Mitbewohnerin_von_einem_Freund 30.11.-0001, 00:00 Uhr 15 100

Du hast mein Leben auf den Kopf gestellt, aber nicht zurück

Ich wache auf mit dir, ohne dich. Ich schlafe ein mit dir ohne dich. Ich bin nicht unglücklich verliebt, sondern hoffnungslos.

Was tut man mit diesen ganzen rationalen Gedanken? Und was zieht man aus den nie endenden Kopfschmerzen, die immer wieder auftauchen, wenn man Herzmenschen liest? Alles auf Null, Herz vergraben und wieder ausbuddeln. Andere Stadt, andere Leute, du bleibst. Als Schrift, als Bild, als Herzklopfgefühl, aber auch als stechender Kopfschmerz. Ob ich noch weiß? Wie sollte ich nicht? Natürlich weiß ich.

Ich las Kundera und heulte, ich las Rilke und nickte. Natürlich weiß ich. Eigentlich möchte ich nicht zurückschreiben, weil das doch zu nichts führt. Eigentlich bin ich glücklich, gerade. Eigentlich ist ein grausames Wort. Meine Augen blicken andauernd in den Himmel, damit sie nicht in die Menschen gucken müssen. Der Himmel suggeriert so was wie Leere und am schönsten ist er Nachts, wenn dort Sterne leuchten. Oft wäre ich lieber irgendwo dort oben als hier unten. Und doch schreibe ich, weil ich muss. Es ist wie ein sehr tiefes Bedürfnis.

Ich mochte schon bevor wir uns überhaupt richtig kannten, wie du die Menschen anguckst. Mit diesen großen Augen. Und wie ich dieses schiefe Lächeln mag, es steht dir so gut und du trägst es viel zu selten, aber auch ein schönes Gefühl, dass du dieses Lächeln nicht jedem schenkst.

Was nützt die Liebe in Gedanken? Ich kenne deine Antwort nicht, aber vielleicht ist die Vorstellung von UNS besser als die Tatsächlichkeit.

Man bereut nur Ungetanes. Das glaub ich nicht. Aber ich glaube, man bereut Ungetanes immer. Ja, du magst pathetische Abgänge. Vielleicht magst du deshalb die Vorstellung von uns. Weil du pathetisch abgehen kannst. Weil ich pathetisch abgehen kann und es ein bisschen wie ein dramatisches Theaterstück ist. In fünf Akten. Der fünfte muss noch geschrieben werden. Vielleicht sind wir gerade das retardierende Moment. Ja, vielleicht ist unsere Geschichte ein klassischer Fünfakter. Aber was kommt danach? Wenn wir kein Drama mehr haben. Wir könnten eine Komödie schreiben. Oder einfach die Stifte aus der Hand legen und die Hände in die Hand nehmen.

Ich wache auf mit dir, ohne dich. Ich schlafe ein mit dir ohne dich. 

Ich bin nicht unglücklich verliebt, sondern hoffnungslos. Das Adjektiv davor verstehe ich im zweifachen Sinne. Hoffnungslos, weil ich dagegen nichts tun kann, und hoffnungslos, weil ich über Perspektiven nicht schreiben kann.

   


Tags: Trennung, Herzklopfen, Ohnmacht, Zweifel, Danach, unglückliche Liebe
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15 Antworten

Kommentare

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  • 3

    Vielleicht ist die Vorstellung von uns besser als die Tatsächlichkeit.

    Lieblingszitat ♡

    26.05.2014, 21:34 von Sandy-Y
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  • 0

    Diese Situation kennt wohl jeder, der schon mal hoffnungslos verliebt war oder es immer noch ist. Schöne Worte. Es wirkt so ehrlich und nicht so gezwungen wie das ach so schön verpackt sein soll. Danke für die schönen Worte.

    18.05.2014, 17:50 von dunkle_Nacht
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    Kommt mir sehr bekannt vor...
    trotzdem lebt man weiter, nur wird die Hoffnung durch Sehnsucht ersetzt.

    30.04.2014, 17:00 von Rosetalgia
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  • 0

    "Ich bin nicht unglücklich verliebt, sondern hoffnungslos"


    wie sehr ich mich darin wiederfinde gerade :(

    27.04.2014, 21:06 von you-can-call-me-summerrain
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    "vielleicht ist die Vorstellung von uns besser als die Tatsächlichkeit" 

    gefällt mir gut !

    15.04.2014, 15:05 von wallflower_94
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    Ich bin nicht unglücklich verliebt, sondern hoffnungslos. 

    Danke! Das waren die Worte die mir gefehlt haben.

    14.04.2014, 16:33 von AllesistPaul
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    "Meine Augen blicken
    andauernd in den Himmel, damit sie nicht in die Menschen gucken
    müssen."

    30.03.2014, 19:57 von highfivery
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  • 0

    wow.

    27.03.2014, 16:20 von Mauerbluetchen
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  • 0

    So schön.

    24.03.2014, 17:08 von MistKunstStueck
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  • 1

    "Was nützt die Liebe in Gedanken? Ich kenne deine Antwort nicht, aber vielleicht ist die Vorstellung von UNS besser als die Tatsächlichkeit. "

    Das trifft es genau... Ich mag den Text, auch wenn er mich so traurig macht. Weil er mir aus der Seele spricht.

    24.03.2014, 09:31 von Jennesmee
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