schmerz wird weniger mit der Zeit. Versprochen. Eines Morgens ist er ganz weg. Und du frei. Frei aber anspruchsvoll. Und das ist gut.

    15.05.2013, 13:35 von Plutarch
    • 1

      Frei aber anspruchsvoll klingt gut. :)

      15.05.2013, 21:46 von never_not_ever
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  • 0

    Das ist furchtbar, ich kann die Situation sehr gut nachempfinden, es ist, als würdest du da eine Geschichte von mir erzählen. Sehr gut beschrieben. Aber glaub mir, irgendwann kommt einer, der ist SO anders, da kannst du gar keine Vergleiche mehr ziehn und alles wird besser! :)

    10.04.2013, 13:38 von Vanicia
    • 1

      Danke, das ist lieb von dir :)

      10.04.2013, 13:53 von never_not_ever
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